Rund drei Viertel der Geschäftsreisenden zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich nutzen den Eurostar, den Schnellzug durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal. Er verbindet die Hauptstädte Paris und London, Brüssel und Amsterdam. Ab 2030 soll es nun deutlich mehr tägliche Verbindungen geben.
Seit 1994: ein Eisenbahn-Tunnel unter dem Meer
Rund sechs Jahre wurde an ihm gebaut, 1994 wurde er für den Verkehr freigegeben: der etwa 50 Kilometer lange Eurotunnel unter dem Ärmelkanal zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich. 38 seiner 50 Kilometer sind komplett unter Wasser, was ihn zum längsten Unterwassertunnel der Welt macht. Er verläuft durchschnittlich 40-45 Meter unter dem Meeresspiegel, an seiner tiefsten Stelle sogar 75 Meter.
Seine zwei eingleisigen Fahrtunnel werden täglich von mehreren unterschiedlichen Zugtypen befahren: Passagier-Hochgeschwindigkeitszüge zwischen London und Paris, Amsterdam, Brüssel; Züge zum Transport von PKW, Bussen und Motorrädern; Züge zum Transport von LKW; herkömmliche Güterzüge.
Beliebt bei Geschäftsreisenden: der Eurostar
Der Hochgeschwindigkeits-Schnellzug, der Paris mit London in etwa 2:15 Stunden verbindet, steht bei Geschäftsreisenden der beiden Länder hoch im Kurs. Auch wenn die reine Reise-Zeit bei Flügen geringer ist, hat der Eurostar doch einen entscheidenden Vorteil: er bringt die Reisenden von Stadtzentrum zu Stadtzentrum, während die jeweiligen Flughäfen außerhalb der Städte zusätzliche Transfers nötig machen.
Konkurrenz belebt das Geschäft
Bereits im Oktober 2025 erhielt die britische Eisenbahngesellschaft Virgin Trains von der britischen Eisenbahnbehörde (ORR) die Genehmigung, das Monopol von Eurostar herauszufordern. Dabei setzte sich das Unternehmen gegen Konkurrenten wie Evolyn, Gemini und Trenitalia durch. Nun wurden Virgin Trains Trassenrechte und der Zugang zur Hochgeschwindigkeitsstrecke HS1 genehmigt, die London mit dem Ärmelkanaltunnel verbindet.
Der Tunnelbetreiber sieht übrigens noch ausreichend Kapazität für neue mögliche Zugverbindungen. Aktuell fahren rund 400 Züge täglich zwischen der britischen Insel und dem europäischen Festland, möglich sind bis zu 1.000 pro Tag.
Die To Dos der kommenden Jahre
Bis Virgin Trains tatsächlich Züge durch den Eurotunnel schicken kann, gibt es noch einiges zu tun: Einkauf von Zügen, Einholen von Sicherheitsgenehmigungen sowie Sicherstellung des Zugangs zu den restlichen Schienennetzen außerhalb des Vereinigten Königreichs.
Ab 2030: mehr Wettbewerb, niedrigere Preise?
Die Genehmigung der britischen Eisenbahnbehörde sieht vor, dass ab 1. Oktober 2030 Virgin Trains bis zu 20 tägliche Hin- und Rückfahrten zwischen London und Paris, Brüssel oder Amsterdam anbieten könnte. Aktuell gibt es bereits 14-18 tägliche Eurostar-Verbindungen zwischen London und Paris, etwa 10 zwischen London und Brüssel sowie circa 5 zwischen London und Amsterdam. Zu vermuten ist, dass durch die Konkurrenz der zwei Anbieter die Preise sinken und noch mehr Reisende auf den Zug umsteigen könnten.
Die Aufweichung des Eurostar-Monopols könnte einem weiteren Eisenbahnunternehmen in die Karten spielen. Anfang August wurde bekannt, dass schottische Eisenbahnvertreter eine Studie in Auftrag gaben. Sie soll prüfen, ob eine Verlängerung des schottischen Nachtzuges Caledonian Sleeper (bisher zwischen Schottland und London) bis auf das europäische Festland möglich sein könnte.
Quelle: travelweekly.co.uk
