Lange war für Moderator Kai Pätzmann Lüdenscheid der Nabel der Welt. Heute blickt der sympathische Sauerländer auf über 20 Jahre sonnenklar.TV und rund 70 besuchte Urlaubsländer zurück. Zum Vierteljahrhundert-Jubiläum des Fernweh-Senders erzählt der Reise-Experte, wie sich Urlaub verändert hat, welche Highlights ihm in Erinnerung geblieben sind und wieso er das Studiomikrofon in manchen Situationen besser ausschaltet.
Wie lange bist Du denn schon bei sonnenklar.TV dabei und wie kam es dazu?
Seit Juni 2003. Damals war ich Regional Manager für die Region Katschberg/Rennweg und freier Reporter für „ran“. Ein Moderatoren-Kollege erzählte mir von einem Sender, der im Fernsehen Reisen verkauft. Also bin ich zum Casting nach Ludwigsburg – zu spät und völlig unvorbereitet. Zwei Tage später klingelte trotzdem das Telefon – der Rest ist bekannt.

Dein eindrucksvollstes Erlebnis bei sonnenklar.TV?
Weniger ein einzelner Moment als die Entwicklung des Senders. Am Anfang ging es um 99-Euro-Türkei-Reisen, heute haben wir Australien-Neuseeland-Kombis für 9.999 Euro. Auch war ich mit sonnenklar.TV als „Kind der ersten Stunde“ in Dubai dabei – damals exotisch – heute nicht mehr wegzudenken. Auch das Vertrauen, das sich bei unseren Zuschauern entwickelt hat – durch alle Krisen hindurch.

Welche Promis haben Dich am meisten bei sonnenklar.TV beeindruckt und warum?
Ich mag unsere sonnenklar.TV Wegbegleiter wie Harry Wijnvoord oder den leider verstorbenen Ulli Potofski. José Carreras als Gast bei der „Goldenen Sonne“ war ein Erlebnis! Und mit Max Mutzke, der 2004 nach seinem ESC-Auftritt bei mir in der Sendung war und mich mit seiner Art und Stimme beeindruckt hat, verbindet mich bis heute eine freundschaftliche Beziehung.

Was hast Du als die größten Herausforderungen bei sonnenklar.TV empfunden?
Wenn irgendwo ein Vulkan ausbricht, legt er schnell mal die komplette Reisebranche lahm. Klingt temporär überschaubar, zieht aber einen Rattenschwanz an Herausforderungen nach sich. Weil sich jedes Unglück oder jede Naturkatastrophe auf das Reiseverhalten der Gäste niederschlägt, müssen wir entsprechend und schnell reagieren.
Und persönlich?
Der sprachliche und inhaltliche Zeitgeist. Man muss heute genauer abwägen, wie man Dinge formuliert. Das gehört dazu – auch wenn es für jemanden wie mich, der sein Herz gern auf der Zunge trägt, nicht immer einfach ist.
Wie reist Du am liebsten?
Für mich ist das Leben mittlerweile zu kurz, um nur zwei Wochen am Strand zu liegen. Reisen heißt für mich: Menschen treffen, Städte entdecken, Konzerte besuchen und damit einen Kurztrip verbinden, oder fremde Kulturen bei Rundreisen genießen. Diese Entwicklung hin zum Erlebnis, stelle ich generell in der Branche und bei den jüngeren Semestern fest.
Und woher kommt Deine Reiseleidenschaft?
Auch wenn meine Geburtsstadt Lüdenscheid lange der gefühlte Nabel der Welt war, wollte ich früh ausbrechen – und habe es getan. Als Tennislehrer, Backpacker, beim Work & Travel oder in der Hotellerie habe ich gemerkt: Es gibt durchaus zivilisiertes Leben außerhalb des Sauerlandes (lacht). Ich habe den Großteil meines Lebens im Ausland verbracht – beruflich wie privat. Am Ende bin ich damit aber noch nicht, auch wenn ich seit zwölf Jahren auf Mallorca lebe und etwas sesshafter geworden bin.

Gibt es denn Reiseziele, die Du noch nie gesehen hast?
Ich war in 69 Ländern und bei rund 195 insgesamt gibt es noch Luft nach oben. Früher fühlte ich mich gehetzter und reiste schon mal Umwege, nur um einen neuen Stempel im Pass zu haben. Da bin ich heute viel entspannter.
Dein Lieblings-Urlaubsort und warum?
Da ich ewig suchend bin, habe ich den noch nicht gefunden. Ich liebe London, Tallinn, Neuseeland, Kanada, Slowenien und könnte die Liste unendlich fortsetzen, mich aber nie festlegen. Da kommt hoffentlich noch so viel Neues.
Dein peinlichster Versprecher?
Da gab es ein paar nicht jugendfreie. Und wenn aus dem „Knüller des Tages“ plötzlich der „Killer des Tages“ wird, kann das verwirrend sein. Unschlagbar bleibt aber der Moment, als ich beim 20-Sekunden-Boxenstopp auf der Toilette – inklusive Gesang – beim munteren Wasserlassen wieder live on Air geschaltet wurde (lacht).
Was motiviert Dich an der Präsentation von Reisen noch?
Ehrlich gesagt: Ich freue mich, wenn ich ein „Inspirationsquell“ sein und Zuschauern zu einer besonderen Auszeit verhelfen kann. So geschehen etwa mit Usbekistan – einem Land, das nicht bei Vielen auf dem Wunschzettel steht, aber durch meine Reisefilme und Moderationen Urlaubern vielleicht einen neuen Horizont eröffnet hat.

Woher nimmst Du Deine Energie?
In Anlehnung an Obelix bin ich wohl als Kind in einen Topf mit Duracell-Batterien gefallen (lacht). Im Ernst: Familie, Freunde, Kollegen – und ein Job, der meinen Lebenstraum widerspiegelt, geben mir jede Menge Energie.
Wo siehst Du sonnenklar.TV in 25 Jahren?
Ein frisches, innovatives und junges sonnenklar.TV, das noch stärker im Streaming auftritt und mit noch mehr Live- Reportern weltweit. Raus aus dem Studio, rein in die Welt. Reisen wird es hoffentlich immer geben – und vor allem die Sehnsucht, etwas Neues und Anderes außerhalb seines eigenen Mikrokosmos‘ zu erleben.
Weiterlesen: Weitere Interviews mit den sonnenklar.TV-Moderatorinnen Cheré Alice Zimmermann, Ulf-Dieter Kunstmann und Goofy Förster.
Weiterblättern: Mehr Fotos von Kai und den anderen sonnenklar-Gesichtern findet ihr in unserer Bildergalerie zum sonnenklar.TV-Jubiläum.
