Urlaub trotz Demenz? Für viele Angehörige klingt das wie ein Widerspruch. Schließlich erfordert die Betreuung eines demenzkranken Menschen im Alltag viel Kraft, Geduld und Organisationstalent. Wiederholte Fragen, nervöse Zustände oder verändertes Verhalten können auf Angehörige emotional stark belasten. Umso wichtiger ist es, sich als pflegende Person auch eigene Erholungsphasen zu gönnen – sei es allein oder gemeinsam mit dem erkrankten Familienmitglied. Mit der richtigen Planung kann beides gelingen.
Entlastung organisieren: Welche Möglichkeiten es gibt
Wer als pflegende Person eines Demenzkranken verreisen möchte, muss die Betreuung in dieser Zeit sicherstellen. Laut der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative (AFI) stehen dafür verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung: Eine Option ist die sogenannte Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung. Pflegebedürftige Menschen können dort für einen begrenzten Zeitraum betreut werden. Da entsprechende Plätze häufig stark nachgefragt sind, empfiehlt sich eine frühzeitige Planung.
Alternativ kann die Versorgung im gewohnten Zuhause organisiert werden – über die Verhinderungs- beziehungsweise Ersatzpflege. Diese greift, wenn die reguläre Pflegeperson vorübergehend ausfällt, etwa wegen Urlaubs. Neben professionellen Pflegediensten können auch andere Angehörige einspringen und dafür eine finanzielle Unterstützung erhalten.
So steht für Kurzzeit- und Verhinderungspflege im Jahr 2026 ein gemeinsames Budget von bis zu 3.539 Euro zur Verfügung, das flexibel eingesetzt werden kann. Dieser Anspruch besteht bei Pflegegrad zwei bis fünf. Weitere Informationen bieten unter anderem das Bundesministerium für Gesundheit, Pflegekassen oder Verbraucherberatungen.
Gemeinsam verreisen: Was zu beachten ist
Ein gemeinsamer Urlaub trotz Demenz kann viele positive Impulse setzen – insbesondere im frühen bis mittleren Stadium der Erkrankung. Neue Eindrücke, gemeinsame Zeit und Erlebnisse sowie vertraute Begleitung können das Wohlbefinden fördern.
Gleichzeitig reagieren Betroffene häufig sensibel auf Veränderungen. Deshalb sollte das Reiseziel sorgfältig gewählt werden: Orte, die mit positiven Erinnerungen verbunden sind, können Orientierung geben. Auch eine ruhige Umgebung ohne große Reizüberflutung ist häufig sinnvoll. Inspiration können auch frühere Interesse und Reisefavoriten der erkrankten Person geben.
Entscheidend ist zudem, gewohnte Strukturen möglichst beizubehalten. Feste Essenszeiten, regelmäßige Ruhephasen und vertraute Alltagsabläufe geben Sicherheit. Persönliche Gegenstände wie ein Lieblingskissen, Fotos oder vertraute Musik können unterwegs zusätzliche Stabilität vermitteln.
Flexibilität im Urlaub: Womit Angehörige rechnen müssen
Bei einem Urlaub trotz Demenz sollten Tagesprogramme nicht zu dicht geplant sein. Angehörige müssen damit rechnen, Aktivitäten spontan anzupassen oder Pausen einzulegen. In Einzelfällen kann es sinnvoll sein, eine Reise früher zu beenden. Wer unsicher ist, ob eine längere Urlaubsreise sinnvoll ist, kann zunächst mit kurzen Ausflügen beginnen. Tagestrips oder Wochenendaufenthalte in vertrauter Umgebung helfen dabei, die Belastbarkeit realistisch einzuschätzen.
Darüber hinaus existieren spezielle Reiseangebote, bei denen geschultes Betreuungspersonal unterstützend zur Seite steht. Solche Konzepte ermöglichen pflegenden Angehörigen kleinere Freiräume, ohne die Verantwortung vollständig abzugeben.
Unterstützungsangebote: Warum frühe Beratung wichtig ist
Pflegende Angehörige, die einen gemeinsamen Urlaub mit einem demenzkranken Partner planen, sollten sich in jedem Fall möglichst frühzeitig über verfügbare Leistungen informieren. Organisationen wie die Alzheimer Forschung Initiative stellen hierzu Hinweise bereit und erläutern, welche Leistungen kombiniert werden können. Welche Lösung im individuellen Fall geeignet ist, hängt vom Krankheitsstadium, vom Pflegegrad und von den persönlichen Bedürfnissen aller Beteiligten ab. Trotzdem kann Urlaub trotz Demenz in vielen Fällen ein Heilsbringer für Angehörige und Pflegebedürftige sein.
Quelle: spot on news über gmx.net
Weiterführende Informationen: alzheimer-forschung.de, bundesgesundheitsministerium.de/verhinderungspflege
