Sydney hat einen zweiten Flughafen: Der Western Sydney International ist eröffnet, das Flugangebot zunächst jedoch begrenzt. Auch die Fahrt ins Stadtzentrum ist umständlicher als vom bisherigen Airport.
Am Sonntag, 25. Oktober 2026, startete kurz nach 11 Uhr der erste Passagierflug vom neuen Western Sydney International Airport. Der Jetstar-Flug JQ362 flog zur Gold Coast. Der Flughafen trägt den Namen der australischen Flugpionierin Nancy Bird-Walton. Am Montag folgte mit Air New Zealand die erste internationale Verbindung nach Auckland.
Nach jahrzehntelangen Debatten verfügt Sydney damit über einen zweiten Flughafen. Reisende müssen sich zunächst jedoch auf Einschränkungen einstellen: Der Flugplan ist klein, und eine direkte Metroverbindung ins Zentrum fehlt noch. Langfristig könnte sich das rund sechs Milliarden australische Dollar teure Projekt dennoch lohnen.
Australiens erster neuer Flughafen seit 50 Jahren
Seit mehr als 50 Jahren ist der Western Sydney International der erste neue Flughafen Australiens. Ob Sydney einen zweiten Airport benötigt, wird bereits seit 1946 diskutiert. 2014 fiel die Entscheidung für Badgerys Creek im Westen der Fünf-Millionen-Stadt, 2018 begannen die Bauarbeiten. Die Umsetzung dauerte anschließend sieben Jahre. Zum Vergleich: Der Bau des Berliner Flughafens BER nahm 14 Jahre in Anspruch. Die Kosten belaufen sich auf rund 3,75 Milliarden Euro.
Welche Airlines fliegen den neuen Sydney Airport an?
Zum Start bleibt der Flugplan überschaubar. Nach Angaben von „Bloomberg“ und dem Datenanbieter Cirium sind im ersten Jahr durchschnittlich höchstens sechs Flüge pro Tag vorgesehen. Qantas plant ab März kaum mehr als einen Inlandsflug täglich, während Virgin Australia bislang keine Verbindungen angekündigt hat.
Wichtigster Kunde ist Jetstar, eine Tochtergesellschaft von Qantas. Außerdem fliegen Air New Zealand, Vietjet, Fiji Airways und Singapore Airlines den Flughafen an. Qatar Airways soll im kommenden Jahr folgen. Geplant sind Direktflüge nach Auckland, Singapur, Ho-Chi-Minh-Stadt und Nadi; einige Verbindungen starten allerdings erst nach dem 1. Dezember. Flughafenchef Simon Hickey zufolge sollen innerhalb der ersten 14 Monate mehr als 250 Ziele erreichbar sein.
Der Zeitpunkt für die Eröffnung ist schwierig: Der Krieg im Iran verteuert Treibstoff und Tickets, während Qantas seine Inlandskapazitäten eher reduziert. Der Luftfahrtexperte Rico Merkert hält die Zurückhaltung der Airlines für nachvollziehbar. Kurzfristig rechnet er nicht mit schwarzen Zahlen, langfristig sieht er jedoch gute Chancen. Vor allem das Wachstum im Westen Sydneys könne die Nachfrage steigern. Dort leben viele Menschen mit südasiatischen Wurzeln, die Familien besuchen oder Gäste aus ihren Herkunftsländern empfangen. In zehn Jahren könnte die Region nach Einschätzung Merkerts ähnlich wie London zwei Flughäfen tragen.
Warum der Flughafen rund um die Uhr geöffnet ist
Ein wichtiger Vorteil des neuen Standorts ist der durchgehende Flugbetrieb. Am bisherigen Flughafen in Mascot gilt zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner ein striktes Nachtflugverbot. In Badgerys Creek darf dagegen rund um die Uhr geflogen werden, was den Airport besonders für den Frachtverkehr attraktiv macht.
Fachleute bleiben dennoch skeptisch. Joseph Cheer, Professor für nachhaltigen Tourismus an der Western Sydney University, verweist auf den Flughafen Avalon in Melbourne, der sein Potenzial bisher nicht ausgeschöpft habe. Auch in Western Sydney dürfte es anfangs schwierig sein, weitere Airlines zu gewinnen.
Das Terminal fällt durch seine Architektur auf. Es wurde von ZHA, dem früheren Büro der Architektin Zaha Hadid, und Cox Architecture entworfen. Die beiden Büros gewannen 2019 den Wettbewerb und entwickelten den Entwurf gemeinsam mit dem indigenen Volk der Dharug. Die geschwungene Dachkonstruktion nimmt Formen und Lichtstimmungen der Umgebung auf. Terrakotta, Holz und dunkles Grün greifen die Farben der Cumberland-Ebene auf.
Digitaler Tower: Wie sicher ist der neue Flughafen Sydney?
Der Flughafen besitzt keinen klassischen Kontrollturm. Stattdessen übertragen 25 Kameras an den Start- und Landebahnen ihre Bilder in ein 17 Kilometer entferntes Kontrollzentrum in Eastern Creek.
Das System steht jedoch in der Kritik. Anonyme Quellen sagten dem „Sydney Morning Herald“, die Bildqualität sei unzureichend. Die anfliegenden Flugzeuge wirkten auf den Bildschirmen „wie Mücken“.
Deshalb müssen Fluglotsinnen und Fluglotsen zwischen aufeinanderfolgenden Landungen einen Abstand von mindestens 15 nautischen Meilen, also etwa 28 Kilometern, einhalten. An Flughäfen mit klassischem Tower sind meist vier bis fünf nautische Meilen üblich. Dadurch können zwischen zwei Landungen rund sieben Minuten liegen, was die Flughafenkapazität deutlich reduziert.
Merkert hält digitale Kontrolltürme dennoch für sicher. In Schweden sind sie seit 2015 im Einsatz, am London City Airport seit 2021. „Das funktioniert gut und wird sich weltweit durchsetzen“, sagt er.
Wie erreichen Reisende vom neuen Flughafen Sydney die Innenstadt?
Für Passagierinnen und Passagiere wird die Anreise zunächst zur Herausforderung. Die geplante Metro, deren Kosten mit rund zwölf Milliarden australischen Dollar doppelt so hoch wie die des Flughafens liegen, wird laut Merkert frühestens Ende 2027, möglicherweise erst 2028 fertig.
Bis dahin fährt alle 30 Minuten ein kostenloser Shuttlebus zum Bahnhof Saint Marys. Von dort können Reisende mit dem Zug weiterfahren. Eine Busfahrt ins Stadtzentrum dauert etwa eine Stunde und kostet 55 Dollar, mehr als 34 Euro. Der bisherige Flughafen ist dagegen nur rund 20 Minuten von der Innenstadt entfernt.
Quelle: reisereporter.de
