Seit vielen Jahren gehört Mallorca zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen und machten dort den Großteil der Urlauber aus. Dass das Fremdenverkehrsamt von Palma de Mallorca nun verstärkt um Gäste aus den USA wirbt, lässt aufhorchen. Was steckt hinter der neuen Strategie?
Des Deutschen liebste Insel
Auf circa 5 Millionen wird die Zahl der Deutschen geschätzt, die Mallorca im Jahr 2026 besuchten und noch besuchen werden. Oftmals kommen diese Urlauber im Rahmen einer Pauschalreise und geben im Durchschnitt 91 Euro pro Tag aus. Hoch im Kurs stehen Hotels in direkter Strandlage mit Inklusiv-Angeboten ohne große Zusatzkosten. In der Hauptsaison landen durchschnittlich an die 100 Flüge pro Tag von rund 25 deutschen Flughäfen kommend auf Mallorca.
Zahlungskräftige US-Urlauber
Mallorca-Touristen aus den USA verbringen ihren Urlaub anders. Pauschalreisen sind dort eher unbekannt, meist werden Flüge, Hotels, Ausflüge und Mietwagen separat gebucht. Dadurch geben die US-Amerikaner im Durchschnitt 129 Euro pro Urlaubstag aus. Auch ihre Urlaubsgestaltung auf der Insel unterscheidet sich von der der Europäer: statt Sonne und Strand stehen mediterrane Lebensart und landestypische Küche im Vordergrund. Die Unterkünfte sind meist kleinere Boutique-Hotels im Landesinneren oder in der Inselhauptstadt Palma.
Zwar ist der Anteil der US-Amerikaner an den Mallorca-Gästen aktuell noch gering: 2025 waren es rund 300.000 US-amerikanische Touristen gegenüber den etwa 5 Millionen deutschen Urlaubern, die damit knapp ein Viertel der Gesamt-Touristen-Zahl ausmachten (vor den Briten mit 21 und den Spaniern mit 14 Prozent). Allerdings könnten die amerikanischen Zahlen zeitnah größer werden.
Massentourismus vs. exklusiver Luxus-Urlaub
Mallorca kämpft bereits seit vielen Jahren mit stetig wachsenden Touristenmassen. Anwohner protestierten gegen den Anstieg und forderten eine Wende von Quantität zu mehr Qualität und höheren Preisen, um damit die Zahlen einzudämmen. Eine kleine Trendwende war 2025 zu sehen, denn die Ausgaben der Touristen stiegen proportional mehr als die Anzahl der Urlauber. Eventuell könnten die US-Touristen ein bisschen damit zu tun haben.
Seit 2022 bietet United Airlines Direktflüge von New York nach Palma an, in diesem Jahr kam eine Air-Canada-Verbindung von Montreal aus dazu. Der Anteil der amerikanischen Urlauber steigt kontinuierlich und mit ihnen die Einnahmen. Die Inselhauptstadt setzt nun verstärkt auf Marketing auf dem US-amerikanischen Markt, um die zahlungswilligen Urlauber anzuziehen.
Mallorca wird internationaler – und teurer?
Mit diesen Werbemaßnahmen wird versucht, die Urlaubergruppe auf Mallorca noch internationaler zu gestalten und damit die Abhängigkeit von einigen wenigen Herkunftsländern zu verringern. So knüpfte die Balearen-Regierung nicht nur Kontakte mit amerikanischen, sondern auch mit asiatischen und arabischen Airlines. Nicht nur, aber auch wegen der US-amerikanischen Gäste mit einem praller gefüllten Urlaubs-Geldbeutel veränderte sich bereits die Hotellandschaft in Richtung Luxus.
Und auch der Immobilienmarkt zieht mit, das Angebot im Luxus-Segment wächst. US-amerikanische Makler eröffnen Büros auf der Insel. Noch ist der Anteil an amerikanischen Interessenten vergleichsweise gering. Je mehr US-Touristen allerdings auf die Insel kommen, desto größer und schneller könnte diese Zahl steigen.
Noch haben die Deutschen die Nase vorne
Vorerst bleiben die deutschen Urlauber unangefochten auf Platz eins der Mallorca-Touristen, gefolgt von den Briten. Doch auch wenn die Nordamerikaner zahlenmäßig noch weit hinter ihnen liegen, wird deren Urlaubsverhalten ersten Einfluss auf die Preise der Insel nehmen und womöglich auch die Mallorca-Aufenthalte der Deutschen verändern.
Quellen: handelsblatt.com, mallorcamagazin.com, mallorcazeitung.es
