Wer mit dem Kreuzfahrtschiff nach Dänemark reist, könnte künftig zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Die dänische Regierung möchte eine Passagiergebühr einführen, die Gäste zahlen müssen, die das Land im Rahmen einer Schiffsreise besuchen. Vorgesehen ist ein Start im Jahr 2028. Während sich die Politik zusätzliche Einnahmen verspricht, wächst in der Tourismuswirtschaft die Sorge vor negativen Folgen für die Urlaubsregionen.
Neue Kosten für Kreuzfahrturlauber geplant
Konkret geht es um 200 dänische Kronen für jeden Kreuzfahrtgast, dessen Schiff einen dänischen Hafen anläuft. Die Maßnahme ist Teil des geplanten Finanzgesetzes und befindet sich noch im politischen Verfahren.
Nach den Berechnungen der Regierung könnten dadurch jährlich zusätzliche Netto-Einnahmen von rund 300 Millionen Kronen entstehen. Das entspricht nach aktuellem Umrechnungskurs etwa 40,1 Millionen Euro. Als Argument für die Passagiergebühr wird angeführt, dass Kreuzfahrtbesucher stärker an den Kosten beteiligt werden sollen, die unter anderem durch Lärm, Verschmutzung und die Nutzung kommunaler Infrastruktur entstehen.
Branche befürchtet Nachteile für Hafenstädte
Gegenwind kommt von mehreren dänischen Wirtschaftsorganisationen und Hafenvertretern. Sie halten es für möglich, dass Reedereien ihre Routen verändern, um die zusätzliche Belastung zu umgehen. Im schlimmsten Fall könnten einzelne Häfen ganz aus den Reiseplänen verschwinden.
Wie wichtig der Wirtschaftszweig für die Küstenregionen ist, zeigen Zahlen aus dem Jahr 2025. Damals besuchten rund 1,1 Millionen Kreuzfahrtpassagiere Dänemark. Mehr als 98 Prozent entfielen auf Kopenhagen, Aarhus, Skagen und Rønne auf Bornholm.
Für die betroffenen Orte könnte ein Rückgang der Schiffsbesuche spürbare Konsequenzen haben. Denn Kreuzfahrtpassagiere bringen auch Kundschaft in lokale Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Zudem hängen Arbeitsplätze in den Hafenregionen teilweise von diesem Wirtschaftszweig ab.
Zweifel am Nutzen der Abgabe
Auch die erhoffte Wirkung auf die Umwelt wird infrage gestellt. Hafenvertreter argumentieren, dass eine zusätzliche Zahlung nicht automatisch den Ausstoß von CO₂ verringert. Stattdessen könnten Schiffe andere Häfen im Ostseeraum ansteuern. Zudem unterliegen Kreuzfahrtschiffe bereits dem europäischen Emissionshandel.
Als Beispiel für mögliche wirtschaftliche Konsequenzen verweisen Kritiker auf Island. Dort wurde eine vergleichbare Passagierabgabe nach einem Rückgang der Buchungen wieder reduziert. Besonders kleinere Häfen sollen von den Veränderungen betroffen gewesen sein.
Entscheidung steht noch aus
Die Wirtschaftsverbände verlangen eine gründliche Untersuchung der Folgen, bevor über die Einführung entschieden wird. Dabei sollen sowohl die Einnahmen als auch mögliche Einbußen bei Arbeitsplätzen und regionaler Wertschöpfung berücksichtigt werden.
Für Urlauber ändert sich vorerst nichts. Ob die Passagiergebühr ab 2028 tatsächlich erhoben wird und ob Reedereien mögliche Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben, ist noch nicht geklärt. Ebenso bleibt abzuwarten, ob Kreuzfahrtunternehmen ihre Routen als Reaktion auf die geplante Regelung anpassen.
Quellen: fr.de, schiffe-und-kreuzfahrten.de
