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    Home»Themen»Autorenbeitrag»Wie und wohin reisen wir morgen? – Wie Hitze unsere Urlaubswelt verändert
    Thomas Bösl Foto
    Autorenbeitrag

    Wie und wohin reisen wir morgen? – Wie Hitze unsere Urlaubswelt verändert

    Von Thomas Bösl2. September 2026

    Autorenbeitrag – Neue Reisezeiten, neue Ziele, neue Fragen: Thomas Bösl, Vorstand der rtk international, Europas größte Reisebürokooperation, erklärt, warum zunehmende Hitzeperioden unseren Urlaub verändern und weshalb gute Reiseberatung dabei noch wichtiger wird.

    Die Sommer werden heißer, Hitzeperioden häufiger und länger. Der Klimawandel verändert damit auch die Bedingungen, unter denen wir Urlaub machen. Bedeutet das, dass wir künftig im Sommer nicht mehr ans Mittelmeer reisen sollten? Oder dass der klassische Badeurlaub im Süden zum Auslaufmodell wird? Ganz so einfach ist es nicht.

    Als Vorstand der rtk international und Sprecher der Quality Travel Alliance (QTA), einem Zusammenschluss großer Reisebüro- und Vertriebsorganisationen, beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit der Frage, wie sich Reisebedürfnisse verändern. Wir werden auch zukünftig reisen – aber teilweise zu anderen Zeiten, verstärkt zu anderen Orten und mit anderen Ansprüchen. Hitze verändert nicht nur unsere Reiseziele. Sie entzerrt auch die Reisekarte und den Reisekalender.

    35 Grad fühlen sich nicht immer wie 35 Grad an

    Ein heißer Urlaubstag am Mittelmeer kann sich anders anfühlen als ein heißer Sommertag zu Hause oder in der Innenstadt. Das ist keine Einbildung. Der Deutsche Wetterdienst1 weist darauf hin, dass unser Temperaturempfinden nicht allein von der gemessenen Lufttemperatur abhängt. Luftfeuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung und auch unsere körperliche Aktivität spielen eine wesentliche Rolle.

    Hinzu kommt ein ganz praktischer Unterschied: Viele klassische Urlaubsregionen sind seit Jahrzehnten auf hohe Sommertemperaturen eingestellt. Klimatisierte Hotelzimmer und Restaurants, Sonnenschutz und Verschattung gehören vielerorts ebenso selbstverständlich dazu wie Pool und Meer. Und natürlich verhalten wir uns im Urlaub anders als im Alltag: Statt in der Mittagshitze durch eine aufgeheizte Innenstadt zu laufen, können wir uns im Schatten aufhalten, ins Wasser springen oder Aktivitäten auf den Morgen und Abend verlegen.

    Das heißt nicht, dass Hitze harmlos ist. Zur Ehrlichkeit gehört auch: Extreme Temperaturen können belastend sein. Längere Hitzeperioden, Wasserknappheit oder ein erhöhtes Waldbrandrisiko stellen auch Urlaubsregionen vor Herausforderungen

    Der Sommerurlaub bekommt einen größeren Kalender

    Vor diesem Hintergrund wir künftig weniger ausschlaggebend sein, wo wir Urlaub machen, sondern stärker auch wann.

    Wer das Mittelmeer liebt, aber große Hitze vermeiden möchte, kann beispielsweise in der Vor- oder Nachsaison reisen. Das kann für viele Gäste sogar neue Möglichkeiten eröffnen: Baden, Kultur, Ausflüge oder Sport lassen sich außerhalb der heißesten Wochen häufig besser miteinander verbinden.

    Dahinter steckt eine Entwicklung, die auch wissenschaftliche Untersuchungen der Europäischen Kommission beschreiben. Das Joint Research Centre2 erwartet bei fortschreitender Erwärmung Verschiebungen der europäischen Tourismusnachfrage: In südlichen Küstenregionen könnte die Nachfrage im Hochsommer zurückgehen und sich teilweise auf Frühjahr, Herbst und Winter verlagern.

    Damit könnte sich unser gewohnter Reisekalender langfristig verändern. Die klassische Trennung in Sommer- und Winterurlaub verliert möglicherweise an Bedeutung. Je nach Ziel entstehen unterschiedliche attraktive Reisezeiten, und für manche Destinationen kann sich die touristisch interessante Saison über einen längeren Zeitraum des Jahres erstrecken.

    Die Reisekarte wird ebenfalls größer

    Gleichzeitig rücken Regionen stärker ins Blickfeld, die bislang nicht automatisch mit dem klassischen Sommerurlaub verbunden wurden. Nördlichere Küstenregionen oder höher gelegene Regionen können Alternativen für Reisende sein, die gemäßigtere Temperaturen bevorzugen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um ein „Nord statt Süd“. Es geht um zusätzliche Möglichkeiten.

    Ein Begriff dafür ist Coolcation: Gemeint ist Urlaub, bei dem bewusst Reiseziele mit gemäßigteren Temperaturen gewählt werden. Eigentlich ist das gar nicht so neu. Man könnte auch von einer modernen Variante der guten alten Sommerfrische sprechen.

    Auch in Deutschland verändern sich die Bedingungen. Das Umweltbundesamt3 stellt beispielsweise fest, dass die potenzielle Badeperiode an Nord- und Ostsee seit Ende der 1980er-Jahre (Ostsee) bzw. Ende der 1990erJahre (Nordsee) länger geworden ist: Wärmere Wassertemperaturen treten tendenziell früher auf und reichen länger in den Herbst hinein.

    Hotels und Urlaubsorte müssen sich anpassen

    Die Verantwortung für Anpassung liegt aber nicht allein beim Reisenden. Auch Hotels und Destinationen werden stärker darauf achten müssen, wie sie mit hohen Temperaturen umgehen.

    Verschattung und Begrünung, klimatisierte Aufenthaltsbereiche, eine hitzegerechte Gestaltung von Außenflächen und ausreichend verfügbare Trinkwasserangebote gewinnen an Bedeutung. Auch touristische Programme lassen sich anpassen: Ausflüge, Besichtigungen oder sportliche Aktivitäten können stärker in die Morgen- und Abendstunden verlegt werden.

    Der professionelle Umgang mit hohen Temperaturen wird damit zunehmend zu einem Qualitätsmerkmal. Neben Zimmer, Verpflegung, Strandlage oder Pool kann künftig auch die Frage wichtiger werden: Wie gut ist mein Hotel und mein Urlaubsort eigentlich auf Hitze vorbereitet?

    Anders reisen statt verzichten

    Dabei müssen wir nicht immer gleich Reiseziel oder Reisezeit verändern. Manchmal genügt es, den Urlaubstag anders zu organisieren.

    In vielen südlichen Ländern ist das längst selbstverständlich: Aktivitäten finden am Morgen statt, während der heißesten Stunden wird eine Pause eingelegt und das Leben verlagert sich am späten Nachmittag und Abend wieder nach draußen. Auch Urlauber können ihren Rhythmus entsprechend anpassen.

    Entscheidend ist zudem das persönliche Empfinden. Der eine freut sich auf 32 Grad und Sonne, dem anderen sind bereits 27 Grad zu warm. Ein Aktivurlaub stellt andere Anforderungen an das Klima als zwei Wochen Erholung am Pool. Die Frage nach der „richtigen“ Urlaubstemperatur lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten.

    Warum gute Reiseberatung noch wichtiger wird

    Genau hier verändert sich auch die Aufgabe der Reisebüros. Professionelle Beratung ist schon heute weit mehr als die Empfehlung eines Hotels oder der Vergleich von Preisen. Reiseart, persönliche Vorlieben, Lage, Ausstattung, Mobilität und individuelle Bedürfnisse müssen zusammenpassen.

    Künftig kommt ein weiterer Faktor stärker hinzu: Welche klimatischen Bedingungen passen zu welchem Reisenden und zu welcher Reisezeit?

    Aus dem Satz „Im Juli ist mir das Mittelmeer zu heiß“ sollte deshalb nicht die Schlussfolgerung „Dann mache ich keinen Sommerurlaub“ entstehen. Die bessere Frage lautet: „Welcher Urlaub passt im Juli zu mir?“

    Ein gutes Reisebüro kann darauf Antworten geben: vielleicht ein anderes Ziel, vielleicht eine andere Region, vielleicht eine andere Reisezeit. Oder ein Hotel, dessen Lage und Ausstattung besonders gut zu den persönlichen Bedürfnissen passen. Je vielfältiger die Möglichkeiten werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, sie richtig einzuordnen.

    Reisen morgen: vielfältiger statt weniger

    Der Urlaub der Zukunft wird anders aussehen als heute. Wahrscheinlich wird er zeitlich flexibler, geografisch vielfältiger und individueller. Mittelmeer im Frühjahr oder Herbst, Skandinavien im Juli, Nordsee oder Berge im Sommer – und selbstverständlich weiterhin der klassische Badeurlaub im Süden für alle, die Wärme lieben.

    Zunehmende Hitzeperioden sind eine Herausforderung, die wir nicht kleinreden sollten. Sie bedeuten aber nicht, dass wir auf das Reisen verzichten müssen. Wir werden vielmehr bewusster entscheiden müssen, wann, wohin und wie wir reisen.

    Und vielleicht ist genau das die wichtigste Veränderung: Nicht weniger Urlaub, sondern ein Urlaub, der besser zu uns, zur Jahreszeit und zum jeweiligen Reiseziel passt.

    Quellen:

    1. dwd.de
    2. joint-research-centre.ec.europa.eu
    3. umweltbundesamt.de

    Über den Autor

    Der Autor Thomas Bösl ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in leitenden Funktionen der Tourismusbranche tätig und gilt als ausgewiesener Experte insbesondere für den Reisevertrieb. Er ist Geschäftsführer von RT-Reisen mit der Reisebürokooperation rtk, Vorstandsvorsitzender der rtk international und Geschäftsführer von Reiseland.  Außerdem ist er Sprecher der Quality Travel Alliance (QTA), der größten europäischen Reisebüroallianz, sowie Mitglied der Geschäftsleitung der RT/Raiffeisen Touristik Group (RTG). Die RTG zählt zu Europas führenden touristischen Vertriebsorganisationen und vereint unter ihrem Dach renommierte Marken und Reiseunternehmen, darunter auch sonnenklar.TV. Zudem engagiert sich Thomas Bösl im Präsidium des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft.

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