Ende Juni war sie gestartet: eine neue Direktverbindung mit den Zügen von Leo Express zwischen Frankfurt über Prag nach Ostpolen. Jetzt kündigt der tschechische Anbieter nach drei Monaten an, die Strecke bis auf weiteres wieder einzustellen. Die Gründe: die vielen Bauarbeiten und Streckensperrungen im deutschen Schienennetz.
Seit 5. Oktober fährt kein Zug mehr
Diese Ankündigung kam überraschend: der tschechische Zugbetreiber Leo Express stellt mit sofortiger Wirkung seine erst Ende Juni eingerichtete Direktverbindung zwischen Frankfurt und Ostpolen ein. Einmal täglich hatte der Express-Zug zahlreiche Bahnhöfe auf seiner Fahrt von der Mainmetropole im Westen Deutschlands bis nach Przemyśl an der polnisch-ukrainischen Grenze abgeklappert. Rund 21 Stunden brauchte er für seine Fahrt durch drei Länder (Deutschland, Tschechien, Polen), die Strecke war eine der längsten durchgehenden in Europa.
Bauarbeiten, Streckensperrungen, Zug-Überholungen
Die Rahmenbedingungen für diese Langstrecken-Verbindung waren nicht einfach und führten letztendlich zur vorzeitigen Einstellung des vergleichsweise preisgünstigen Angebots. Wie der tschechische Zug-Anbieter bekannt gab, sind es „anhaltende Bauarbeiten und weitere geplante Streckensperrungen auf dem deutschen Schienennetz, die die Stabilität des Fahrplans und den Betrieb unserer Verbindungen erheblich beeinträchtigen“. Erfahrungsberichte von Reisenden wiesen außerdem darauf hin, dass im deutschen Schienennetz die Züge der Deutschen Bahn Vorrang hatten und der Leo Express aufgrund von Zug-Überholungen stellenweise warten musste.
Was bedeutet das für die Reisenden?
Auf der Website des Unternehmens können keine Tickets mehr gekauft werden. Bereits erworbene Tickets sollen gemäß den geltenden gesetzlichen Bestimmungen entschädigt werden, wie Leo Express mitteilt. Der Kundenservice würde betroffene Fahrgäste kontaktieren.
Was steckt hinter Leo Express?
2010 wurde das tschechische Unternehmen gegründet, seit 2012 transportiert es Fahrgäste. Seit 2021 ist das staatliche spanische Eisenbahnunternehmen Renfe an Leo Express beteiligt. Betrieben werden eigene Zugverbindungen in Tschechien, der Slowakei und Polen. Durch Kooperationen dehnt sich das Streckennetz teilweise bis in die baltischen Staaten oder die Ukraine aus. Während die Verbindung Frankfurt-Ostpolen nun vorzeitig eingestellt werden musste, plant Leo Express eine weitere Strecke mit Ziel/Start in Deutschland. Ab Dezember 2026 sollen die Züge des Unternehmens zwischen München und Prag verkehren.
Quellen: touristik-aktuell.de / mdr.de / hessenschau.de / leoexpress.com
