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    Home»Reiseberichte»Märchenlandschaften, Traditionen und Großstadtdschungel – Rundreise durch Chinas Süden
    Panoramablick auf Li Fluss in China
    Panoramablick auf den Li Fluss

    Märchenlandschaften, Traditionen und Großstadtdschungel – Rundreise durch Chinas Süden

    Von Nadine Akkad15. Juni 20267 Min. Lesezeit

    Eine Reise nach China bedeutet, in eine völlig andere Welt einzutauchen. Zwischen spektakulären Naturwundern, jahrhundertealten Traditionen und futuristischen Metropolen erlebte ich auf meiner Rundreise durch den Süden Chinas täglich neue Überraschungen. Von den berühmten Avatar-Bergen im Nationalpark Zhangjiajie über die malerischen Reisterrassen von Longsheng bis hin zur Millionenmetropole Shenzhen zeigte sich das Land in all seinen Facetten.

    Bei meiner Ankunft in Chengdu wurde mir bewusst, wie groß die Unterschiede zu Europa sind. China ist nach Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde und fast 27-mal größer als Deutschland. Die Dimensionen, die Kultur und die Dynamik des Landes wirkten zunächst überwältigend. Doch genau diese Mischung aus fremder Kultur und Faszination machte diese Reise nach China zu einem unvergesslichen Erlebnis.

    Zu Besuch in der Welt von Avatar 

    Einer der beeindruckendsten Orte meiner Rundreise war der Zhangjiajie Nationalpark in der Provinz Hunan. Hier ragen hunderte steile Sandsteinsäulen scheinbar schwerelos in den Himmel und bilden eine Landschaft, die direkt einem Fantasyfilm entsprungen sein könnte. Tatsächlich dienten die spektakulären Felsformationen als Inspiration für die schwebenden Berge im Film „Avatar“. Namen wie „Erste Brücke der Welt“, „Hinterer Garten“ oder die berühmten „Halleluja-Berge“ verleihen dem Ort zusätzlich eine mystische Atmosphäre. Als ich am Wulingyuan Scenic Spot stand und den Blick über diese einzigartige Landschaft schweifen ließ, war ich schlicht sprachlos.

    Avatar Berge im Nationalpark Zhangjiajie, China
    Fast schon mystisch erheben sich die Avatar Berge aus dem Nebel

    Ein weiterer Höhepunkt war die Glasbrücke über dem Zhangjiajie Grand Canyon. Auf 385 Metern Länge führt sie in schwindelerregender Höhe über die Schlucht und bietet einen atemberaubenden Panoramablick, der jeden Anflug von Höhenangst schnell vergessen lässt.

    Glasbrücke über dem Zhangjiajie Grand Canyon, China
    Wer schwindelfrei ist, bekommt auf der Glasbrücke einen phantastischen Ausblick

    Reisetipp für AAAAA Sehenswürdigkeiten 

    Der Zhangjiajie Nationalpark gehört zum exklusiven Kreis der sogenannten 5A-Sehenswürdigkeiten – dem höchsten Qualitätssiegel, das das chinesische Ministerium für Kultur und Tourismus vergibt. Damit werden die bedeutendsten Attraktionen des Landes ausgezeichnet. Wer dieses Naturwunder möglichst entspannt erleben möchte, sollte jedoch Anfang Mai und die erste Oktoberwoche meiden. Während der sogenannten „Goldenen Wochen“ sind Millionen Chinesen selbst im Land unterwegs, und viele Sehenswürdigkeiten erreichen dann ihre Kapazitätsgrenzen.

    Naturwunder und Nervenkitzel am Tianmenshan 

    Wer eine Reise nach China und speziell durch den Süden des Landes plant, sollte den Tianmenshan unbedingt auf die Liste setzen. Bereits der Weg hinauf ist ein Erlebnis für sich. Über eine spektakuläre Serpentinenstraße, die längste Seilbahn der Welt mit mehr als 7,5 Kilometern Länge und schließlich die berühmte Himmelstreppe gelangt man zum „Tor zum Himmel“, einer gewaltigen natürlichen Felsenöffnung im Berg. Die letzten knapp 1.000 Stufen verlangen etwas Kondition. Der etwa halbstündige Aufstieg wurde aber mit einem außergewöhnlichen Erlebnis belohnt.

    Treppe und Himmelstor am Tianmenshan, China
    Hier ging es hoch hinaus

    Kleiner Fun Fact: Die World Wingsuit League hatte hier ihren ersten und zweiten Weltmeister Wettbewerb im Wingsuit fliegen abgehalten, bei dem die Athleten direkt durch die Tianmen-Höhle flogen. Auch wenn der Ausblick vom Gipfel selbst eher unspektakulär wirkt, macht die spektakuläre Anreise den Berg zu einem der eindrucksvollsten Ausflugsziele Südchinas.

    Tradition, Handwerk & Magie

    Zu den kulturellen Highlights meiner Reise durch den Süden Chinas gehörte zweifellos die „Phönixstadt“ Fenghuang in der Provinz Hunan. Der Legende nach verliebten sich einst zwei Phönixe so sehr in diesen Ort, dass sie ihn nie wieder verlassen wollten. Wer durch die verwinkelten Gassen schlendert, versteht schnell, warum. Die Heimat der Tujia- und Miao-Minderheiten hat sich ihren historischen Charme mit Stelzenhäusern, alten Holzbrücken und traditionellen Pagoden bewahrt. Überall begegnet man Handwerkern, die alte Techniken, wie das Batiken, pflegen. Wer mag, kann in einem der vielen Geschäfte die traditionelle Kleidung anprobieren.

    Nadine Akkad traditioneller Kleidung in Fenghuang, China
    Nadine in traditioneller Kleidung in Fenghuang

    Wenn Fenghuang zu leuchten beginnt

    Seine größte Magie entfaltet Fenghuang nach Sonnenuntergang. Dann verwandelt sich die historische Altstadt in ein Meer aus Farben und Lichtern. Während meiner Bootsfahrt auf dem Tuojiang-Fluss spiegelten sich die bunt beleuchteten Häuser, Brücken und Pagoden im Wasser und schufen eine beinahe märchenhafte Kulisse. Auf Plattformen mitten im Fluss traten Sängerinnen auf, auf Booten wurden kleine Shows veranstaltet und entlang des Ufers posierten Besucher in traditionellen Gewändern für professionelle Fotoshootings. Alles wirkte größer, bunter und lebendiger als gewohnt. Gerade dieser Kontrast zwischen jahrhundertealter Architektur und moderner Inszenierung machte den besonderen Reiz aus. Fenghuang bei Nacht gehört für mich zu den schönsten und atmosphärischsten Erlebnissen der gesamten Rundreise.

    Beleuchtete Gebäude in Fenguang bei Nacht, China
    Fenguang bei Nacht ist ein ganz besonderes Erlebnis

    Teeplantagen und Drachenwirbel 

    Das Kontrastprogramm folgte mit dem Besuch der Buyang Teeplantage in der autonomen Region Guangxi. Die Weite der Felder, das satte Grün der Blätter und die Ruhe der Berge auf 800 bis 100 Metern – ein Ort zum Durchatmen und Runterkommen. Hier scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Besucher können selbst Teeblätter pflücken und bei einer Verkostung mehr über die verschiedenen Sorten und deren Zubereitung erfahren. 

    Mein Tipp: Nehmt unbedingt ein oder zwei Sorten des biologisch angebauten Tees mit nach Hause, die Qualität ist hervorragend.

    Buyang Teeplantage in Guangxi, China
    Die Buyang Teeplantage in Guangxi

    Das nächste Naturhighlight wartete mit den Longji-Reisterrassen bei Longsheng, etwa 100 Kilometer nördlich von Guilin. Meine kurze Wanderung von circa 1,5 Stunden führte mich auf 880 Meter. Die Wege dorthin sind gut ausgebaut und für jeden mit ein bisschen Kondition locker machbar. Die mit Wasser gefüllten Felder, die sich spiralförmig den Berg nach oben winden, erinnern an die Schuppen eines Drachen und tragen daher den Namen Longji übersetzt Drachenwirbel. Mein persönlicher Tipp: Bucht euch eine Übernachtung in der Li An Lodge, das kleine Boutique-Hotel hat nur 16 Zimmer und ist sehr gemütlich eingerichtet. Es wurde komplett aus Holz gebaut. Umgeben von Reisterrassen ist es nicht mit dem Auto erreichbar. Der Fußweg vom Parkplatz dauert etwa eine halbe Stunde. Belohnt werdet ihr mit einem fantastischen Panorama direkt vom Zimmer oder von der Terrasse des Hauses.

    UNESCO-Welterbe und Postkartenmotive

    Ein weiterer Höhepunkt meiner Reise nach China war die weltberühmte Karstlandschaft in der Provinz Guangxi. Die bizarren Kalksteinberge zählen zu den spektakulärsten Naturwundern der Erde und sind Teil des UNESCO-Welterbes. Besonders beeindruckend war meine Bambusfloßfahrt auf dem Yulong Fluss.  Während die markanten Karstfelsen links und rechts vorbeizogen, entstanden unzählige Bilder, die wie Postkartenmotive wirkten. Für zusätzlichen Spaß sorgten kleine Stromschnellen mit Rafting-Feeling. Der Spaß für die circa einstündige Fahrt kostet zwischen 13 und 20 Euro pro Person. Den besten Panoramablick über den Li-Fluss hatte ich anschließend bei einer Wanderung auf den Xian Gong Shan. Von der Aussichtsplattform bot sich ein spektakulärer Rund-um-Blick. Einer jener Momente, die noch lange im Gedächtnis bleiben werden.  

    Bambusfloßfahrt auf dem Yulong Fluss, China
    Einer der ruhigen Momente auf meiner Bambusfloßfahrt

    Fazit: Eine Reise nach China voller Überraschungen

    Nach zehn intensiven Tagen endete meine Rundreise in der 17-Millionen-Metropole Shenzhen. Die 2,5 h stündige Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug dorthin war sinnbildlich für das moderne China: schnell, effizient und perfekt organisiert.  Diese Art des Transports kann ich absolut empfehlen. Für den Zutritt zum Bahnhof solltest du immer den Reisepass bereithalten. Den braucht man auch für den Besuch vieler Attraktionen, ohne ihn gibt es kein Ticket!

    Insgesamt hat mich diese Reise durch Chinas Süden in vielerlei Hinsicht überrascht. Neben den spektakulären Landschaften beeindruckten mich vor allem die gute Infrastruktur und die besondere Gastfreundschaft der Menschen. Der Süden Chinas vereint faszinierende Natur, lebendige Traditionen und moderne Dynamik auf einzigartige Weise – eine große Schatztruhe mit vielen wunderschönen Perlen. Wer außergewöhnliche Landschaften entdecken und gleichzeitig tief in eine fremde Kultur eintauchen möchte, findet hier eines der spannendsten Reiseziele Asiens.

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