Die Bauarbeiten für den Bishoftu International Airport – Afrikas größtem Flughafen südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba – kommen voran. Rund sechs Monate nach dem offiziellen Baustart nimmt das Milliardenprojekt zunehmend Gestalt an. Bis 2030 soll hier der größte Flughafen Afrikas entstehen – mit einer Kapazität von bis zu 110 Millionen Passagieren jährlich.
Bereits Mitte Januar präsentierte Ethiopian Airlines erstmals die Entwürfe für den neuen Großflughafen. Inzwischen sind die Planungen deutlich konkreter geworden. Auf dem dem etwa 6.000 Fußballfelder umfassenden Gelände laufen die Erd- und Erschließungsarbeiten, während der Ausbau des Flughafens schrittweise vorangetrieben wird.
Vier Start- und Landebahnen für ein Milliardenprojekt
Afrikas größter Flughafen entsteht rund 30 Kilometer südlich von Addis Abeba und soll mit vier Start- und Landebahnen, bis zu 270 Flugzeugstellplätzen sowie mehreren modernen Passagierterminals neue Maßstäbe im afrikanischen Luftverkehr setzen. Ergänzt wird das Mega-Projekt durch neue Straßenanbindungen und eine rund 38 Kilometer lange Bahnverbindung in die Hauptstadt.
Mit einer Fläche von rund 35 Quadratkilometern zählt der Bishoftu International Airport zu den größten Flughafenprojekten weltweit. Zum Vergleich: Der Londoner Flughafen Heathrow erstreckt sich auf rund zwölf Quadratkilometer, der New Yorker JFK-Airport auf etwa 21 Quadratkilometer.
Die Investitionssumme liegt nach aktuellen Angaben bei rund 12,7 Milliarden US-Dollar. Federführend umgesetzt wird das Vorhaben von Ethiopian Airlines, die rund 30 Prozent der Gesamtkosten aus Eigenmitteln finanzieren will. Für den verbleibenden Finanzierungsbedarf werden internationale Investoren und Partner gesucht.
Ethiopian Airlines setzt auf neues Drehkreuz für Afrika
Als größte Fluggesellschaft Afrikas verfügt Ethiopian Airlines bereits heute über eines der umfangreichsten Streckennetze des Kontinents. Mit dem neuen Flughafen verfolgt das Unternehmen eine langfristige Wachstumsstrategie und möchte seine Position im internationalen Luftverkehr weiter stärken.
Der bisherige Bole International Airport zählt bereits heute zu den wichtigsten Luftverkehrsdrehkreuzen Afrikas, stößt jedoch angesichts steigender Passagierzahlen zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Der Bishoftu International Airport soll künftig deutlich mehr Interkontinentalverbindungen ermöglichen und Addis Abeba als internationales Drehkreuz zwischen Afrika, Europa, Asien und dem Nahen Osten etablieren. Damit orientiert sich das Projekt an erfolgreichen Hub-Modellen wie Dubai oder Doha. Gleichzeitig könnte Addis Abeba für Reisende aus Europa künftig eine noch wichtigere Rolle als Umsteigeflughafen für Ziele in Ost- und Südafrika übernehmen.
Mehr als ein Flughafen: Wirtschaft und Nachhaltigkeit im Fokus
Afrikas größter Flughafen ist zugleich ein bedeutendes Infrastrukturprojekt für die wirtschaftliche Entwicklung Äthiopiens. Neben modernen Passagierterminals entstehen umfangreiche Anlagen für Luftfracht, Wartung und Logistik. Damit soll der Airport nicht nur den Tourismus stärken, sondern sich zugleich zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor für die Region entwickeln.
Darüber hinaus soll der Bishoftu International Airport weit mehr als ein klassisches Terminal bieten. Geplant sind großzügige Gastronomiebereiche, Einkaufs- und Aufenthaltszonen sowie Fitness- und Wellnessangebote für Umsteigepassagiere. Ergänzt wird das Konzept durch energieeffiziente Gebäude, natürliche Belüftung und begrünte Bereiche. Gleichzeitig bringt ein Projekt dieser Größenordnung Herausforderungen mit sich, da für den Bau umfangreiche Flächen erschlossen und Anwohner umgesiedelt werden müssen.
Afrikas Luftverkehr wächst schneller als viele andere Regionen
Der Zeitpunkt für das Milliardenprojekt ist kein Zufall. Der afrikanische Luftverkehr gehört derzeit zu den am schnellsten wachsenden Märkten weltweit. Die Flugkapazitäten auf dem Kontinent entwickeln sich deutlich dynamischer als in Europa oder Südostasien. Mit dem neuen Großflughafen möchte Äthiopien diese Entwicklung nutzen und seine Position als internationales Luftverkehrsdrehkreuz langfristig ausbauen.
Sollte der Zeitplan eingehalten werden, könnte der Bishoftu International Airport bereits ab 2030 schrittweise den Betrieb aufnehmen und den bisherigen Hauptstadtflughafen entlasten. Für Äthiopien wäre dies weit mehr als ein neuer Flughafen. Das Projekt steht sinnbildlich für den wirtschaftlichen Aufbruch des Landes und den Anspruch, sich als modernes Luftverkehrs- und Handelszentrum auf dem afrikanischen Kontinent zu etablieren. Gelingt dieses Vorhaben, könnte Addis Abeba künftig zu den wichtigsten internationalen Luftverkehrsdrehkreuzen zwischen Afrika, Europa und Asien zählen.
Quelle: fvw.de
Weiterführende Informationen: tagesschau.de
