Eine zwei Kilometer lange Bahnverbindung zwischen Finnland und Schweden ist wieder für den Personenverkehr geöffnet. Was zunächst nach einer kleinen regionalen Nachricht klingt, hat Bedeutung für ganz Europa: Die neue Verbindung schließt eine Lücke im europäischen Schienennetz und macht eine rund 5.000 Kilometer lange Zugreise von Finnisch-Lappland bis an die portugiesische Algarve möglich.
Zwei Kilometer, die Europa verbinden
Es sind gerade einmal rund zwei Kilometer, die im Norden Europas zwei Grenzorte voneinander trennen: Die finnische Stadt Tornio und das schwedische Haparanda liegen unmittelbar an der Grenze und sind über eine Brücke miteinander verbunden. Seit 1988 gab es hier allerdings keinen regulären Personenverkehr auf der Schiene. Das hat sich nun laut mehreren internationalen Medienberichten geändert. Die finnische Staatsbahn VR fährt wieder bis Haparanda und stellt damit eine direkte Verbindung zwischen Finnland und Schweden her.
Für die Region bedeutet das die Rückkehr einer Verbindung, die schon einmal zum Alltag gehörte. Für Europa-Reisende ist sie vor allem deshalb spannend, weil damit ein fehlendes Puzzleteil im internationalen Bahnnetz wieder eingesetzt wurde.
Warum die Züge so lange verschwunden waren
Bis 1988 verkehrte zwischen den beiden Grenzstädten ein Schien enbus. Doch die Fahrzeuge wurden zunehmend wartungsanfällig, gleichzeitig verlor die Strecke wirtschaftlich an Bedeutung. In den 1980er-Jahren waren immer mehr Menschen in der Region auf das eigene Auto umgestiegen.
1992 gab die schwedische Staatsbahn die Strecke schließlich vollständig auf. Das Besondere: Beide Städte verfügten weiterhin über Bahnhöfe, nur der Personenverkehr dazwischen war verschwunden. Dass diese Verbindung nun wiederbelebt werden konnte, hat deshalb nicht nur mit einer neuen Nachfrage nach Zugreisen zu tun. Auch die technischen Voraussetzungen mussten angepasst werden.
Eine Grenze – zwei Spurweiten
Auch nutzen Finnland und Schweden unterschiedliche Spurweiten. Das finnische Schienennetz basiert auf 1.524 Millimetern, während in Schweden die europäische Normalspur von 1.435 Millimetern verwendet wird. Aufgrund des nur 89 Millimeter großen Spurenunterschieds kann aber ein finnischer Zug nicht ohne Weiteres auf dem schwedischen Schienennetz weiterfahren.
Der Grund dafür reicht weit zurück: Finnland gehörte von 1809 bis 1917 zum Russischen Kaiserreich. Das dort aufgebaute Eisenbahnnetz entstand deshalb in der russischen Breitspur. Am Bahnhof von Haparanda wurden nun entsprechende Voraussetzungen geschaffen, um den grenzüberschreitenden Verkehr wieder zu ermöglichen. Damit ist eine technische Hürde überwunden, die über Jahrzehnte zu den Besonderheiten dieser kurzen Bahnverbindung gehörte.
Von Finnisch-Lappland bis an die Algarve
Für Reisende wird die kleine Verbindung vor allem deshalb spannend, weil sie Teil einer wesentlich größeren Reisekette ist. Von Kolari in Finnisch-Lappland lässt sich nun eine Bahnreise bis nach Faro an der portugiesischen Algarve zusammenstellen. Dazwischen liegen rund 5.000 Kilometer und zahlreiche Umstiege. Die Route führt durch mehrere europäische Länder und unter anderem über große Städte wie Paris. Insgesamt dauert die Reise mehr als 51 Stunden – also etwas mehr als zwei Tage reine Reisezeit.
Natürlich dürfte kaum jemand diese Strecke in einem Stück zurücklegen wollen. Interessanter ist die Möglichkeit, Europa auf diese Weise in mehreren Etappen zu durchqueren: vom hohen Norden Skandinaviens über Mittel- und Westeuropa bis an die Atlantikküste Portugals. Damit zeigt sich auch, welche Bedeutung einzelne grenzüberschreitende Verbindungen für das europäische Bahnnetz haben können. Ein fehlendes Teilstück von nur wenigen Kilometern kann eine Reisekette über einen ganzen Kontinent unterbrechen.
Mit der Bahn statt mit der Fähre
Auch für kürzere Reisen durch Skandinavien eröffnet die neue Verbindung zusätzliche Möglichkeiten. Wer zwischen Finnland und Schweden unterwegs ist, kann beispielsweise eine Landroute mit dem Zug wählen, statt die Fähre zwischen Helsinki und Stockholm zu nehmen. Die Bahnverbindung dauert zwar länger als die Überfahrt mit dem Schiff. Dafür führt sie durch Reisende durch die vielfältigen Landschaften Skandinaviens und lässt sich mit weiteren Zugverbindungen kombinieren.
Und die Entwicklung könnte noch weitergehen: Finnland plant laut dem öffentlich-rechtlichen Sender Yle parallel zum bestehenden Breitspur-Netz eine zusätzliche Verbindung in europäischer Normalspur. Damit könnten sich künftig weitere Möglichkeiten für internationale Bahnreisen ergeben.
Die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Tornio und Haparanda ist also nur eine kurze Strecke. Für Reisende, die Europa gerne auf Schienen entdecken, macht sie dennoch ein ziemlich langes Stück Weg frei – nach über 35 Jahren Durststrecke.
Quelle: welt.de / AFP / YLe
