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    Home»Reiseberichte»Mein Urlaub in Frankreich: Tour de France – aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln!
    Pont du Gard Brücke in Frankreich
    Das UNESCO-Weltkulturerbe Pont du Gard

    Mein Urlaub in Frankreich: Tour de France – aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln!

    Von Sylvie Stocker13. August 202610 Min. Lesezeit

    Auf eine zweiwöchige Rundreise zu vier ausgewählten französischen Regionen hat sich sonnenklar.TV-Redakteurin Sylvie aufgemacht. Die Besonderheit: Bis auf eine Ausnahme nutzte sie nur öffentliche Verkehrsmittel. Welche Station ihr Highlight war und warum sie euch diese Route empfiehlt, lest ihr in ihrem Reisebericht.

    Inhaltsverzeichnis

    • Etappe 1: von München nach Paris
      • Paris, je t’aime!
      • Ein Geheimtipp in Paris: ein Ausflug in die Natur
    • Etappe 2: von Paris nach Arles
      • Die Provence: die Region für Künstler und Lavendel-Fans
      • Wir machen eine Ausnahme: zwei Tage Mietwagen
      • Mit dem Bus durch die Camargue ans Meer
    • Etappe 3: von Arles nach Toulon
      • Mit dem Boot ins Inselparadies
    • Etappe 4: von Toulon nach Straßburg
      • Elsässischer Charme in den Gassen und auf dem Wasser
    • Etappe 5: von Straßburg nach München

    Etappe 1: von München nach Paris

    „Bonjour et bienvenue à bord!” Noch etwas verschlafen lauschen wir der Borddurchsage auf Deutsch, Französisch und Englisch. Einmal täglich, kurz vor sieben Uhr morgens, fährt der französische Schnellzug TGV ohne Umstieg von München bis nach Paris. Vor wenigen Minuten sind wir losgefahren und wenn alles klappt, rollen wir nicht einmal sechs Stunden später in der französischen Hauptstadt ein. Auf deutscher Seite halten wir noch an mehreren Bahnhöfen, ab Straßburg gibt der Zug Vollgas. In Frankreich gibt es viele separate Bahnstrecken für die Schnellzüge, abgesperrt durch Zähne und Mauern, ohne zusätzlichen Regionalzugverkehr. Und so braust der TGV von Straßburg die circa 500 km bis nach Paris ohne Zwischenhalt durch, teilweise mit über 300 km/h, in weniger als zwei Stunden. Zum Vergleich: mit dem Auto bräuchten wir für diese Teilstrecke etwa sechs Stunden, für die gesamte Strecke München-Paris etwa 9-10 Stunden.

    Pünktlich erreichen wir den Gare de l’Est in Paris, an dem die Züge aus dem süddeutschen Raum ankommen. Ab hier geht es mit der Metro weiter. Das U-Bahn-System von Paris existiert seit 1900 und auch wenn es seitdem natürlich modernisiert wurde, gibt es aus baulichen Platzgründen nur sehr selten Rolltreppen und Aufzüge. An unserem Ankunfts- und Abreisetag bringt uns das wegen unserer Koffer ganz schön ins Schwitzen, aber den Rest der Zeit nutzen wir das unterirdische Verkehrsmittel mit Begeisterung – weil es uns schnell und komfortabel zu den vielen Sehenswürdigkeiten bringt. Außerdem ist es für eine Großstadt vergleichsweise günstig: ein Einzelticket kostet aktuell 2,55 Euro und ist eine Stunde lang inklusive Umstieg gültig.

    Paris, je t’aime!

    Vier Nächte bleiben wir in Paris und haben somit ausreichend Zeit, die Stadt neu bzw. wieder zu entdecken. Meine Begleitung ist zum ersten Mal hier, mein letzter Besuch ist neun Jahre her. Seitdem hat sich viel getan! Es sind deutlich mehr Fahrräder unterwegs, viele Stadtautobahnen und Hauptverkehrsstraßen wurden zurückgebaut, ich entdecke viel mehr Grün als früher. Alles geht irgendwie entspannter zu!

    Kirche Sacré-Coeur in Paris
    Die berühmte Kirche Sacré-Coeur in Paris

    Natürlich absolvieren wir das typische Touristenprogramm mit Sacré-Coeur, Notre-Dame, Louvre, Versailles, etc. Ganz klar unser Highlight ist und bleibt aber der Eiffelturm. Der unübersehbare 330 Meter hohe Eisenkoloss übt seit mehr als 100 Jahren eine Faszination aus, der auch wir uns nicht entziehen können. Also haben wir ihn uns aus allen möglichen Perspektiven angeschaut. An praktisch jeder Seite des Areals kommen öffentliche Verkehrsmittel an: verschiedene U-Bahn-Linien, Busse und die RER (vergleichbar mit der deutschen S-Bahn).

    Ein Geheimtipp in Paris: ein Ausflug in die Natur

    Für diejenigen, die die Haupt-Sehenswürdigkeiten von Paris schon kennen, hätten wir noch einen Tipp, der vielleicht nicht in jedem Reiseführer steht: die „Coulée verte René-Dumont“, ein 4,5 Kilometer langer Parkwanderweg in der Nähe der Place de la Bastille, wo einst die Französische Revolution begann. Die Besonderheit: der Weg wurde auf der Trasse einer ehemaligen Bahnlinie errichtet – womit wir wieder unseren Bogen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln spannen! Ein historisches Viadukt, Gärten, kleine Parks, Teiche, wilde Pflanzenarten, bunte Blüten, berankte Torbögen, schattige Blätter-Dächer – wer mitten in Paris durch die Natur wandeln möchte, ist hier genau richtig!

    Begrünte Durchgänge: Blätter-Dächer in Paris
    Geheimtipp in Paris – Spazieren unter Blätter-Dächern

    Etappe 2: von Paris nach Arles

    Paris hat sechs große Fernverkehrs-Kopf-Bahnhöfe, die sich über das Stadtgebiet verteilen und unterschiedliche Regionen Frankreichs bedienen. Wer von Deutschland aus kommt und in Paris umsteigen muss, wechselt meist den Bahnhof und sollte dementsprechend mehr Zeit einplanen – am besten natürlich mehrere Nächte.

    Unsere nächste Reise-Station liegt im Süden Frankreichs, deswegen startet unser TGV am südlich gelegenen Gare de Lyon. Auch die Strecke von Paris über Lyon weiter nach Süden ist Hochgeschwindigkeitszügen vorbehalten und so sind wir ruckzuck in unserem Umsteigebahnhof Nîmes, von dem aus wir mit einem Eurocity weiter nach Arles fahren. Wen es interessiert: Auch bei der Strecke Paris-Arles gewinnt der öffentliche Nahverkehr mit insgesamt 4h15 Fahrt gegenüber dem Auto mit mindestens 7 Stunden.

    Die Provence: die Region für Künstler und Lavendel-Fans

    Bienvenue à Arles! Für unsere Ausflüge innerhalb der Provence und Camargue haben wir dieses kleine Städtchen als Basis gewählt und sind sehr zufrieden mit unserer Entscheidung! Über 100 Jahre vor uns, nämlich 1888, verliebte sich der Maler Vincent van Gogh in das stimmungsvolle und lichtdurchflutete Stadtbild und verbrachte hier mehr als ein Jahr. Süße, blumengeschmückte Gässchen, kleine Häuser und historische Bauten fügen sich harmonisch zu einem gemütlichen Ort zusammen.

    Lila leuchtende Lavendelfelder der Provence
    Einfach unwiderstehlich – die Lavendelfelder der Provence

    Wir machen eine Ausnahme: zwei Tage Mietwagen

    In Arles machen wir in puncto öffentliche Verkehrsmittel eine kleine Ausnahme und buchen uns für zwei Tage einen Mietwagen. Ein Ausflug in die typischen Lavendelfelder der Provence ist anders kaum möglich. Mit unserem süßen Flitzer, einem Fiat 500, brauchen wir von Arles etwa eineinhalb Stunden bis Valensoles. Der kleine Ort ist umgeben von zahlreichen Anbauflächen, wo die Lavendelblüte zu unserer Reisezeit (Mitte-Ende Juni) kurz vor ihrem Höhepunkt steht. Während unserer Frankreich-Rundreise erleben wir eine Hitzewelle, die uns mitunter einiges abverlangt, aber hier passt die flimmernde Hitze über den Feldern irgendwie perfekt ins Bild. Welch eine Atmosphäre, welch ein Duft, welch ein Gesumme und Gebrumme! Wir halten an mehreren Feldern und genießen die Tatsache, dass außer uns nur ganz wenige Touristen da sind. 

    Tipp: Bucht eure Frankreich-Urlaube am besten außerhalb der französischen Sommerferien. Im Juli und August haben alle Schüler gleichzeitig frei und der August ist der klassische Urlaubsmonat aller Franzosen. Dementsprechend sind beliebte Reiseziele überlaufener als in Vor- oder Nachsaison.

    Mit dem Bus durch die Camargue ans Meer

    Auch für unseren Fluss-Badetag am historischen Aquädukt Pont du Gard steigen wir ins Auto, aber an Ausflugstag Nummer drei nutzen wir wieder ein öffentliches Verkehrsmittel. Diesmal fahren wir mit dem Bus nach Süden durch die Naturschatztruhe Camargue in Richtung Meer. Die Busstrecke zwischen Arles und Saintes-Maries-de-la-Mer dauert etwa 50 Minuten. Wir steigen aber unterwegs aus, denn in Pont de Gau gibt es ein tolles Vogelbeobachtungsgebiet. Die Wege verlaufen zwischen Lagunenfeldern umher und man kann je nach Tageszeit unterschiedliche tierische Bewohner sehen, zum Beispiel Flamingos und wilde Pferde. Am Nachmittag geht es mit der gleichen Buslinie dann weiter an den Strand und abends wieder zurück nach Arles. Für 3 Fahrten zahlen wir an dem Tag nicht einmal 10 Euro pro Person.

    Wilde Flamingos in der Camargue, Frankreich
    Wilde Flamingos in der Camargue

    Etappe 3: von Arles nach Toulon

    Au revoir Provence, bonjour Côte d’Azur! Von Arles mit Umstieg in Marseille fahren wir nun nach Toulon. In gemütlichen und gottseidank klimatisierten Regionalzügen tuckern wir durch die Bilderbuch-Landschaft bis an Frankreichs berühmte Mittelmeerküste. Unser Ziel Toulon hat viele schöne Strände und wir testen an den kommenden Tagen einige davon.

    Karibikgleiches Meer an der Côte d'Azur: Wasser und Segelboote
    Karibikgleiches Meer an der Côte d’Azur

    Mit dem Boot ins Inselparadies

    Die allerschönsten Strände der Gegend sind allerdings eine Bootsfahrt entfernt – auf der vorgelagerten Insel Porquerolles!  Wir buchen uns ein Ticket für einen Tagesausflug und können dies absolut weiterempfehlen. Das Eiland steht unter Naturschutz, Privatautos sind dort nicht erlaubt und alles geht einen Gang langsamer. Entweder zu Fuß oder mit dem Leihfahrrad erreicht man die Traumstrände, die allesamt an der Nordküste der Insel liegen: mit türkis-schimmernd karibikgleichem Wasser und feinem Sand, umrahmt von Pinien-, Oliven- und Kiefernwäldchen. Hier kann man sich definitiv davonträumen …

    Küste der Insel Porquerolles, Frankreich
    Natur-Romantik auf der Insel Porquerolles

    Etappe 4: von Toulon nach Straßburg

    Diese Strecke ist die längste unserer Reise: vom Meer geht es mit einer siebenstündigen Direktverbindung ins Elsass. Das Gute bei den französischen Fernzügen: Im Ticket ist automatisch eine kostenlose Sitzplatzreservierung enthalten. Die Züge sind also nie überfüllt! Wir nehmen Abschied vom Süden Frankreichs und nähern uns langsam wieder der Heimat an. Den letzten Zwischenstopp in Straßburg haben wir vor allem deshalb gewählt, weil die Rückreise von Toulon nach München nicht innerhalb eines Tages möglich ist.

    Die meisten Fernverbindungen in Frankreich verlaufen übrigens zentralistisch, sprich fast alle Wege führen nach Paris. Eine Möglichkeit wäre also auch gewesen, von Toulon über Paris nach München zu fahren. Durch die anfangs erwähnte Umsteige-Problematik mit verschiedenen Bahnhöfen hätten wir allerdings eine Nacht einplanen müssen. Dann entdeckten wir die einmal tägliche Direktverbindung nach Straßburg und es wurde “ein Schuh draus”. So haben wir eine „richtige“ Rundreise und konnten insgesamt vier Regionen bzw. Städte in unser Programm aufnehmen.

    Elsässischer Charme in den Gassen und auf dem Wasser

    In Straßburg erkunden wir die malerischen Altstadt-Gassen zu Fuß, schauen beim imposanten Münster vorbei und gehen erneut aufs Wasser. Mit einem Ausflugsboot schippern wir durch Straßburgs Kanäle und Schleusen. Und nachdem wir bisher schon U-Bahn, S-Bahn, TGV, Eurocity, Busse, Regionalzüge und Boote genutzt haben, kommt zu guter Letzt noch die Tram dazu! In Straßburg liegt in der Altstadt zwar vieles nah beieinander, aber wer wie wir im Europaparlament im Nordosten der Stadt eine kostenlose Führung mitmachen möchte, nimmt am besten die Straßenbahn.

    Mit Blumen verzierter Kanal in Straßburg, Frankreich
    Malerische Gassen und Kanäle in Straßburg

    Etappe 5: von Straßburg nach München

    Nach insgesamt 14 Nächten sagen wir Frankreich Adieu und steigen in Straßburg in den etwa vierstündigen TGV zurück nach München. Hinter uns liegen viele viele tolle Erlebnisse, die noch fünf weitere Reiseberichte wie diesen hier füllen könnten.

    Mein Fazit nach zwei Wochen Frankreich mit dem Zug: gerne wieder!

    Würde ich diese Route empfehlen? 

    Ja! Sie ist perfekt, um gleich vier Regionen Frankreichs unter einen Hut zu bringen. Man erlebt wahnsinnig viel Unterschiedliches (Stadt, Natur, Mittelmeer) innerhalb relativ kurzer Zeit. Wir haben je vier Nächte in Paris, der Provence und an der Côte d’Azur verbracht und zwei Nächte in Straßburg.

    Lässt sich Frankreich gut mit dem Zug bereisen? 

    Ebenfalls ja! Dadurch, dass für die Schnellzüge separate Trassen existieren und der Regional- und Güterverkehr von diesem System abgekoppelt ist, können die TGVs ordentlich Gas geben. Auf jeder unserer Strecken brauchte der Zug weniger Zeit als das Auto. Dazu kommt noch die automatische und vor allem kostenlose Sitzplatzreservierung. Und die Buchung über die Homepage der französischen Eisenbahngesellschaft ist auch auf Deutsch möglich. Außerdem sind die Preise meist günstiger als in Deutschland. Wir haben für insgesamt 5 Strecken (München-Paris, Paris-Arles, Arles-Toulon, Toulon-Straßburg, Straßburg-München) mit insgesamt knapp 2.800 Kilometern Schiene pro Person 365 Euro gezahlt.

    Was war mein Highlight? 

    Es ist schwierig, aus den vielen Highlights unserer Reise eines herauszupicken. Müsste ich es, wären es die Lavendelfelder der Provence! Dieser Duft, diese Stimmung, diese Ruhe, diese Weite! Der Besuch dort war wirklich etwas ganz Besonderes.

    Übrigens: ich liebäugele schon mit einer weiteren Reise durch Frankreich – natürlich wieder mit dem Zug. Vielleicht in die Normandie, Bretagne, an die Atlantik-Küste, ins Burgund, oder oder oder … unser westliches Nachbarland hat so viele schöne Ecken!

    Tipp: Ihr seid nun auf den Geschmack gekommen und wollt unser westliches Nachbarland selbst erkunden? Dann stöbert doch mal durch unsere Urlaubsangebote für Frankreich:

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    Frankreich Eigenanreise
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    Frankreich Urlaub mit dem Zug
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