Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnung für Russland deutlich ausgeweitet. Während bislang vor allem die an die Ukraine grenzenden Regionen als besonders gefährlich galten, wird nun ausdrücklich vor Reisen in das gesamte russische Staatsgebiet gewarnt. Hintergrund ist die zunehmende Gefährdung durch Drohnenangriffe und herabfallende Trümmerteile, die inzwischen auch weit von der Front entfernte Städte betreffen.
Mit der aktualisierten Einschätzung reagiert die Bundesregierung auf die veränderte Sicherheitslage. Die Angriffe beschränken sich längst nicht mehr auf Grenzregionen, sondern erreichen zunehmend auch Metropolen wie Moskau und St. Petersburg. Dadurch steigt das Risiko für Reisende erheblich.
Drohnenangriffe sorgen für neue Gefahren
Ein wesentlicher Grund für die verschärfte Reisewarnung sind die intensiveren Drohnenangriffe im russischen Hinterland. In den vergangenen Monaten hat die Ukraine ihre Angriffe auf militärische und industrielle Ziele in Russland deutlich ausgeweitet. Dadurch kommt es immer häufiger zu Zwischenfällen auch fernab der eigentlichen Kampfgebiete.
Nach Angaben des Auswärtigen Amts besteht im gesamten Land die Gefahr, von Drohnen oder herabstürzenden Trümmerteilen getroffen zu werden. Besonders problematisch ist, dass Angriffe oftmals ohne Vorwarnung erfolgen. Luftalarme werden vielerorts nur eingeschränkt oder gar nicht ausgelöst.
Die Behörden empfehlen deshalb allen Personen, sich im Ernstfall sofort in geschützte Bereiche wie Tiefgaragen oder U-Bahn-Stationen zu begeben und den Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen.
Risiko willkürlicher Festnahmen bleibt bestehen
Neben der angespannten Sicherheitslage weist das Auswärtige Amt erneut auf rechtliche Risiken für deutsche Staatsangehörige hin. Besonders für deutsch-russische Doppelstaater bestehe weiterhin die Gefahr willkürlicher Festnahmen oder strafrechtlicher Maßnahmen.
Zudem wird Reisenden geraten, sich in sozialen Netzwerken und bei politischen Äußerungen äußerst zurückhaltend zu verhalten. Bereits kritische Kommentare oder Beiträge können unter Umständen rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Auch Demonstrationen und größere Menschenansammlungen sollten konsequent gemieden werden.
Flugverkehr und Infrastruktur beeinträchtigt
Die verschärfte Sicherheitslage wirkt sich auch auf den Reiseverkehr aus. Flughäfen werden aufgrund von Drohnenwarnungen immer wieder kurzfristig geschlossen. Dadurch kommt es regelmäßig zu Verspätungen und Flugausfällen. Auch der Bahnverkehr kann von Sicherheitsmaßnahmen oder Angriffen betroffen sein.
Hinzu kommt, dass es seit Beginn des russischen Angriffskrieges keine direkten Flugverbindungen zwischen Deutschland beziehungsweise der Europäischen Union und Russland mehr gibt. Reisen sind nur noch über internationale Umsteigeverbindungen möglich, die kurzfristig ebenfalls eingeschränkt werden können.
Darüber hinaus weist das Auswärtige Amt auf mögliche Probleme bei der Bargeldversorgung hin. Internationale Kreditkarten funktionieren in Russland weiterhin nicht zuverlässig, weshalb Reisende ausreichend Bargeld einplanen müssen.
Touristen sollten Reisen sorgfältig überdenken
Die aktualisierte Reisewarnung ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass touristische Reisen nach Russland derzeit mit erheblichen Risiken verbunden sind. Wer bereits eine Reise plant, sollte die Entwicklung aufmerksam verfolgen und regelmäßig die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise prüfen.
Auch Geschäftsreisende sollten ihre Notwendigkeit sorgfältig abwägen. Die Kombination aus Sicherheitsrisiken, eingeschränkten Transportmöglichkeiten und rechtlichen Unsicherheiten erschwert Reisen erheblich.
Sicherheit hat oberste Priorität
Das Auswärtige Amt betont, dass die Lage jederzeit kurzfristig eskalieren kann. Deshalb sollten sich deutsche Staatsangehörige vor einer Reise umfassend informieren und die offiziellen Hinweise konsequent beachten.
Wer sich bereits in Russland aufhält, sollte die lokalen Sicherheitsmeldungen verfolgen, größere Menschenansammlungen meiden und jederzeit mit kurzfristigen Einschränkungen im öffentlichen Leben rechnen.
Quelle: tagesschau.de
