Der Gardasee gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen Italiens. Doch unter der Wasseroberfläche bereiten Riesenwelse Behörden und Fischern zunehmend Sorgen. Die Raubfische breiten sich immer weiter aus und setzen das empfindliche Ökosystem des Sees unter Druck. Nun greift die Region Venetien mit einem Förderprogramm in Höhe von 100.000 Euro ein, um die Population der Tiere einzudämmen und gleichzeitig neue Chancen für die Fischerei zu schaffen.
Invasive Art verändert das Ökosystem
Der Europäische Wels (Silurus glanis) zählt zu den größten Süßwasserfischen Europas. Ausgewachsene Tiere können mehr als zwei Meter lang werden und ein Gewicht von weit über 100 Kilogramm erreichen. Ursprünglich stammt die Art aus Mittel- und Osteuropa, hat sich jedoch in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen Gewässern Westeuropas ausgebreitet.
Auch im Gardasee ist der Wels inzwischen fest etabliert. Besonders im südlichen Bereich zwischen Venetien und der Lombardei werden regelmäßig große Exemplare gefangen. Da der Raubfisch an der Spitze der Nahrungskette steht und sich erfolgreich vermehrt, gerät das natürliche Gleichgewicht zunehmend aus dem Takt. Anders als viele andere Fischarten hat der Wels im Gardasee kaum natürliche Feinde. Dadurch kann sich die Population vergleichsweise ungehindert entwickeln und Jahr für Jahr weiter wachsen. Für das Ökosystem hat das weitreichende Folgen: Einheimische Fischarten werden verdrängt, ihre Bestände gehen zurück und die Artenvielfalt leidet. Experten warnen deshalb, dass sich die Entwicklung ohne gezielte Gegenmaßnahmen langfristig weiter verschärfen könnte.
Fischer leiden unter den Folgen
Nicht nur die Natur bekommt die Ausbreitung der Riesenwelse zu spüren. Auch die Berufsfischer am Gardasee kämpfen mit den Folgen. Die kräftigen Kiefer der Welse beschädigen immer wieder Fischernetze, wodurch zusätzliche Reparaturkosten entstehen. Gleichzeitig werden traditionelle Fangmethoden erschwert.
Um gegenzusteuern, stellt die Region Venetien nun insgesamt 100.000 Euro bereit. Registrierte Fischereibetriebe aus der Provinz Verona können Fördergelder von bis zu 20.000 Euro beantragen. Finanziert werden unter anderem spezielle Netze, Kühlsysteme und weitere Ausrüstung, die den gezielten Fang der großen Raubfische erleichtern soll.
Wels soll auch auf dem Teller landen
Mit der Förderung des Kampfes gegen die Raubfische verfolgt Venetien gleich zwei Ziele. Einerseits soll die Zahl der Welse sinken, um das Ökosystem des Gardasees zu entlasten. Andererseits möchte die Region den Fisch stärker als Lebensmittel vermarkten. In vielen Teilen Mitteleuropas gilt Wels bereits als schmackhafter Speisefisch. Durch eine bessere Vermarktung könnten sich für die wenigen verbliebenen Berufsfischer am Gardasee zusätzliche Einnahmequellen ergeben.
Auch andere Regionen rund um den See reagieren bereits. Die Autonome Provinz Trient setzt auf eine gezielte Befischung. In der Lombardei wird derzeit über weitere Maßnahmen diskutiert, konkrete Entscheidungen stehen dort jedoch noch aus.
Warum Badegäste keine Angst haben müssen
Grundsätzlich gelten Europäische Welse nicht als gefährlich für Menschen. Zwar machte 2025 ein einzelner Wels am Brombachsee mit einem ungewöhnlichen Angriff auf Badende Schlagzeilen, doch Fachleute sehen darin einen absoluten Ausnahmefall. Normalerweise meiden die Tiere den Kontakt zu Menschen und ziehen sich zurück, wenn sie gestört werden. Die reale Gefahr für Badegäste ist daher äußerst gering. Wer einem Wels beim Schwimmen begegnet, sollte daher ruhig bleiben – die reale Gefahr für Badegäste ist äußerst gering. Die Vorstellung vom gefährlichen „Monsterfisch“ gehört deshalb eher ins Reich der Legenden als zur Realität.
Quelle: t-online.de
Weiterführende Informationen: br.de
