Der Rhein führt derzeit stellenweise so wenig Wasser wie selten zuvor zu dieser Jahreszeit – und das bleibt nicht ohne Folgen. Während Frachter ihre Ladung reduzieren können, stoßen Flusskreuzfahrtschiffe auf dem Rhein zunehmend an ihre Grenzen. Für Reisende bedeutet das: Je nach Entwicklung der Pegelstände könnten Routen angepasst oder Fahrten vorübergehend ausgesetzt werden.
Rekordtief im Juni sorgt für Herausforderungen
In Köln wurde kürzlich mit einem Tagesmittelwert von 1,23 Metern ein historischer Tiefstand für den Juni gemessen. Nach Einschätzung der Experten dürfte der Wasserstand aufgrund der anhaltenden Trockenheit noch weiter sinken. Besonders betroffen ist davon die Schifffahrt, die sich bereits jetzt auf die außergewöhnlichen Bedingungen einstellen muss.
Während Güterschiffe ihre Fracht reduzieren können, um trotz geringer Wassertiefe weiter unterwegs zu sein, ist diese Möglichkeit bei Rhein-Flusskreuzfahrtschiffen praktisch nicht gegeben. Das Gewicht der Schiffe lässt sich kaum nennenswert verringern, weshalb sie deutlich empfindlicher auf sinkende Pegel reagieren.
Rhein: Flusskreuzfahrten könnten bald eingeschränkt werden
Sollte das Niedrigwasser weiter anhalten, könnten Rhein-Flusskreuzfahrten auf einzelnen Abschnitten schon in Kürze eingeschränkt werden. Vor allem im Oberen Mittelrheintal zwischen Budenheim und St. Goar gilt die Situation als kritisch. Dort ist die Fahrrinne besonders flach. Eine denkbare Alternative wäre eine Fahrt über die Mosel, wo Staustufen und Schleusen die Auswirkungen des Niedrigwassers abmildern.
Anders als bei Hochwasser gibt es jedoch keine behördlich festgelegte Sperre. Solange die Sicherheit gewährleistet ist, entscheiden die Schiffsführer selbst, ob eine Passage möglich ist.
Festgefahrenes Kreuzfahrtschiff zeigt die Risiken
Welche Auswirkungen die niedrigen Wasserstände bereits jetzt haben, zeigte ein Vorfall in Köln. Dort lief das Flusskreuzfahrtschiff „Viking Einar“ beim Anlegemanöver auf eine Sandbank auf und konnte erst mit Unterstützung eines weiteren Schiffs wieder freigeschleppt werden. Verletzt wurde niemand, und auch Schäden am Schiff konnten nach ersten Erkenntnissen nicht festgestellt werden.
Der Zwischenfall macht deutlich, dass besonders in Bereichen mit sehr niedrigem Wasserstand das Risiko steigt, auf Grund zu laufen.
Ausflugsschiffe derzeit noch im Vorteil
Etwas entspannter ist die Lage bislang für viele Ausflugsschiffe. Sie verfügen über einen vergleichsweise geringen Tiefgang und können deshalb auch bei niedrigeren Wasserständen noch verkehren. Selbst wenn einzelne Fahrten künftig nicht mehr möglich sein sollten, könnten Veranstaltungen auf festliegenden Schiffen weiterhin stattfinden.
Auch die Frachtschifffahrt leidet unter dem Niedrigwasser
Nicht nur die Personenschifffahrt spürt die Folgen der anhaltenden Trockenheit. Frachtschiffe transportieren vielerorts bereits deutlich weniger Ladung als üblich. Teilweise können sie nur noch rund ein Viertel ihrer üblichen Ladung transportieren.
Als Konsequenz aus den Erfahrungen der vergangenen Niedrigwasserjahre wird der Mittelrhein bis 2033 ausgebaut. Ziel ist eine tiefere Fahrrinne, damit Schiffe künftig auch bei niedrigen Pegelständen mehr Ladung aufnehmen und zuverlässiger verkehren können.
Was Reisende jetzt über Rhein-Flusskreuzfahrten wissen sollten
Fest steht: Sollte die Trockenperiode anhalten und der Rhein weiter Wasser verlieren, dürfte sich die Lage für die Flusskreuzfahrt in den kommenden Wochen weiter zuspitzen. Reisende sollten daher kurzfristige Änderungen ihrer Reiseplanung nicht ausschließen.
Quellen: SZ, Focus, Kölner Stadt-Anzeiger
