Die Insolvenz der Berliner Revo Hospitality Group sorgt für Unruhe in der deutschen und österreichischen Hotellandschaft. Der von Unternehmer Ruslan Husry gegründete Konzern hat für rund 140 seiner Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.
Revo zählt zu den größten Hotelbetreibern Europas und führt Häuser unter bekannten Markennamen wie Accor, Hyatt, Hilton, Marriott, Radisson oder Mövenpick. Erst im Februar 2025 hatte das Unternehmen die H-Hotels gekauft, zu der auch die Marke Hyperion zählt. Insgesamt gehören rund 250 Hotels in mehr als 130 europäischen Städten zur Gruppe.
Trotz der finanziellen Schieflage soll der Hotelbetrieb vorerst weiterlaufen. Nach Angaben des Unternehmens bleiben alle rund 5.500 Mitarbeitenden an Bord. Auch ein vollständiges Aus des Konzerns gilt derzeit als unwahrscheinlich.
Kostenexplosion und rasantes Wachstum als Belastung
Als Hauptgründe für die Insolvenz nennt Revo die angespannte Wirtschaftslage sowie deutlich gestiegene Kosten. Vor allem höhere Löhne und Mindestlöhne, aber auch steigende Ausgaben für Mieten, Energie und Lebensmittel hätten das Geschäft stark belastet.
Zudem hatte der Konzern in den vergangenen Jahren einen äußerst ambitionierten Expansionskurs verfolgt. Seit 2020 wuchs die Zahl der Hotels von 51 auf rund 250. Zahlreiche Zukäufe – zuletzt unter anderem mehr als 60 Häuser der H-Gruppe – führten laut Revo zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen. Zwar setzte der Konzern zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro um, doch blieben Übernachtungszahlen und Umsatzerwartungen hinter den Planungen zurück. Branchenbeobachter sprechen von einem „Beben für die deutsche Hospitality-Wirtschaft“.
Sanierung in Eigenverwaltung geplant
Im Rahmen der Eigenverwaltung bleibt das bisherige Management im Amt, wird jedoch von externen Sanierungsexperten und einem gerichtlich bestellten Sachwalter begleitet. Die Verantwortlichen zeigen sich zuversichtlich, den Konzern zu stabilisieren und neue Investoren zu gewinnen. Spätestens bis zum Sommer soll die Talsohle durchschritten sein. Die Gehälter der Beschäftigten sind nach Angaben der Sanierer durch eine Vorfinanzierung der Agentur für Arbeit bis einschließlich März 2026 gesichert.
Blick nach vorn – und was die Insolvenz für Reisende bedeutet
Trotz der aktuellen Krise sehen Branchenkenner Chancen für eine Fortführung der Hotelbetriebe. Das Interesse von Investoren am deutschen Hotelmarkt hat zuletzt wieder zugenommen. Ob Revo langfristig in seiner bisherigen Form bestehen bleibt, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.
Für Hotelgäste ist vor allem wichtig: Die Insolvenz betrifft den Betreiber, nicht die internationalen Hotelmarken selbst. Marken wie Accor, Hilton oder Marriott sind rechtlich eigenständige Konzerne und nicht Teil des Insolvenzverfahrens. Reisende, die im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sind üblicherweise über den Reiseveranstalter abgesichert. Bei Direktbuchungen empfiehlt es sich, Buchungsunterlagen und Zahlungsarten zu prüfen und bei Unsicherheiten direkt Kontakt mit dem Hotel aufzunehmen.
Quelle: tagesspiegel.de
