Langstreckenflüge sind für viele Reisende ein Kompromiss: günstig reisen, aber auf Komfort verzichten. Besonders beim Thema Schlaf zeigt sich der Unterschied zwischen den Klassen deutlich. Während in der Business oder First Class flache Betten Standard sind, bleibt es in der Economy meist beim aufrechten Sitzen. Genau das soll sich nun zumindest teilweise ändern. Die Air New Zealand plant erstmals Etagenbetten für Passagiere der Economy Class auf Langstreckenflügen. Die sogenannten „Skynest“-Module der neuseeländischen Fluggesellschaft bestehen aus sechs übereinander angeordneten Liegeflächen. Jede Koje ist rund zwei Meter lang und im Schulterbereich ausreichend breit, verjüngt sich jedoch zum Fußende hin. Zum Einsatz kommen die Schlafbereiche in Langstreckenflugzeugen vom Typ Boeing 787-9.
Gedacht ist das Angebot ab November schon vor allem für sehr lange Verbindungen wie die Strecke zwischen New York und Auckland, die rund 18 Stunden dauert. Auf solchen Flügen wird Schlaf schnell zum entscheidenden Faktor für das Reiseerlebnis.
Liegen beim Fliegen – mit Handicaps
So innovativ die Idee von Betten für Langstreckenflüge klingt, so klar ist auch: Der Komfort hat seinen Preis. Für eine vierstündige Nutzung einer Schlafkoje werden rund 495 US-Dollar fällig – umgerechnet etwa 420 Euro. Und das zusätzlich zum regulären Flugticket. Die Schlafplätze werden also nicht als Ersatz, sondern als kostenpflichtiges Extra angeboten. Wer länger schlafen möchte, müsste theoretisch mehrere Zeitfenster buchen – was den Gesamtpreis schnell deutlich in die Höhe treibt, sofern überhaupt genügend Verfügbarkeit besteht.
Hinzu kommt die begrenzte Nutzungsdauer: Nach vier Stunden ist Schluss, und Passagiere müssen zurück auf ihren Sitzplatz. Gerade wenn man erst in den Tiefschlaf gefunden hat, dürfte das Aufwachen entsprechend unangenehm ausfallen.
Auch praktisch bleibt das Konzept nicht ohne Fragezeichen. Einschlafen auf Abruf ist für viele schwierig – besonders mit dem Wissen, dass jede Minute kostet. Zudem bleiben typische Fluggeräusche wie Schnarchen oder Bewegungen anderer Passagiere auch in der Liegeposition ein Thema.
Für Familien wirkt das Konzept zunächst ebenso vielversprechend, doch bei genauerem Hinsehen gibt es klare Einschränkungen. Die Nutzung der Schlafkojen ist erst ab 15 Jahren erlaubt. Zudem müssen Kinder unter zwölf Jahren während des gesamten Fluges von einer erwachsenen Person betreut werden. Das bedeutet: Eltern können die Schlafplätze nur nacheinander nutzen, nicht gemeinsam mit ihren Kindern. Die erhoffte gemeinsame Ruhepause bleibt damit in vielen Fällen aus.
Diese Airlines setzen ebenfalls auf „Betten“ in der Economy
Neu ist die Idee von Betten für Langstreckenflüge nicht: Air New Zealand bietet neben dem Skynest schon länger die Möglichkeit an, eine Reihe aus drei Sitzen zu einer durchgehenden Liegefläche umzubauen, als eine Art Mini-Sofa für Einzelreisende, Paare oder Familien.
Auch andere Fluggesellschaften experimentieren mit vergleichbaren Lösungen. Die kasachische Air Astana etwa setzt auf den „Economy Sleeper“, bei dem mehrere Sitze mit einer Matratzenauflage zu einer Liegefläche kombiniert werden. Die japanische All Nippon Airways (ANA) bietet mit „COUCHii“ ein ähnliches Konzept, das gegen Aufpreis mehr Platz und eine halbwegs horizontale Ruheposition über den Wolken ermöglicht.
Und der Trend geht weiter: Laut Branchenberichten arbeiten auch Airlines wie United Airlines an neuen Konzepten, bei denen sich Sitzreihen künftig flexibler in Liegeflächen verwandeln lassen sollen – erste Modelle wie die „Relax Row“ sind für die kommenden Jahre angekündigt. Der Unterschied zum Etagenbett-Modell: Während diese Lösungen meist direkt am eigenen Sitzplatz stattfinden, schaffen die neuen Schlafkojen erstmals einen separaten Ruhebereich innerhalb der Economy Class.
Trotz mancher Hürden zeigt die Entwicklung, wohin sich die Branche bei Betten für Langstreckenflüge bewegt. Airlines arbeiten zunehmend daran, den Komfort auch in der Economy Class zu verbessern – sei es durch neue Sitzkonzepte, mehr Platz oder innovative Ideen wie Schlafkojen. Für Passagiere auf ultralangen Strecken könnte das Etagenbett im Flugzeug zumindest zeitweise eine neue Form der Erholung bieten – wenn sie bereit sind, dafür extra zu zahlen.
Quelle: spiegel.de
Weiterführender Link: urlaubspiraten.de
