Ein historischer Einschnitt im Postwesen
Dänemark hat zum Ende des Jahres 2025 einen bedeutenden Wandel in der Kommunikationsgeschichte abgeschlossen: Der staatliche Postdienst PostNord hat die Zustellung von Briefen eingestellt, nachdem der letzte offizielle Brief am 30. Dezember 2025 ausgeliefert wurde. Damit endet eine rund 400-jährige Tradition staatlicher Postzustellung, die seit dem 17. Jahrhundert bestand.
Die Entscheidung ist Teil eines strategischen Wandels des Unternehmens, das sich künftig vollständig auf das wachsende Paketgeschäft konzentrieren möchte. PostNord erklärt, dass die Nachfrage nach klassischer Briefpost kontinuierlich eingebrochen sei – ein Ergebnis der fortschreitenden Digitalisierung der dänischen Gesellschaft und der Nutzung digitaler Kommunikationskanäle.
Dramatischer Rückgang der Briefpost und Digitalisierung
Die Menge der per Post versendeten Briefe in Dänemark ist im letzten Vierteljahrhundert drastisch gesunken. Offiziellen Angaben zufolge hat das Briefvolumen seit dem Jahr 2000 um mehr als 90 % abgenommen, da immer mehr Menschen auf E-Mail, Messaging-Apps oder digitale Behördenpost umgestiegen sind.
In Dänemark, das international zu den führenden Ländern in Sachen digitale Infrastruktur zählt, sind beispielsweise viele Amtswege bereits weitgehend digitalisiert. Die Bevölkerung nutzt Online-Plattformen für behördliche Kommunikation, während private Korrespondenz oft durch digitale Nachrichten ersetzt wird. Dieses Kommunikationsverhalten hat den traditionellen Postverkehr nahezu obsolet gemacht.
Abschied von Postkästen und Symbolen des Postwesens
Ein sichtbares Zeichen des Wandels war der sukzessive Abbau der ikonischen roten Postkästen. Ab 1. Juni 2025 begann PostNord damit, die rund 1.500 Briefkästen im ganzen Land zu entfernen. Bis zum Jahresende waren sie vollständig aus dem Stadtbild verschwunden. Einige der Kästen wurden für wohltätige Zwecke versteigert oder sollen künftig in Museen zu sehen sein – als kulturelle Erinnerung an eine vergangene Epoche.
Parallel dazu wurde der Verkauf von Briefmarken bereits im Dezember eingestellt, und bis Mitte Dezember war der letzte Termin zur Abgabe von Briefpost markiert worden. PostNord kündigte zudem an, ungenutzte Postetiketten aus 2024 und 2025 im Jahr 2026 in einem begrenzten Zeitraum zurückzuerstatten.
Auswirkungen auf Jobs und alternative Dienste
Der Wegfall der Briefzustellung hat auch personelle Konsequenzen: Schätzungsweise 1.500 Arbeitsplätze im dänischen Postsektor sind betroffen. PostNord will allerdings auf das boomende Paketgeschäft setzen und dort seine Kräfte bündeln, da der Onlinehandel weiter stark wächst.
Zugleich entstehen neue Angebote von privaten Zustellern. So kündigte der dänische Logistikdienstleister DAO an, die Lieferung von Briefpost künftig zu übernehmen. Briefe müssen bei DAO nun an zentralen Abgabestellen, etwa Kiosken oder Shops, aufgegeben werden, von wo sie dann abgeholt und zugestellt werden. Diese Entwicklung sichert trotz Ausstieg des Staatsunternehmens weiterhin eine physische Briefoption für Bürgerinnen und Bürger – allerdings in einem neuen, kostenpflichtigen Format.
Gesellschaftliche Reaktionen und Nostalgie
Während der Schritt von vielen als logische Folge der Digitalisierung akzeptiert wird, regt er auch nostalgische Erinnerungen an die traditionelle Briefkommunikation. Projekte wie das Sammeln der „letzten Briefe“ durch Künstler veranschaulichen die emotionale Bedeutung, die handschriftlichen Botschaften in der Kultur bis heute zukommt.
Insbesondere ältere Bevölkerungsgruppen, die weniger digitalaffin sind, stehen vor Herausforderungen, wenn sämtliche staatliche Dienste und private Anbieter vollständig auf digitale Kommunikationsformen setzen. Dänemark will jedoch auch weiterhin sicherstellen, dass postalische Grunddienste – etwa für Behördenpost oder bestimmte Ausnahmen – gewährleistet bleiben.
Fazit: Ende einer Ära – Start einer neuen postalischen Zukunft
Das Aus für die klassische Briefzustellung ist ein historischer Einschnitt, der Dänemark als Vorreiter im digitalen Fortschritt positioniert. Die Entscheidung reflektiert tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen: Menschen kommunizieren zunehmend über digitale Kanäle, und wirtschaftliche Realitäten machen den traditionellen Postdienst zunehmend unrentabel. Während die klassischen roten Briefkästen aus dem Alltag verschwinden, wächst das Paketgeschäft weiter – und mit ihm eine neue Form der Logistik, die den veränderten Bedürfnissen einer digitalisierten Gesellschaft gerecht wird.
Quelle: wiwo.de
