Vom malerischen Alpenpanorama Bayerns ging die Reise direkt zu den Dünen der Ostsee. Das Auto durfte sich erholen und blieb zu Hause stehen. Den gesamten Urlaub hatten wir – das sind Martin und meine Freundin Jana – vollständig mit dem Fernverkehr und dem Deutschland-Ticket geplant. Zwei Wochen sollte das Abenteuer dauern. Uns war klar: Wir mussten clever packen, um mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Gespannt fragten wir uns, ob die Reise unkompliziert und stressfrei verlaufen oder ob uns die Flexibilität des Autos schon bald fehlen würde. Denn auch wir haben bereits mehr als genug Erfahrung mit Verspätungen, Zugausfällen und verpassten Anschlüssen gesammelt. Wie unsere Zugreise von München bis nach Rügen verlief, lest ihr in diesem Reisebericht.
Inhaltsverzeichnis
- Aufbruch zum Lifestyle Berlins
- Salsa im Museum
- In drei Stunden von Berlin nach Greifswald
- Wieck als romantisches Viertel an der See
- Malerische Atmosphäre in Wieck und Eldena
- Rügen – eine Insel mit zwei Leuchttürmen
- Binz ist unterhaltsam und erholsam
- Ein Bühnenspektakel zur See und an Land
- Eine Fahrt mit dem Rasenden Roland entschleunigt
- Rosig Zeiten in Putbus
- Lauterbach einmal ganz anders
- Das Binzer Seebrückenfest
- Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte
- Als wir in Waren waren
- Mit dem Rad zu den schönsten Badestellen
- Zurück in Richtung Alpen
- Fazit
Aufbruch zum Lifestyle Berlins
Um die große Distanz nach Nordosten schnell zu überbrücken, buchten wir den ICE-Sprinter von München nach Berlin. Für die rund 580 Kilometer brauchte der Zug gerade einmal vier Stunden – mit Zwischenstopps nur in Nürnberg, Erfurt und Halle (Saale). Und was sollen wir sagen? Es funktionierte reibungslos. Als wir Mitte August starteten, blieben uns Staus oder nervige Pausen an Tankstellen und Raststätten erspart. Stattdessen hieß es: Zurücklehnen in bequemen Sitzen, die Landschaft genießen, quatschen oder lesen. Wir konnten am Laptop Filme schauen, entspannt essen und trinken oder einfach vor uns hindösen. Da wir eine Direktverbindung hatten, fiel auch der Umstiegsstress komplett weg. Am Berliner Hauptbahnhof angekommen, glänzte das Deutschland-Ticket direkt ein zweites Mal: Kein Kopfzerbrechen über Tarifzonen oder Ticketautomaten. Wir mussten nur wissen, welche U-Bahn oder welcher Bus uns zum Hotel bringt. Das hatten wir ohnehin schon während der Fahrt recherchiert, sodass auch der Endspurt mit den Berliner Öffis absolut unkompliziert verlief.
Salsa im Museum Berlin
In der Hauptstadt verbrachten wir zwei Nächte, um dort wohnende Verwandte zu besuchen. Ein absoluter Glücksfall, denn genau an diesem Wochenende fand die „Lange Nacht der Museen“ statt. Die Häuser lockten nicht nur mit nächtlichen Öffnungszeiten, sondern auch mit kreativen Events. Das Deutsche Historische Museum verwandelte sich kurzerhand in eine karibische Oase samt Salsa-Kurs und Cocktails. Da wir schon Vorkenntnisse hatten, wirbelten wir direkt zu den lateinamerikanischen Rhythmen über das Parkett – ein unvergesslicher Abend in einer einmaligen Kulisse mitten im Berliner Zentrum! Dass Berlin geschichtsträchtig ist, zeigt sich an jeder Ecke. Auf unserem Pflichtprogramm standen das Brandenburger Tor direkt neben dem legendären Hotel Adlon, das ergreifende Holocaust-Mahnmal, der Potsdamer Platz und natürlich der geschichtsträchtige Checkpoint Charlie. Kaum vorstellbar, dass hier bis 1989 die Berliner Mauer die Stadt brutal in Ost und West teilte. Kontrastiert wird diese düstere Geschichte durch unterhaltsame Einblicke in den früheren Alltag, etwa im DDR-, Trabi- oder Spionagemuseum.

Ein ausgiebiger Spaziergang führte uns vorbei an der prachtvollen Museumsinsel, dem wiederaufgebauten Berliner Schloss, dem Roten Rathaus und der Staatsoper Unter den Linden. Auch die großen Wahrzeichen durften nicht fehlen: vom Fernsehturm und dem „Langen Lulatsch“ (dem Funkturm) bis zur Siegessäule mit ihrer „Goldelse“ und dem geschichtsträchtigen Reichstag. Gerade im Sommer pulsiert Berlin an der Spree vor Lifestyle. Unser ultimativer Kultur-Tipp: Ein Abend im Friedrichstadt-Palast. Auf der größten Theaterbühne der Welt verschmelzen Tanz, Weltklasse-Artistik und Gesang mit High-Tech-Bühnenbildern. Ob plötzlich auftauchende Wasserflächen, echtes Eis oder riesige Windmaschinen – die Shows dort setzen völlig neue Maßstäbe.
In drei Stunden von Berlin nach Greifswald
Nach unserem Kurzaufenthalt verließen wir die quirlige Metropole an der Spree und stiegen am Berliner Hauptbahnhof in den Regionalexpress Richtung Stralsund. Ab jetzt reisten wir ausschließlich mit dem Deutschland-Ticket weiter. Die dreistündige Fahrt führte uns in einem modernen Doppelstockzug durch die seenreiche Natur der Uckermark bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Dank USB-Anschlüssen, Steckdosen und funktionierendem WLAN war der Zug top ausgestattet, und bei ein paar Runden Karten verging die Zeit wie im Flug. In Greifswald angekommen, brachte uns die Buslinie 2 in etwa 15 Minuten nach Greifswald-Wieck. Der heutige Stadtteil war früher ein eigenständiges Fischerdorf und hat sich seinen ganz eigenen Charme bewahrt. Hier bezogen wir ein idyllisches Ferienhaus im nordischen Stil. Der Garten grenzte direkt an den Deich, hinter dem auch schon die Ostsee lag. Das absolute Highlight: Wenn man vom Erdgeschoss die Treppe hinauf ins Schlafzimmer ging, hatte man einen unverbauten Blick aufs Meer! Vom Fenster aus konnten wir beobachten, wie gelegentlich Spaziergänger und Radfahrer den Deich überquerten, während im Hintergrund ein paar Segelboote über das Wasser glitten.
Wieck als romantisches Viertel an der See
Das ehemalige Fischerdorf Wieck ist ein malerischer Ort, der mit seiner frischen Ostseeluft beste Erholung verspricht – ein wirklich romantisches Fleckchen Erde. Beim Spaziergang kamen wir an wunderschönen Häusern vorbei, deren blumenreiche Gärten von urigen Holzgattern umzäunt sind. Typisch für diese Region sind die Backsteinbauten, oft kombiniert mit weiß gestrichenen Fassaden. Besonders charakteristisch sind die traditionellen Dannebrog-Fenster mit ihren farbigen Fensterläden und die gemütlichen Reetdächer. Schmale Wege, teils aus Kopfsteinpflaster, führen zu den Einfahrten und unterstreichen das idyllische Bild. Die gesamte Umgebung strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Da wir uns selbst verpflegen wollten, kam es uns sehr gelegen, dass gute Einkaufsmöglichkeiten bequem zu Fuß erreichbar waren. Beim Essen auf der Gartenterrasse bekamen wir dann auch prompt Gesellschaft: Eine Katze gesellte sich zu uns und wurde für die Zeit unseres Aufenthalts zu unserem treuen Stammgast.

Malerische Atmosphäre in Wieck und Eldena
Rund um den gemütlichen Fischerhafen in Wieck laden urige Cafés, Eisdielen und Restaurants zum Verweilen ein. Unser kulinarischer Tipp: Holt euch in der Hafenräucherei fangfrischen Fisch! Sie liegt direkt an der historischen Wiecker Holzklappbrücke, die noch heute zu festen Zeiten von Hand hochgezogen wird, um Segelbooten die Durchfahrt zu ermöglichen – ein wirklich sehenswertes Schauspiel. Auf dem Weg dorthin durchquert man automatisch das Viertel Eldena, den eigentlichen Ursprungsort Greifswalds. Hier ließen sich im Jahr 1199 Zisterziensermönche nieder und gründeten das Kloster Hilda. Die heutige Klosterruine gehört zu den absoluten Highlights der Stadt. Weltberühmt wurde sie durch die Gemälde des Romantikers Caspar David Friedrich, der in Greifswald aufwuchs. Auch für uns war die Ruine ein fantastisches Fotomotiv. Eine historische Kuriosität am Rande: Als der Maler hier aufwuchs, stand das Gebiet für fast 180 Jahre unter schwedischer Herrschaft. „Alter Schwede“, oder?!

Schwedisch sprach Caspar David Friedrich deshalb aber nicht. In seinem Geburtshaus, einem markanten roten Backsteinbau, befindet sich heute ein spannendes Museum über sein Leben und Werk. Absolut begeistert hat uns auch der Greifswalder Marktplatz mit seinen hanseatischen Giebelhäusern. Die Fassaden erstrahlen mal in kräftigem Rot – wie das prächtige Rathaus –, mal in eleganten Pastelltonen. Alles ist perfekt gepflegt und verströmt eine wunderbar freundliche Atmosphäre. Wer hier bei Sonnenschein keine gute Laune bekommt, muss ein echter Dauer-Griesgram sein! Zum Abschluss solltet ihr unbedingt den gotischen Dom Sankt Nikolai im Ortszentrum ansteuern. Der Aufstieg zur Aussichtsplattform des Turms lohnt sich, denn von dort oben genießt man einen fabelhaften Panoramablick über Greifswald, das grüne Umland und die glitzernde Ostsee.

Rügen – eine Insel mit zwei Leuchttürmen
Nach fünf Tagen zog es uns weiter – das Deutschland-Ticket im Gepäck, steuerten wir Rügen, die größte Insel Deutschlands, an. Unser Ziel: das weltbekannte Ostseebad Binz. Die Fahrt dauerte rund anderthalb Stunden. Trotz zweier Umstiege in Stralsund und Lietzow lief mit der Regionalbahn alles absolut reibungslos. Da wir als regelmäßige Bahnfahrer die Tücken des Schienenverkehrs nur zu gut kennen, grenzte das fast an ein kleines Wunder – das soll keine reine Lobhudelei sein, sondern war schlichtweg unser großes Reiseglück!
Vom Bahnhof aus war es nur ein gemütlicher, fünfminütiger Fußweg mit den Rollkoffern zu unserem Hotel Arkona, das in bester Lage direkt an der Binzer Strandpromenade liegt. Der Check-in klappte superschnell. Unser Doppelzimmer war herrlich geräumig und punktete mit einem großen Balkon. Die Einrichtung entsprach vielleicht nicht dem allerneuesten Design-Trend, war aber top gepflegt und versprühte einen charmanten Retro-Vibe der 80er-Jahre. Das opulente Frühstücksbuffet nutzten wir allerdings nur am ersten Morgen. Danach zog es uns schon früh hinaus, um das Erwachen des Ortes mitzuerleben oder direkt zu ausgiebigen Insel-Erkundungen aufzubrechen. Aus demselben Grund ließen wir auch den einladenden Wellnessbereich links liegen – uns zog es einfach magisch an den Strand und in die erfrischenden Fluten der Ostsee. Begünstigt von absolutem Kaiserwetter starteten wir in unser Rügen-Abenteuer.
Binz ist unterhaltsam und erholsam
Was an Binz sofort ins Auge springt, ist der schier kilometerlange Sandstrand. Wenn man diesem in Richtung Norden folgt, erreicht man den geschichtsträchtigen Ortsteil Prora. Hier errichteten die Nationalsozialisten einst ein gigantisches Monstrum: Eine vier Kilometer lange Bettenburg, in der unzählige Menschen genormten Urlaub verbringen sollten. Das Projekt wurde nie vollendet. Heute hat sich der einstige Koloss grundlegend gewandelt. Als Ort der Erinnerung beherbergt er ein wichtiges Dokumentationszentrum, wurde aber gleichzeitig mit einem stylischen Hotel, einer Jugendherberge und modernen Luxuswohnungen wieder mit Leben gefüllt. Nur einen Katzensprung entfernt wartet das nächste Highlight: Der Baumwipfelpfad im Naturerbe Zentrum Rügen. Seine imposante, runde Holzkonstruktion schraubt sich in die Höhe, belohnt mit einem grandiosen Panoramablick und vermittelt spielerisch Wissenswertes über die heimische Flora und Fauna.

Zurück in Binz gibt es kaum etwas Schöneres, als es sich in einem der typischen Ostsee-Strandkörbe gemütlich zu machen und in die Wellen zu springen. Der Weg zum Wasser führt von der Promenade über schmale, idyllische Pfade durch das Küstengrün und die kleinen Dünen. Überhaupt lädt die Strandpromenade zu ausgiebigen Spaziergängen ein – vorbei an den prachtvollen Villen der Bäderarchitektur mit ihren kunstvollen Holzschnitzereien an Balkonen und Portalen. Überall reihen sich Eisdielen, Cafés, Boutiquen und Restaurants aneinander.

Ein Lokal hat unser Herz jedoch im Sturm erobert. Früher lief es unter dem Namen „Klein & Fein“. Nach einer Renovierung wollte Inhaber Tobias Moritz dem Konzept jedoch eine ganz persönliche Note geben und taufte es kurzerhand um in „Moritz. Essen bei Freunden“. Ein goldrichtiger Name! Wer hier schlemmen möchte, sollte unbedingt rechtzeitig reservieren, denn das gemütliche Lokal hat nur wenige Tische, die verständlicherweise heiß begehrt sind. Jedes Gericht wird hier frisch und mit unendlich viel Liebe auf den Teller gebracht. Wir wurden prompt zu begeisterten Wiederholungstätern – so unverschämt gut hat es geschmeckt!
Ein Bühnenspektakel zur See und an Land
Ein lang ersehnter Traum ging endlich in Erfüllung: Einmal live bei den legendären Störtebeker-Festspielen dabei sein! Die berühmte Freilichtbühne in Ralswiek, idyllisch direkt am Ufer des Großen Jasmunder Boddens gelegen, erwartete uns schon. Und bereits die Anreise von Binz aus war ein echtes Erlebnis: Über unsere Hotelrezeption hatten wir uns Plätze für die Hin- und Rückfahrt in einem originalen, nostalgischen US-Schulbus gesichert. Der knallgelbe Oldtimer klapperte gemächlich ein paar Haltestellen in Binz ab, bevor er Kurs auf die einzigartige Naturbühne nahm. Hier regierte noch pure Mechanik – es brummte, vibrierte und ruckelte auf unserer Mini-Spritztour, sodass wir uns wie amerikanische College-Gäste fühlten. Aber genau dieses nostalgische Ruckeln machte unglaublich viel Spaß!

Vor Ort angekommen, war es endlich so weit: Wir betraten das gigantische Open-Air-Areal, das fast 9.000 Zuschauern Platz bietet. Sommer für Sommer wird hier die dramatische Geschichte des berüchtigten Piraten Klaus Störtebeker neu inszeniert. Punktum mit der einsetzenden Dämmerung startete das hocheffektive Spektakel vor einer gewaltigen mittelalterlichen Kulisse. Rasende Kutschen, stolze Reiter, majestätische Greifvögel im Tiefflug, klirrende Gefechte, dumpfer Kanonendonner und brennende Kulissen – das riesige Ensemble zog uns vom ersten Moment an komplett in die Story. Das absolute Highlight war jedoch die Seeschlacht, die sich mit echten, fahrtüchtigen Koggen direkt auf dem Wasser vor der Bühne abspielt. Bis heute scheiden sich an Störtebeker die Geister: War er ein „Robin Hood der Meere“, der die Reichen beraubte, um die Armen zu beschenken? Oder doch nur ein brutaler Gesetzloser?

Das historische Drama fand schließlich sein unaufhaltsames Ende, als der Pirat in Gefangenschaft geriet und das Todesurteil vollstreckt werden sollte. Auf der Bühne wurde der Hamburger Grasbrook detailgetreu nachgestellt. Moritz Stephan, der in der Rolle des Klaus Störtebeker glänzte, legte seinen Kopf auf den hölzernen Richtblock. Das Henkersbeil fiel – und die Illusion war so unfassbar perfekt inszeniert, dass man schwören konnte, den Kopf leibhaftig in den Korb fallen zu sehen. Ein absolut grandioser Gänsehaut-Moment!

Eine Fahrt mit dem Rasenden Roland entschleunigt
Eine echte Zeitreise erlebten wir bei einer Fahrt mit der historischen Schmalspurbahn Rügens, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Wie frisch aus der Fabrik und im liebevollen Originalzustand schnaufen hier noch immer die alten Dampflokomotiven samt ihren nostalgischen Holzwaggons über die Insel. Selbst die wunderbar restaurierten Bahnhöfe versprühen auf Schritt und Tritt den unverwechselbaren Charme vergangener Tage. Wenn man am Bahnsteig steht und zusieht, wie der Schaffner in seiner traditionellen Uniform stolz das Abfahrtsignal gibt, während auf dem Nachbargleis eine andere Lok laut pfeifend und dampfend einfährt, fühlt man sich augenblicklich in die Kindheit seiner Urgroßeltern zurückversetzt. Dieses Erlebnis wollten wir uns nicht entgehen lassen: Wir stiegen in einen der historischen Wagen und erkundeten Rügen auf Schienen. Was für unsere Vorfahren mit rund 30 Kilometern pro Stunde noch „rasend schnell“ war, wirkte auf uns wie die perfekte, wohltuende Entschleunigung im Urlaub.

Rosige Zeiten in Putbus
Unser erstes Ziel war Putbus, die berühmte Rosenstadt. Das Stadtbild wird geprägt von den strahlend weißen Fassaden der klassizistischen Bauten und einem wahren Meer aus Rosenblüten. Wo man auch hinblickt: Die Blume der Liebe rankt sich in allen erdenklichen Farben an den Häusern empor und schmückt Parks und Gärten. „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ – die unvergessene Hildegard Knef hätte hier zweifellos ihre helle Freude gehabt! Ein absolutes Highlight war für uns der sogenannte Circus. So nennen die Putbuser den kreisrunden, prachtvoll begrünten Platz, in dessen Zentrum ein mächtiger Obelisk emporragt. Die eleganten, weißen Residenzbauten sind perfekt symmetrisch im Kreis darum angeordnet.

Im Anschluss flanierten wir durch den romantischen Schlosspark – ein idyllisches Fleckchen Erde, das heute allerdings ohne sein namensgebendes Schloss auskommen muss, da dieses in den 1960er-Jahren zu DDR-Zeiten abgerissen wurde. Ein Spaziergang lohnt sich dennoch, vorbei an der historischen Orangerie und dem malerischen Schwanenteich. Unser Geheimtipp ist das kleine Puppen- und Spielzeugmuseum, in dem sich ein ganz zauberhaftes Café versteckt. Umgeben von historischem Kinderspielzeug genossen wir dort ein Stück köstlichen, selbst gebackenen Kuchen – ein rundum perfekter und nostalgischer Zwischenstopp!
Lauterbach einmal ganz anders
Nachdem wir das Zentrum von Putbus erkundet hatten, zog es uns weiter nach Lauterbach – und nein, damit ist nicht der ehemalige Gesundheitsminister gemeint, sondern das charmante Hafenviertel des Ortes. Standesgemäß liefen wir auch hier mit dem Rasenden Roland im Bahnhof ein. Lauterbach beherbergt mit dem geschichtsträchtigen Badehaus Goor ein echtes architektonisches Highlight, das auf eine über 200-jährige Historie zurückblickt. Wir machten es uns jedoch erst einmal an der Hafenpromenade gemütlich. Und gemütlich ist in diesem Fall fast untertrieben! Wir entdeckten dort nämlich einen alten Fischkutter, das urige „Räucherschiff Berta“, auf dem fangfrischer Fisch direkt an Bord zubereitet wird. Nachdem wir unsere Bestellung am Steuerhaus aufgegeben hatten, schlemmten wir direkt an Deck – das versprühte sofort ein herrlich rustikales Seemanns-Flair. Während ich meiner bewährten Tradition treu blieb und zum Backfischbrötchen griff, bewies Jana echten kulinarischen Mut und kostete Aalfilet. Geschmacklich absolut fantastisch so ihr Urteil! Das einzige kleine Manko ist, dass Aal recht fetthaltig ist. Aber man gönnt sich ja diesen nicht jeden Tag.

Direkt am Hafen gab es noch ein tolles Fotomotiv: Ein top gepflegter Kult-Trabi mit einem Dachzelt. Da fragt man sich unweigerlich, wie es sich wohl darin schlafen ließ. Nur ein paar Schritte weiter, in einem kleinen Park mit einer Musikmuschel, lauschten wir einer Musikerin, die zur Gitarre wunderschöne Popsongs coverte – der perfekte, entspannte Ausklang für unseren Ausflug. Als schließlich die Abenddämmerung einsetzte, brachte uns die historische Dampflok mit viel Zischen und lautem Pfeifen quer durch die idyllische Insellandschaft zurück nach Binz. Eine wunderbar verträumte Stimmung, die uns auf dieser Rückfahrt begleitete.

Das Binzer Seebrückenfest
Am nächsten Morgen brachen wir auf zu einer gemütlichen Wanderung zum Jagdschloss Granitz. Unser Weg führte uns zunächst ein Stück über die Strandpromenade und durch die schöne Fußgängerzone von Binz bis zum Schmachter See. Das ist das Geniale an diesem Seebad: Man hat nicht nur das offene Meer, sondern auf der anderen Seite auch einen See samt Naturerholungsgebiet. Für den nötigen Energieschub holten wir uns hier an einer Bar einen schnellen Milchkaffee. Dann spazierten wir am Ufer entlang, überquerten weite Wiesen und tauchten schließlich in den schattigen Wald ein, bis es plötzlich auf einer Lichtung vor uns aufragte: Das zartrosa leuchtende, quadratische Jagdschloss mit seinen fünf markanten Türmen. Ein absolut majestätischer Anblick! Zwar fährt auch der Rasende Roland direkt dorthin, aber dieses Mal sollten uns unsere Füße und Beine vorwärtsbringen.

Wieder zurück in Binz brach auch schon unser finaler Abend an, den wir noch einmal in am Meer auskosten wollten. Unser Spaziergang führte uns zum traditionsreichen Kurhaus Binz – ein architektonisches Prachtwerk, das in der einsetzenden Dämmerung kunstvoll beleuchtet noch einmal an Eleganz gewinnt. Es thront direkt am Binzer Kurplatz, unmittelbar an der Seebrücke. Und wie es der Zufall wollte, stolperten wir mitten hinein in das Binzer Seebrückenfestival!

Wir hatten keinen blassen Schimmer und freuten uns umso mehr, als wir merkten, dass dieses Open-Air-Event komplett kostenlos war. Das absolute Highlight war der Auftritt von Gregor Glanz und seiner energiegeladenen Band. Der Innsbrucker Entertainer riss mit seiner kraftvollen Stimme und unvergesslichen Evergreens einfach jeden mit. Als Überraschung holte er sich hochkarätige Unterstützung auf die Bühne: Stars wie Peter Freudenthaler von Fools Garden, Chris Andrews und Peter Kent begeisterten das Publikum. Gekrönt wurde das Ganze von einem spektakulären Feuerwerk über der Ostsee. Einfach genial! Ein schöneres und überraschenderes Finale hätte unser Binz-Aufenthalt am 31. August nicht finden können. Zu unserer großen Freude lernten wir den sympathischen, bodenständigen Gregor Glanz an diesem Abend sogar noch persönlich kennen. 2025 war er dann zu Gast bei der Fly & Help – Frühlingsshow auf sonnenklar.TV.
Tipp: Hier bekommt ihr mehr Infos zum Seebrückenfest Binz.
Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte
Nach unserem Insel-Abenteuer ging es weiter: In rund dreieinhalb Stunden brachte uns die Regionalbahn von Binz aus in den idyllischen Kurort Waren (Müritz). Die Züge waren modern ausgestattet, absolut sauber und trotz zweier Umstiege in Lietzow und Rostock lief die Fahrt dank des Deutschland-Tickets vollkommen entspannt ab. Das Geniale an dem Ticket ist einfach die Flexibilität bei der Zugauswahl – man muss lediglich darauf achten, dass man im Nahverkehr bleibt.
Am Bahnhof in Waren angekommen, steuerten wir zuerst unsere Ferienwohnung an. Diese lag wunderbar idyllisch in der Nähe des Tiefwarensees, der direkt an die Stadt grenzt. Ein absoluter Glücksgriff: Im Mietpreis waren direkt zwei Fahrräder enthalten! Und genau das ist auch unser ultimativer Tipp für die Region: Leiht euch unbedingt Fahrräder aus! Es gibt kaum etwas Schöneres, um die unberührte Natur und die verträumten Orte rund um die Mecklenburgische Seenplatte hautnah zu entdecken.
Als wir in Waren waren
Der unbestrittene Star der Region ist die Müritz, der größte rein deutsche See. Waren schmiegt sich mit einer wunderschönen, lebendigen Hafenpromenade an das Ufer, an der sich gemütliche Restaurants, Cafés und Eisdielen aneinanderreihen. Ganz besonders angetan war ich von dem legendäre Softeis nach DDR-Art. Davon wurde ich prompt so süchtig, dass jeder Vorbeimarsch zu einer echten Willensprüfung wurde! Aber auch herzhafte regionale Leckerbissen der Region standen auf der Speisekarte wie die wunderbar säuerlich-scharfe Soljanka oder deftiges Würzfleisch.

Von der Promenade aus lässt es sich wunderbar in beide Richtungen am Ufer entlang spazieren – vorbei an einladenden Liegewiesen, die zum Baden verlocken, und gepflegten Parkanlagen direkt am Wasser. Doch Waren punktet nicht nur am Hafen: Die historische Altstadt begeistert mit einer gemütlichen Fußgängerzone, dem zentralen Marktplatz, prachtvollem Fachwerk und herrlich romantischen Gassen und Innenhöfen. Hier konnten wir entspannt bummeln und shoppen. Um noch tiefer in die Geschichte einzutauchen, buchten wir eine Stadtführung in der Tourist-Information auf dem Markt, die sich als absolut lohnend herausstellte. Ein toller Kultur-Tipp für den Sommer ist außerdem die ansässige Freilichtbühne. Mitten in einer traumhaften Naturkulisse wird dort das historische Open-Air-Spektakel der „Müritz-Saga“ zum Leben erweckt – opulent inszeniert mit einem großen Ensemble, beeindruckenden Kulissen und tollen Lichteffekten.
Mit dem Rad zu den schönsten Badestellen
Neben all der Kultur lockte die Mecklenburgische Seenplatte vor allem mit ausgiebigem Badespaß. Unser erstes Ziel mit den Fahrrädern war die idyllische Badestelle am Feisnecksee, direkt in Waren. Viel Sand, ein stabiler Badesteg, und am Rand hohe Kiefern und Rasen prägen diesen Flecken Erde. Im kühlen Schatten der Bäume konnten wir wunderbar relaxen. Doch auch abseits der Stadtgrenze von Waren stießen wir auf absolute Naturidylle. Wir radelten gemütlich am Ufer der Seen entlang und durchkreuzten dabei immer wieder ein paar Waldabschnitte. Die Kombination aus frischer See- und Waldluft war eine wahre Wohltat. Wir passierten traumhafte Wohngebiete, die zwischen Wald und Wasser lagen – eine Oase der Ruhe und Friedlichkeit.

Vorbei an der versteckten Marina Eldenburg am Reeckkanal führte uns unsere Tour weiter zum Badestrand am Kölpinsee. Ganz typisch für die Region ist das dichte Schilf hier, das den flach abfallenden Strand malerisch einrahmt. Auf dem Rückweg machten wir dann noch eine echte Entdeckung mit dem Badestrand Klink. Dieser Abschnitt präsentierte sich etwas lebendiger und touristischer durch Bootsverleih, Gastronomie und klassischen Strandkörben. Perfekt, um Sonne zu tanken und in den See zu springen, während einem der frische Seewind um die Nase weht. Durch die schiere Weite der Müritz kam hier fast wieder echtes Ostsee-Feeling auf – nur dass die Wellen weitaus sanfter ans Ufer schwappten.
Zurück in Richtung Alpen
Unser Urlaub ging zu Ende, und es fiel uns schwer, Tschüss zu sagen. Aber wir trösteten uns mit dem schönen Fünfseenland daheim. Am Vormittag traten wir per Deutschland-Ticket die Fahrt zum Berliner Hauptbahnhof an. Hier achteten wir bei der Wahl der Regionalbahn auf genügend Zeitpuffer, damit wir unseren zusätzlich gebuchten ICE mit Zugbindung nach München nicht verpassten. Eine Stunde und 41 Minuten brauchte die Regionalbahn von Waren bis zum Berliner Hauptbahnhof. Hier deckten wir uns noch mit ein paar Snacks für die anschließende vierstündige Rückfahrt mit dem ICE-Sprinter ein. Auch diese Bahn-Tour ging reibungslos vonstatten.
Fazit: Ein Wohlfühlurlaub für Körper und Seele
Rückblickend war diese Urlaubsreise in jeder Hinsicht ein absoluter Traum. Ohne lästiges Umsteigen sausten wir mit dem ICE-Sprinter in Rekordzeit und tiefenentspannt Richtung Nordosten. Auch das anschließende Abenteuer in den Regionalzügen mit dem Deutschland-Ticket verlief vollkommen reibungslos. Die moderne Ausstattung, die Sauberkeit und vor allem die Pünktlichkeit der Bahnen haben uns absolut positiv überrascht – so verging die Zeit im Zug wie im Flug.
Wir hätten unsere Reiseziele nicht besser wählen können. In Berlin blieb uns vor allem der einzigartige Abend im Deutschen Historischen Museum im Gedächtnis, als wir zu karibischen Rhythmen dort zum Tanzen gingen. Unser idyllischer Rückzugsort in Greifswald-Wieck ließ uns von der ersten Sekunde an tief durchatmen – der Alltagsstress fiel im Handumdrehen von uns ab. Was für ein wunderschönes Fleckchen Erde! Auch die Insel Rügen hat uns mit ihrer pittoresken Landschaft, der romantischen Bäderarchitektur und dem unverwechselbaren Ostsee-Flair komplett verzaubert. Die Menschen vor Ort waren herrlich unkompliziert und locker, alles wirkte wunderbar familiär und gepflegt. Unsere absoluten Rügen-Highlights waren die spektakuläre Inszenierung der Störtebeker-Festspiele, das stimmungsvolle Seebrückenfestival in Binz, die nostalgische Fahrt mit dem Rasenden Roland und natürlich der endlos weite Ostsee-Strand.
Zu guter Letzt haben wir uns auch sehr wohl gefühlt unter den Einwohnern von Waren (Müritz). Highlight war für uns die Erkundung der Mecklenburgische Seenplatte mit dem Fahrrad. Besonders die Touren durch die dichten, schattigen Wälder – immer mit Blick auf das glitzernde Wasser und vorbei an versteckten Badebuchten, in denen der Wind leise das Schilf bewegte, haben uns riesigen Spaß gemacht. Dieser Urlaub war eine perfekte Wohltat für Körper und Seele: Die frische Luft, die unberührte Natur, die gastfreundlichen Menschen und die wunderschönen Orte haben uns einfach nur unendlich gutgetan.
