In Portugal startete ein außergewöhnliches Tierschutzprojekt: In der Region Alentejo hat Europas erstes großflächiges Elefantenschutzgebiet seine Arbeit aufgenommen. Die Einrichtung soll Elefanten, die bislang in Zoos oder Zirkussen gelebt haben, eine naturnahe Umgebung bieten und ihnen einen ruhigen Lebensabend ermöglichen. Mit der Ankunft der ersten Bewohnerin hat das Projekt dieses Jahr offiziell begonnen.
Die erste Elefantin im neuen Schutzgebiet heißt Julie. Das rund 40 Jahre alte Tier verbrachte Jahrzehnte in einem portugiesischen Zirkus, nachdem es als Jungtier aus Afrika nach Europa gebracht worden war. Seit ihrer Ankunft im Elefanzenschutzgebiet kann sie sich erstmals auf einem weitläufigen Gelände frei bewegen und ihre Umgebung eigenständig erkunden. Nach Angaben der Betreiber hat sie sich bereits gut eingelebt und nutzt die neu gewonnene Bewegungsfreiheit.
400 Hektar für mehr Tierwohl
Das Areal trägt den Namen Pangea und befindet sich nahe der spanischen Grenze zwischen Vila Viçosa und Alandroal. Mit einer Fläche von rund 400 Hektar ist es Europas erstes großflächiges Elefantenschutzgebiet. Langfristig sollen dort bis zu 30 Elefanten aufgenommen werden.
Das Konzept orientiert sich an bestehenden Projekten in Afrika, Asien und Amerika. Ziel ist es, den Tieren möglichst natürliche Lebensbedingungen zu bieten. Dazu gehören große Freiflächen, auf denen sie grasen, nach Nahrung suchen und soziale Kontakte zu Artgenossen haben. Zudem ist für eine individuelle tierärztliche Betreuung gesorgt, ebenso wie auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Pflege- und Ernährungsprogramme.
Das Elefantenschutzgebiet soll noch mehr Bewohner aufnehmen
Julie wird voraussichtlich nicht lange allein bleiben. Dieses Jahr soll noch eine weitere afrikanische Elefantin namens Kariba in das Schutzgebiet einziehen. Sie lebt derzeit allein in einem Zoo in Belgien und soll künftig ebenfalls in Portugal unter deutlich natürlicheren Bedingungen leben können.
Besuche frühestens Ende 2026 möglich
Aktuell kann das Elefantenschutzgebiet noch nicht besichtigt werden. Die Betreiber wollen den Tieren zunächst ausreichend Zeit geben, sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Deshalb bleibt die Anlage vorerst für den regulären Besucherverkehr geschlossen.
Erst gegen Ende des Jahres 2026 bzw. Anfang 2027 sollen in begrenztem Umfang erste Besuche möglich sein. Geplant sind unter anderem besondere Besichtigungsmöglichkeiten für Unterstützer des Projekts sowie einzelne Termine für Menschen aus der Region und Schulklassen. Eine klassische Safari oder ein touristischer Massenbetrieb sind jedoch ausdrücklich nicht vorgesehen. Stattdessen steht das Wohl der Tiere im Mittelpunkt.
Auch die Forschung soll profitieren
Neben dem Tierschutz verfolgt das Projekt auch wissenschaftliche Ziele. Gemeinsam mit Universitäten und Forschungseinrichtungen möchten die Verantwortlichen Erkenntnisse über das Verhalten und das Wohlbefinden von Elefanten gewinnen. Untersucht werden soll unter anderem, wie sich ehemalige Zoo- und Zirkuselefanten an naturnahe Lebensräume anpassen.
Für Elefanten in Europa eröffnet sich damit die Chance auf ein Leben mit deutlich mehr Freiheit und natürlichen Verhaltensmöglichkeiten – nach vielen Jahren in menschlicher Haltung.
Quelle: reisereporter.de
