Barcelona treibt seine Pläne zur Erhöhung der Kreuzfahrtsteuer weiter voran. Der Wirtschafts- und Finanzausschuss der katalanischen Metropole hat beschlossen, den städtischen Steuerzuschlag für Kreuzfahrtgäste deutlich anzuheben. Betroffen wären Passagiere, deren Kreuzfahrtschiff weniger als zwölf Stunden im Hafen der Stadt liegt. Sollte der Stadtrat Ende des Jahres zustimmen, könnte die neue Regelung bereits ab 2027 gelten – und damit zwei Jahre früher als bislang vorgesehen.
Steuerzuschlag soll auf 24 Euro steigen
Nach den aktuellen Plänen soll der kommunale Zuschlag für Transitpassagiere auf 24 Euro pro Person steigen. Bislang liegt dieser Betrag deutlich niedriger. Die geplante Anpassung würde somit einer Verdreifachung der bisherigen kommunalen Abgabe entsprechen.
Zusätzlich zum städtischen Zuschlag fällt weiterhin die bereits bestehende regionale Tourismussteuer in Höhe von 6 Euro an. Insgesamt müssten betroffene Kreuzfahrtgäste damit künftig 30 Euro pro Person entrichten, wenn sie sich mit ihrem Schiff weniger als zwölf Stunden in Barcelona aufhalten.
Entscheidung des Stadtrats steht noch aus
Ob die Erhöhung der Kreuzfahrtsteuer tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet sich allerdings erst zum Jahresende. Der Stadtrat muss die Änderung im Rahmen der städtischen Steuerverordnungen noch endgültig verabschieden. Erst nach diesem Beschluss kann die neue Abgabe in Kraft treten.
Mit der geplanten Vorziehung der Erhöhung von ursprünglich 2029 auf 2027 folgt die Stadtregierung unter Bürgermeister Jaume Collboni einer Forderung der Oppositionsfraktion Barcelona en Comú. Deren Sprecher Marc Serra hatte sich zuletzt für eine schnellere Anhebung der Kreuzfahrt-Kopfsteuer ausgesprochen.
Grundlage ist die katalanische Tourismussteuer
Die kommunale Abgabe basiert auf der katalanischen Tourismussteuer „Impost sobre les Estades en Establiments Turístics“ (IEET). Diese wurde bereits im Jahr 2012 von der Generalitat de Catalunya eingeführt und gilt für touristische Übernachtungen beziehungsweise Aufenthalte.
Seit 2017 besitzt die Stadt Barcelona die Möglichkeit, zusätzlich einen eigenen kommunalen Steuerzuschlag auf diese Abgabe zu erheben. Die jetzt geplante Erhöhung würde den Zuschlag auf den gesetzlich maximal zulässigen Betrag anheben.
Start- und Zielhafen statt Zwischenstopps
Mit der höheren Kreuzfahrtsteuer verfolgt die Stadt mehrere Ziele. Vor allem sollen Reedereien dazu bewegt werden, Barcelona verstärkt als Start- und Zielhafen ihrer Reisen zu nutzen, anstatt die Stadt lediglich als kurzen Zwischenstopp anzulaufen.
Passagiere, die ihre Kreuzfahrt in Barcelona beginnen oder beenden, gelten aus wirtschaftlicher Sicht als deutlich attraktiver. Sie verbringen häufig mehrere Nächte in der Stadt, nutzen Hotels, Restaurants und den Einzelhandel und sorgen dadurch für höhere Einnahmen im lokalen Tourismus.
Begrenzung der Kreuzfahrtpassagiere geplant
Darüber hinaus möchte Barcelona die Zahl der Kreuzfahrttouristen begrenzen. Künftig soll die jährliche Zahl der Passagiere auf rund 3,5 Millionen reduziert werden.
Derzeit zählt Barcelona mit rund 3,99 Millionen Kreuzfahrtpassagieren im Jahr 2025 weiterhin zu den bedeutendsten Kreuzfahrthäfen Europas. Im europäischen Vergleich liegt die Stadt auf Platz eins und belegt weltweit Rang vier. Sollte die geplante Obergrenze umgesetzt werden, könnte der italienische Hafen Civitavecchia bereits 2026 bei den Passagierzahlen an Barcelona vorbeiziehen.
Bereits heute hoher Anteil an Ein- und Ausschiffungen
Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Kreuzfahrthäfen weist Barcelona bereits einen vergleichsweise geringen Anteil an reinen Transitpassagieren auf. Rund 58 Prozent der Kreuzfahrtgäste beginnen oder beenden ihre Reise direkt in der katalanischen Metropole.
Gerade diese Passagiere sind für die lokale Wirtschaft besonders wertvoll, da sie vor oder nach ihrer Kreuzfahrt häufig zusätzliche Übernachtungen buchen und mehr Geld in der Stadt ausgeben. Mit der geplanten Steueranpassung möchte Barcelona diesen Anteil weiter erhöhen und gleichzeitig kurze Tagesaufenthalte weniger attraktiv machen.
Steuererhöhung soll Tourismusstrategie unterstützen
Die derzeit gültige Regelung sieht bereits eine schrittweise Anhebung des kommunalen Zuschlags auf 24 Euro bis zum Jahr 2029 vor. Der Wirtschafts- und Finanzausschuss möchte diesen Höchstsatz nun jedoch bereits ab 2027 einführen.
Ob die Maßnahme letztlich umgesetzt wird, hängt von der Zustimmung des Stadtrats ab. Sollte dieser die Steuerverordnungen verabschieden, würde Barcelona seine Strategie fortsetzen, den Kreuzfahrttourismus stärker zu steuern und den Fokus auf wirtschaftlich attraktivere Passagiere mit Ein- und Ausschiffung in der Stadt zu legen.
Quelle: cruisetricks.de
