Historisch niedrige Wasserstände von Rhein bis Donau bringen den Fahrplan vieler Flusskreuzfahrten durcheinander. Routen werden kurzfristig geändert, einzelne Reisen abgesagt und Passagiere müssen sich auf Schiffswechsel oder längere Transfers einstellen. Zwar versuchen die Reedereien, ihre Kreuzfahrten möglichst wie geplant durchzuführen – doch die anhaltende Trockenheit setzt ihnen zunehmend Grenzen.
Wie angespannt die Lage ist, zeigen bereits zwei Vorfälle aus den vergangenen Wochen: Mitte Juli musste ein Flusskreuzfahrtschiff bei Bonn von einer Sandbank freigeschleppt werden. Rund 100 Passagiere und 45 Besatzungsmitglieder befanden sich an Bord. Wenige Tage später lief auf der Donau nahe der bulgarischen Stadt Vidin ein weiteres Kreuzfahrtschiff auf Grund. Dort mussten insgesamt 238 Menschen – 186 Gäste und 52 Crewmitglieder – evakuiert werden.
Rhein und Donau besonders stark betroffen
Die anhaltende Hitze und ausbleibenden Niederschläge haben die Pegelstände vieler Flüsse auf historische Tiefststände sinken lassen. Besonders kritisch ist die Situation auf der Donau. Nach aktuellen Daten des Niedrigwasserinformationssystems (NIWIS) herrscht an fast drei Viertel der Messstellen extremes Niedrigwasser.
Auch am Rhein zeigt sich eine angespannte Lage. Dort befinden sich zahlreiche Messstellen ebenfalls im außergewöhnlich niedrigen Bereich. Daneben sind Flüsse wie Elbe, Oder, Weser und Maas betroffen, die vielerorts deutlich weniger Wasser als üblich führen. Für die Schifffahrt können bereits wenige Zentimeter entscheidend sein. Reicht die Fahrrinne nicht mehr aus, dürfen Schiffe bestimmte Strecken nicht oder nur mit stark reduzierter Beladung passieren.
So reagieren die Reedereien
Damit möglichst viele Flusskreuzfahrten stattfinden können, beobachten die Reedereien die Wasserstände täglich und stehen in engem Austausch mit Behörden und Hafenbetreibern. Statt Reisen vorschnell abzusagen, setzen viele Anbieter zunächst auf flexible Lösungen.
Dazu gehören geänderte Fahrtrouten, andere Ein- und Ausschiffungshäfen oder Bus-Transfers zwischen zwei befahrbaren Flussabschnitten. Teilweise werden Gäste auch auf ein anderes Schiff umgesetzt.
Ein Beispiel liefert Nicko Cruises: Auf dem Rhein werden einige Kreuzfahrten derzeit nicht mehr wie geplant Richtung Süden durchgeführt, sondern stattdessen über den Niederrhein nach Belgien und in die Niederlande umgeleitet. Auf der Donau mussten hingegen bereits 13 Reisen abgesagt werden – darunter längere Kreuzfahrten bis zum Schwarzen Meer sowie Fahrten zwischen Passau und Budapest.
Auch Phoenix Reisen musste bereits improvisieren. Weil der Rhein zeitweise nicht befahrbar war, wurde eine Reise kurzfristig über die Mosel umgeleitet. Die bekannte Passage an der Loreley entfiel, betroffene Gäste erhielten dafür eine Entschädigung. Andere Reedereien betonen, dass Absagen nur das letzte Mittel sind, wenn eine sichere Durchführung der Reise nicht mehr gewährleistet werden kann.
Was Reisende jetzt wissen sollten
Wer in den kommenden Wochen eine Flusskreuzfahrt gebucht hat, muss nicht automatisch mit einer Absage rechnen. Die meisten Reisen finden weiterhin statt – allerdings häufig mit Änderungen im Reiseverlauf. Dazu können andere Anlegehäfen, geänderte Ausflugsprogramme oder zusätzliche Transfers gehören.
Wird eine Flusskreuzfahrt komplett abgesagt, haben Reisende in der Regel Anspruch auf eine Rückerstattung des Reisepreises oder können auf eine andere Reise umbuchen. Bei Routenänderungen kommt es darauf an, wie stark die gebuchte Reise vom ursprünglichen Programm abweicht. Viele Reedereien kommen ihren Gästen derzeit mit Kulanzregelungen entgegen. Je nach Anbieter reichen diese von kostenlosen Umbuchungen über Preisnachlässe bis hin zu Erstattungen, wenn sich der Reiseverlauf erheblich ändert.
Entspannung ist vorerst nicht in Sicht
Ob sich die Lage auf den Flüssen entspannt, hängt vor allem vom Wetter ab. Solange ergiebige Niederschläge ausbleiben, dürften die Pegelstände niedrig bleiben und kurzfristige Anpassungen zum Alltag vieler Flusskreuzfahrten gehören.
Urlauber, die eine Flusskreuzfahrt planen oder gebucht haben, sollten deshalb vor Reisebeginn die aktuellen Informationen ihres Veranstalters im Blick behalten. Trotz der schwierigen Bedingungen gilt aber auch: Die meisten Flusskreuzfahrten finden weiterhin statt – wenn auch manchmal auf einem anderen Weg als ursprünglich geplant.
Quelle: reisereporter.de
Weiterführende Informationen: niwis-online.de
