Südafrikanische Behörden haben nun bestätigt, dass bei zwei Passagieren auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ das sogenannte Andesvirus nachgewiesen wurde. Dieses Virus gehört zur Gruppe der Hantaviren und kann anders als viele andere Varianten auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Die Bestätigung erfolgte im Rahmen einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des südafrikanischen Parlaments. Insgesamt wurden bislang mehrere Infektionen an Bord des Schiffes registriert, das sich zuletzt im Atlantik befand. Drei Passagiere sind infolge der Infektion gestorben. Dabei handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine deutsche Staatsbürgerin.
Ein britischer Patient befindet sich derzeit in kritischem Zustand auf einer Intensivstation in Johannesburg. Labortests eines Instituts für Infektionskrankheiten bestätigten bei ihm das Andesvirus. Im Zuge dieser Erkenntnis wurde auch eine inzwischen verstorbene niederländische Patientin nachträglich positiv getestet.
Besonderheit des Andesvirus
Hantaviren werden normalerweise durch den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen. Das Andesvirus bildet jedoch eine Ausnahme. „Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt“, sagte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation könnte die Infektionskette auf dem Kreuzfahrtschiff ihren Ursprung bei dem verstorbenen niederländischen Ehepaar haben. Experten gehen davon aus, dass sich die beiden möglicherweise bereits vor Beginn der Reise in Argentinien mit dem Virus infiziert haben.
Kontakt vermutlich während Landgang
Diese Annahme basiert auf aktuellen epidemiologischen Untersuchungen, die den zeitlichen Verlauf der Erkrankungen sowie die Kontakte der Betroffenen berücksichtigen. Eine endgültige Bestätigung steht jedoch noch aus. Die Epidemiologin Maria Van Kerkhove betonte, dass viele Passagiere während der Expeditionsreise an Aktivitäten mit engem Naturkontakt teilgenommen haben. Dazu gehörten unter anderem Wildtierbeobachtungen und Landgänge in abgelegenen Regionen. Solche Aktivitäten könnten das Risiko erhöht haben, mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen in Kontakt zu kommen.
Darüber hinaus schließt die WHO nicht aus, dass zusätzliche Infektionen durch Kontakt mit Nagetieren auf Inseln entlang der Reiseroute erfolgt sein könnten. Das Schiff hatte im Verlauf der Expedition mehrere abgelegene Regionen und Inseln angesteuert, darunter auch Gebiete vor der afrikanischen Küste.
Keine Hinweise auf Nagetiere an Bord
Der Betreiber des Schiffes betonte laut WHO-Angaben, dass es keine Hinweise auf Ratten oder andere Nagetiere an Bord der „Hondius“ gebe. Damit erscheint eine direkte Übertragung durch Tiere auf dem Schiff selbst derzeit unwahrscheinlich. Dennoch bleibt die genaue Rekonstruktion der Infektionskette Gegenstand laufender Untersuchungen. Experten arbeiten weiterhin daran, die einzelnen Übertragungswege eindeutig nachzuvollziehen.
Weitere Infektion mit Hantavirus in der Schweiz
Ein weiterer Fall wurde nach der Rückkehr eines Passagiers in die Schweiz festgestellt. Der Mann hatte zuvor an der Kreuzfahrt teilgenommen und wurde nach Auftreten von Symptomen in eine Klinik in Zürich eingeliefert. Die Gesundheitsbehörden in der Schweiz betonen, dass das Krankenhaus gut auf solche Fälle vorbereitet sei. Das Risiko für die Bevölkerung wird derzeit als gering eingeschätzt. Die Ehefrau des Patienten zeigt keine Symptome, befindet sich jedoch vorsorglich in Selbstisolation.
WHO bestätigt insgesamt 7 Fälle des Hantavirus
Die Weltgesundheitsorganisation geht aktuell von insgesamt sieben bestätigten Erkrankungsfällen im Zusammenhang mit dem Ausbruch aus. Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“, das unter niederländischer Flagge fährt und rund 150 Menschen an Bord hat, war ursprünglich von Südargentinien gestartet. Zuletzt lag es vor der Küste von Kap Verde vor Anker.
Inzwischen hat Spanien dem Schiff erlaubt, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen. Diese Entscheidung wurde laut spanischem Gesundheitsministerium in enger Abstimmung mit internationalen Behörden und unter Berücksichtigung humanitärer Prinzipien getroffen.
Nach Angaben des Unternehmens Oceanwide Expeditions befanden sich insgesamt sieben deutsche Passagiere sowie ein Crewmitglied an Bord des Schiffes. Ob und wie viele von ihnen betroffen sind, wurde bislang nicht im Detail bekannt gegeben.
Quelle: spiegel.de tagesschau.de
