Sonnenklar.TV hatte bereits berichtet: die EU will die Rechte von Reisenden weiter stärken. Am 20.10.2026 beschloss das Europaparlament in Straßburg mit überwältigender Mehrheit (652 Mal ja, 2 Mal nein, acht Enthaltung) ein weiteres umfassendes neues Regelwerk. Die letzte fehlende Zustimmung muss noch vom Rat der EU kommen – hier rechnet aber keiner mit Widerspruch. Drei Jahre hatten die europäischen Organe verhandelt. Folgendes soll ab Oktober 2027 gelten:
Ticket-Erstattung bei Drittanbietern
Bisher gestaltete es sich oft langwierig und erfolglos, bei gecancelten Flügen über Buchungsplattformen die Kosten zurückzufordern. Nun nimmt die EU diese Drittanbieter stärker in die Pflicht: mit dem neuen Gesetz müssen sie genau wie die Fluggesellschaften bei Absage des Fluges sämtliche Kosten an den Kunden rückerstatten.
Einheitliches Formular der Erstattung
Mussten Reisende sich bisher durch ein Wirrwarr an verschiedenen Erstattungs-Formularen bei den einzelnen Bahn-, Bus- und Fluggesellschaften kämpfen, will die EU nun ein einheitliches Formular bereitstellen. Es soll auf der Seite der EU-Kommission in allen EU-Sprachen und für alle Transportmittel zur Verfügung stehen.
Bessere Unterstützung für Reisende mit Behinderung
Für Bus und Bahn gibt es bereits die Regelung, dass Reisende mit Behinderung eine Begleitperson kostenlos mitnehmen dürfen. Nun wird dies auch auf Flüge ausgeweitet. Außerdem sollen die einzelnen Bestimmungen und Erlaubnisse für Begleithunde EU-weit vereinheitlicht werden.
Kostenlose Sitzplatzwahl im Flugzeug
Was bisher bei Billig-Fluggesellschaften oft mit Kosten verbunden war: die Buchung von zusammenhängenden Sitzplätzen für gemeinsam Reisende. Für Kinder unter 14 Jahren, Schwangere und Menschen mit Behinderungen sollen diese Kosten nun wegfallen. Die Airlines werden verpflichtet, einen kostenlosen Nachbarplatz für Begleitpersonen zu gewährleisten.
Ansprechpartner am Flughafen
Bisher war den Airlines lediglich vorgeschrieben, bei Flugausfällen und Verspätungen schriftliche Informationen am Flughafen zur Verfügung zu stellen. Nun werden sie verpflichtet, einen physischen Ansprechpartner abzustellen, der vor Ort informiert und Beschwerden entgegennimmt.
Zeitplan und Umsetzung
Bereits im Sommer waren erste Reformen beschlossen worden, die unter anderem strittige Fragen bei Verspätungen, Handgepäcksstücken, No-Show-Flügen neu regeln. Zusammen mit den im Oktober zusätzlich beschlossenen Regelungen sollen die Fahrgäste im kommenden Jahr davon profitieren. Die EU gibt den Beteiligten ein Jahr Zeit, ihre Systeme umzurüsten – ab 23. Oktober 2027 sollen beide neuen Regelungen in Kraft treten.
Quellen: wdr.de / Europaparlament / tagesschau.de / br.de
