Ab dem 1. Oktober 2026 führt Kroatien Ankerpreise ein. D.h. Händler und Gaststätten in Kroatien müssen historische Vergleichspreise offen zeigen. Wer dagegen verstößt, muss mit Strafen von bis zu 30.000 Euro rechnen.
Was kommt auf Käufer und Gäste zu?
Ab dem 1. Oktober 2026 wird beim Einkauf oder im Restaurant ein ungewohntes Bild sichtbar: Neben dem aktuellen Preis eines Produkts oder einer Dienstleistung muss künftig auch der sogenannte Ankerpreis klar erkennbar sein. Dabei handelt es sich um den Preis, der für das jeweilige Angebot am 10. September 2026 galt.
Diese Maßnahme gehört zum XI. Maßnahmenpaket der kroatischen Regierung zum Schutz von Haushalten und Wirtschaft vor Preissteigerungen. Wirtschaftsminister Ante Šušnjar begründet sie so: Die Verbraucher sollen besser erkennen können, wer wann Preise verändert hat – nach oben oder nach unten.
Ankerpreise gültig ab Oktober – wer ist betroffen?
Nach Angaben der Kroatischen Handwerkskammer (HOK) betrifft die neue Auszeichnungspflicht alle Einzelhändler sowie sämtliche Dienstleister mit direktem Kundenkontakt. Konkret sind betroffen:
- Gastronomiebetriebe, Cafés und Bars
- Friseure und Kosmetikstudios
- Kfz-Werkstätten und andere Handwerksbetriebe
- Der gesamte stationäre Einzelhandel
Der Ankerpreis muss nicht nur am Verkaufsort oder auf der Speisekarte deutlich lesbar sein, sondern auch in Werbeflyern, Plakaten, in digitaler Werbung und auf der Website.
Für Güter des täglichen Bedarfs, die bereits früher unter Transparenzregelungen fielen – etwa Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Reinigungsmittel und Haushaltswaren – bleibt der Referenzpreis vom 2. Mai 2025 maßgeblich.
Bis zu vier Preise auf einem Etikett – Ärger im Supermarkt droht
Bei Rabatten wird es kompliziert: Auf dem Etikett können bis zu vier Preisangaben stehen:
- der aktuelle Aktionspreis,
- der reguläre Verkaufspreis,
- der niedrigste Preis der vergangenen 30 Tage,
- der neue Ankerpreis
Diese Vielzahl von Zahlen könnte die Übersichtlichkeit für Verbraucher beeinträchtigen.
Reagiert Kroatien auf die Debatte über Kostenexplosionen?
Hinter der strengen Regelung steht die anhaltende Diskussion um steigende Lebenshaltungskosten und Tourismuspreise. Laut dem kroatischen Statistikamt (DZS) stiegen die Preise im Gastgewerbe zwischen 2015 und 2024 um rund 70 Prozent – ein Trend, der Reisende verunsichert, während andere die Restaurantpreise in Kroatien verteidigen. Besonders an den Kroatischen Adriaküsten führten Rechnungen immer wieder zu Debatten darüber, ob Lokale für Urlauber noch bezahlbar sind. Gleichzeitig verzeichnete das Land zeitweise deutlich schnellere Preissteigerungen als viele andere EU-Staaten.
Strenger Digital-Zwang und heftige Kritik aus dem Handwerk
Zusätzlich sorgt eine technische Vorgabe für Unmut: Betreiber einer eigenen Webseite müssen Preislisten im maschinenlesbaren XML- oder CSV-Format veröffentlichen. Übliche Formate wie PDF, Word oder Excel sind nicht erlaubt. Produktlisten müssen täglich bis 8:00 Uhr aktualisiert werden, Preise für Dienstleistungen bei jeder Änderung. Historische Versionen müssen 30 Tage öffentlich verfügbar bleiben.
Die HOK fordert die sofortige Rücknahme der Verordnungen. Đurđica Mostarčić, Leiterin der Buchhaltungsabteilung der HOK, nannte im Radio-Statement HRT die Zeitknappheit enorme Hürde: „Es blieb kaum Zeit für die Umsetzung.“
HOK-Präsident Dalibor Kratohvil betonte, dass am 17. November 2026 – also nur 47 Tage später – weitere Anforderungen aus dem novellierten Verbraucherschutzgesetz greifen. Gewerbetreibende dürften nicht gezwungen werden, Systeme in so kurzer Zeit doppelt umzustellen.
Strafandrohungen bei Nichteinhaltung
Die Regierung insistiert auf strenger Einhaltung der Vorgaben. Wer gegen die Auszeichnungspflicht oder die digitale Datenbereitstellung verstößt, muss mit ordentlichen Bußgeldern rechnen: Bis zu 30.000 Euro werden für juristische Personen (Ketten, GmbHs) fällig und zu 20.000 Euro für Einzelunternehmer.
Quelle: merkur.de
