Nach einer wetterbedingten Verzögerung ist die außergewöhnliche Kunstinstallation „La Caverne du Pont-Neuf“ des französischen Künstlers JR in Paris nun für die Öffentlichkeit zugänglich. Das begehbare Kunstwerk auf der historischen Pont Neuf, der ältesten Brücke von Paris, war ursprünglich bereits Anfang Juni eröffnet worden, musste jedoch nach schweren Sturm- und Hagelschäden kurzfristig geschlossen bleiben. Erst nach umfangreichen Reparaturarbeiten konnte das Projekt nun starten.
Eine Brücke wird zur Höhlenlandschaft
Mit der Installation verwandelt JR die berühmte Pariser Seine-Brücke in eine monumentale Höhlenlandschaft. Auf einem rund 120 Meter langen Abschnitt der Brücke wurden riesige, mit Felsmotiven bedruckte Stoffelemente installiert. Die Konstruktion besteht aus zahlreichen luftgefüllten Bögen und erzeugt den Eindruck, als würden Besucher durch das Innere eines gewaltigen Felsmassivs laufen. Die Anlage erreicht eine Breite von etwa 20 Metern und eine Höhe von bis zu 18 Metern.
Hommage an Christo und Jeanne-Claude
Das Projekt versteht sich zugleich als Hommage an das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude. Die beiden hatten die Pont Neuf bereits im Jahr 1985 mit einer spektakulären Verhüllungsaktion weltweit bekannt gemacht. Vier Jahrzehnte später knüpft JR an diese Kunstgeschichte an, verfolgt jedoch einen anderen Ansatz.
Während Christo und Jeanne-Claude die Brücke vollständig mit Stoff verhüllten, erschafft JR eine begehbare Installation, die Besucher aktiv erleben können. Damit wird die Pont Neuf aus einer ungewohnten Perspektive erfahrbar gemacht.
Inspiration aus der Geschichte von Paris
Die Idee für die Installation stammt aus den Kalksteinbrüchen des Pariser Beckens. Aus diesem Material wurde einst der Stein gewonnen, der beim Bau der Pont Neuf verwendet wurde. Die Brücke wurde 1607 fertiggestellt und gilt bis heute als eines der bedeutendsten historischen Bauwerke der Stadt.
Mit seiner künstlichen Höhlenlandschaft erinnert JR an die geologischen Ursprünge des Baumaterials und schlägt gleichzeitig eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Stürme verursachten erhebliche Schäden
Der Weg zur Eröffnung verlief jedoch nicht ohne Probleme. Kurz vor dem geplanten Start am 6. Juni 2026 wurden Teile der Installation durch starke Böen und Unwetter in Mitleidenschaft gezogen. Die mit Felsmotiven bedruckte Außenhülle wurde an mehreren Stellen beschädigt, sodass die Verantwortlichen die Eröffnung kurzfristig absagen mussten.
In den darauffolgenden Tagen waren Techniker und Helfer intensiv mit der Wiederherstellung der Anlage beschäftigt. Nach Angaben des Künstlers wurde nahezu rund um die Uhr an den Reparaturen gearbeitet, um das Kunstwerk in Paris wieder aufzubauen.
Kunst und Klang als Gesamterlebnis
Ergänzt wird die Installation durch eine eigens entwickelte Klanglandschaft des Musikers Thomas Bangalter, der als Mitglied des Elektro-Duos Daft Punk internationale Bekanntheit erlangte. Die akustische Begleitung verstärkt die Wirkung der künstlichen Höhle und macht den Besuch zu einem immersiven Erlebnis.
Besucher haben noch bis zum 28. Juni Gelegenheit, die Installation zu besichtigen. Damit schafft JR ein Kunstwerk, das die traditionsreiche Pont Neuf für kurze Zeit in eine völlig neue Erlebniswelt verwandelt.
Quelle: dw.com
