Dunkle, enge Gassen mit flatternder Wäsche, wild gestikulierende Neapolitaner und der wohlige Duft von Pizza in der Luft – genau das ist für mich „Bella Napoli“! Laut, hektisch, chaotisch – hier spürt man das Leben in vollen Zügen. Besonders dann, wenn man gerade noch einem laut hupenden Vespafahrer elegant (oder weniger elegant) von seiner Fahrbahn springt. Wenn ihr Lust auf Adrenalin, unfassbar gutes Essen und eine ordentliche Portion Geschichte habt – willkommen in Neapel!
sonnenklar.TV-Redakteurin Sophia war für ein verlängertes Wochenende in Neapel unterwegs und hat ihre Erlebnisse in der Stadt am Vesuv für euch zusammengefasst. Ihre Tipps für Neapel in drei Tagen lest ihr hier in diesem Reisebericht.
Inhaltsverzeichnis
- Neapel Tipp 1 Unterkunft: Historie und Moderne vereint
- Neapel Tipp 2 Kulinarik: Pasta-Glück an hohen Klostermauern
- Neapel Tipp 3 Dolce Vita: Kaffee wie im 19. Jahrhundert (nur besser)
- Neapel Tipp 4 Fotospot: in luftigen Höhen über Neapel
- Neapel Tipp 5 mit Gruselfaktor: Vampirfeeling in dunklen Höhlen unter Neapel
- Fazit zu Neapel in 3 Tagen
Mit dem öffentlichen Alibus gelangt man für ca. 5 Euro in nur 15 Minuten ins Zentrum der Stadt – und genau so sind wir spät abends bei unserer Unterkunft angekommen, die mein erster Tipp für euch ist:
Neapel Tipp 1 Unterkunft: Historie und Moderne vereint
Die kleinen, stilvollen MAMALU Studios liegen perfekt am Rande der Altstadt. Die ganz besondere, etwas eigenwillige Mischung aus Moderne und morbidem neapolitanischen Charme spüre ich schon beim Eintreten ins Gebäude. Das riesige Eingangstor ist durchbrochen von einer winzigen Tür, durch die wir uns durchducken müssen und zu einem historisch klapprig wirkenden Eisenlift im Treppenhaus gelangen (die Fahrt während der Woche kostet 20 Cent). Daraufhin folgt das Kontrastprogramm: eine helle, modern eingerichtete, kleine Lobby mit Sitzcouch und Designerbüchern heißt uns willkommen, ebenso wie eine junge Italienerin am Rezeptionstisch, die uns auch gleich mit vielen Restauranttipps beglückt. In unserem Hotelzimmer fühlen wir uns direkt pudelwohl, doch mein knurrender Magen zieht uns sofort wieder nach draußen.

Die Altstadt von Neapel gehört seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe – und das völlig zurecht. Sie ist eine der größten und am besten erhaltenen Europas. Über 40 Kirchen allein im Centro Storico! Gegründet wurde die Stadt übrigens von Griechen als „Neapolis“ – die „neue Stadt“. Heute ist sie alles, außer neu und geschniegelt. Und genau das, finde ich, macht ihren Reiz aus.
Dazu ein kleiner Reality-Check: Die Pflastersteine sind… sagen wir mal… charakterstark. Immer wieder hüpfen wir über unerwartete Löcher im Asphalt auf unserem Weg zu einem Restaurant. Von daher, High Heels? Lasst sie besser zuhause!
Neapel Tipp 2 Kulinarik: Pasta-Glück an hohen Klostermauern
Gleich um die Ecke unserer Unterkunft, direkt gegenüber der Santa Chiara, landen wir im putzigen Restaurant Monastero – und wollen gar nicht mehr weg:

Zwei charmante Kellner, Wände voller Fotos wie bei Oma, italienische Chansons und eine rustikale Bar mit unzähligen Spirituosen. Nicht zu vergessen natürlich die hausgemachte Pasta, die unvergesslich bleibt, und dazu ein süffiges neapolitanisches Bier namens Rosso – was will man mehr?
Neapel Tipp 3 Dolce Vita: Kaffee wie im 19. Jahrhundert (nur besser)
Am nächsten Morgen ist natürlich unsere erste Mission: ein italienischer Cappuccino! Unterwegs stolpern wir eher zufällig in die prachtvolle Galleria Umberto I. Die riesige Glaskuppel aus dem Jahr 1891 ist beeindruckend – dann eben doch ein Hauch von Eleganz und Glamour hier in Neapel. Die Einkaufspassage erinnert uns an die berühmte im schnieken Mailand, aber hier wird sie noch garniert mit ganz viel Patina, maroder Grandezza und weniger Perfektion – alles eben auf die sympathische südländische Art.

Und nicht weit davon: das legendäre Caffè Gambrinus. Hier saßen schon Oscar Wilde und Ernest Hemingway – und wir fühlen uns gleich ein bisschen literarischer und aristokratischer. Vielleicht kehren deswegen auch Angela Merkel und viele andere Politiker hier ein. Es kann aber auch an den schicken Obern liegen, die hier stolz die wunderbaren Köstlichkeiten präsentieren, die übrigens alle gefährlich verführerisch aussehen.

Sfogliatelle – kleine Kunstwerke aus Gebäck und Sahne, garniert mit frischen Früchten – und ja, wir nehmen natürlich mehr als eine. Wir wollen ja wissen, welches am besten schmeckt.
Besonders schön: die Tradition des „caffè sospeso“ – ein Kaffee, den man für jemanden mitbezahlt, der ihn sich sonst nicht leisten kann. Dafür steht eine alte, leere Espressomaschine am Eingang, in die man Geld werfen kann.
Neapel Tipp 4 Fotospot: in luftigen Höhen über Neapel
Ich liebe es, Städte von oben zu sehen und sich so einen Überblick zu verschaffen – und Neapel hat da echt was zu bieten! Mit der Funicolare, einer herrlich nostalgischen Standseilbahn aus dem 19. Jahrhundert, geht’s hoch zum Castel Sant’Elmo im Stadtteil Vomero. Die Fahrt kostet um die 1,50 € und ist ein kleines Abenteuer für sich (vor allem, wenn der Zug im dunklen Tunnel stehen bleibt…).

Noch ein paar Schritte weiter und schon sind wir ganz oben: Wow. Die Festung thront über der 900.000 Einwohner großen Stadt. Und der Blick erinnert mich an kitschige Gemälde aus den 80er Jahren: der Vesuv erhebt sich imposant im Süden, wird eingerahmt vom Hafen mit großen Kreuzfahrtschiffen und vermischt sich auf der Zunge mit dem salzigen Geschmack des Mittelmeeres. Plötzlich wirkt das Chaos da unten sehr weit entfernt und friedlich.
Tiefenentspannt schlendern wir über die sternförmigen dicken Mauern und bemerken erst dann, dass wir hier oben gar nicht mehr schreckhaft zur Seite springen müssen, kein Roller, kein Auto, das einen weg hupt wie in den engen Gassen unterhalb des Hügels. Allein das ist schon Luxus – und das kleine Café mit sagenhafter Aussicht lässt uns natürlich noch länger verweilen.
Neapel Tipp 5 mit Gruselfaktor: Vampirfeeling in dunklen Höhlen unter Neapel
Bereit für ein bisschen Gänsehaut? Lust auf modriges Katakomben- Feeling a la Graf Dracula?
Die feuchten, kalten Höhlengänge und großen Hohlräume erstrecken sich über 500 Quadratkilometer – das ist fünfmal die Fläche der ganzen Stadt Neapel! Teilweise sogar über mehrere Ebenen. Wir sind in einer Reisegruppe von 25 Personen unterwegs und stapfen die vielen Stufen nach unten. Bis zu 40 Meter tief liegen die Napoli Sotterranea.

Die Ursprünge reichen bis ins 4. Jahrhundert v. Chr., als die Griechen hier Tuffstein für ihre Häuser abgebaut haben. Später haben die Römer die Hohlräume als gut ausgebautes Wassersystem genutzt. Während der Cholera im 19. Jahrhundert mussten die Wasserbecken dann stillgelegt werden, und im Zweiten Weltkrieg haben die Räume tausenden Neapolitanern als Schutz vor den Bomben gedient und wohl Vielen das Leben gerettet. Den Hauch an Geschichte spüre ich in jeder Faser…
Wir begehen mehrere Räume bis uns der Guide warnt, dass jetzt eine sehr enge Stelle kommen wird. Nach 10 Metern würde ein weiterer schmaler Weg abzweigen, den man nehmen könnte, wenn man doch merkt, dass es einem nicht bekommt. Tapfer stapfe ich der Gruppe hinterher, wobei ich mich in weiser Voraussicht als letzte einsortiere. Geduckt verschwindet einer nach dem anderen in einem dunklen Loch und ich kann es nicht glauben, dass der Gang tatsächlich so schmal ist, dass ich mich nur seitlich durchquetschen kann.
Mit der Taschenlampe meines Handys leuchte ich mir meinen Weg, denn es ist wirklich dunkel. Und eng. Sehr eng. Als dann vor uns ein Pärchen stehenbleibt und ein Photo schießt, was gefühlte drei Stunden dauert, bekomme ich doch kurz Schnappatmung.

Aber: nach ein paar weiteren engen Metern haben wir es alle in einen größeren Raum geschafft. Hier plätschert glasklares Wasser in ein großes Becken. Nach dieser klaustrophobischen Einlage bin ich dann doch auch wieder froh, dass der zweite Teil der Führung über der Erde stattfindet.
Bonus-Gänsehaut über der Erde: Archäologen suchten jahrelang nach Spuren eines großen römischen Theaters in Neapel. Außen an den Häusern fanden sie keine Hinweise, also haben sie begonnen in private Wohnungen zu gehen. Wir folgen unserem jungen Führer durch ein paar Altstadtgassen und betreten ein normales Wohnhaus. In dieser Wohnung hatte eine ältere Dame gelebt. Die dicken Säulen dort machten die Archäologen stutzig und sie kauften die Wohnung der Dame ab. Unter ihrem Bett entdeckten sie daraufhin eine Luke im Boden, die zu ihrem Weinkeller führte. Hier offenbarte sich ein breiter Gang und mehrere Räume mit feinsäuberlich geschichteten schmalen römischen Ziegelsteinen. Das war der Bereich hinter der Bühne – das Teatro Romano di Napoli war entdeckt! Ja, Neapel ist schon irgendwie verrückt.

Fazit zu Neapel in 3 Tagen
Ein Wochenende voll gelebter Geschichte – mit noch so viel mehr zu sehen und zu erleben, wie etwa der verhüllte Christus in der Cappella Sansevero, die Maradona-Gedächtnisstätte im Quartieri Spagnoli, oder ein Spritz für 2,50 Euro auf der Piazza San Domenico Maggiore.
Und wenn ich dann auch noch an die Umgebung denke: den Vesuv, die verschüttete Stadt Pompeij, oder die bezaubernde Insel Capri…Napoli – wir kommen sicher wieder!
