Ein Italien-Urlaub am Strand könnte sich in den kommenden Jahren deutlich verändern. In mehreren Regionen des beliebten Urlaubslandes gehen die Behörden nun verstärkt gegen private Strandbäder vor und schaffen stattdessen neue frei zugängliche Strandabschnitte. Hintergrund ist unter anderem die geplante Umsetzung einer EU-Richtlinie, die den Umgang mit staatlichen Strandkonzessionen neu regeln soll.
Rom macht Platz für mehr öffentliche Strandflächen
Besonders sichtbar wird der Wandel derzeit in Ostia, dem Stadtstrand von Rom. Während in den Sommermonaten normalerweise Tausende Badegäste dicht an dicht unter Sonnenschirmen liegen, prägen diesen Sommer Abrissbagger das Bild. Mehrere private Strandbäder werden hier aktuell zurückgebaut, um Platz für öffentliche Strandflächen zu schaffen.
Die Stadt verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Der Anteil kostenlos zugänglicher Strände soll deutlich wachsen. Statt bislang 70 sollen in Ostia künftig nur noch 35 private Strandbetriebe bestehen. Gleichzeitig ist geplant, die Länge der öffentlichen Strandabschnitte von bislang 1,2 auf 6,5 Kilometer zu erweitern. Damit wären künftig mehr als die Hälfte des insgesamt 11,3 Kilometer langen Strandes frei zugänglich.
Hohe Preise für Liegen sorgen für Kritik
Offiziell gibt es mehr als 7.300 sogenannte Stabilimenti Balneari, privat betriebene Strandbäder, entlang der rund 7.500 Kilometer langen Küste des Landes. Inoffiziell dürfte die Zahl noch höher sein. Die zumeist familiengeführten Betriebe vermieten Liegen und Sonnenschirme an Italien-Urlauber und heimische Badegäste. Für zwei Liegen inklusive Sonnenschirm werden inzwischen durchschnittlich rund 40 Euro pro Tag verlangt, in beliebten Urlaubsregionen wie der Toskana teilweise sogar deutlich mehr.
Die steigenden Kosten sorgen nicht nur bei internationalen Touristen für Unmut. Auch viele Italiener kritisieren inzwischen, dass sich ein Strandtag für Familien immer schwieriger finanzieren lässt. Hinzu kommt, dass Zäune und Mauern an vielen Orten den freien Zugang zum Meer erschweren.
Warum sich Italiens Strände jetzt verändern
Nach italienischem Recht gehört die Küste dem Staat. Dennoch ist inzwischen mehr als die Hälfte der Strände privat verpachtet. Die dafür gezahlten Konzessionsgebühren gelten im Verhältnis zu den erzielten Einnahmen vieler Betreiber als niedrig.
Grundlage für den jetzigen Kurswechsel ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2006. Sie sieht vor, dass Konzessionen für öffentliche Strandflächen regelmäßig neu ausgeschrieben werden müssen. Die Umsetzung wurde in Italien lange verschoben, soll aber ab 2027 beginnen.
Neben Ostia arbeiten inzwischen auch andere Regionen wie Ligurien und Apulien daran, den Anteil öffentlicher Strände zu erhöhen. Bürgerinitiativen begrüßen diese Entwicklung und fordern, dass Meer und Küsten wieder stärker als öffentliches Gut behandelt werden. Ziel ist es, den Zugang zum Strand langfristig für alle Menschen einfacher und bezahlbarer zu machen, worüber sich viele Italien-Urlauber freuen dürften.
Quellen: tageschau.de, tageskarte.io
