Diese Woche gab Portugals Regierung bekannt: die Lufthansa ist bevorzugter Partner in der angestrebten Teil-Privatisierung der Airline TAP. Diese war in der Corona-Zeit verstaatlicht worden, was nun aber teilweise rückgängig gemacht werden soll. Die Lufthansa Group gewann den Bieter-Wettstreit gegen Konkurrent Air France-KLM.
Wieso sich Portugal für Lufthansa entschied
Bereits 2023 versuchte Portugal die Teilprivatisierung anzugehen, musste das aber wegen Regierungswechseln erst einmal auf Eis legen. Beim zweiten Versuch 2024/2025 meldeten sich als erste Interessenten die Lufthansa Group, Air France-KLM und IAG um British Airways und Iberia – letztere stieg aber ohne konkretes Angebot wieder aus. Die verbliebenen Luftfahrtkonzerne gaben laut Portugals Regierung gleichwertige Angebote ab, besserten auf Geheiß nach und schlussendlich gewann die Lufthansa Group.
Die Gründe: Hinter dem Lufthansa-Angebot stand mehr Kaufkraft und weniger Unsicherheit für die Zukunft der Airline TAP. Für 44,9 Prozent Konzernanteile bezahlt Lufthansa nun 1,2 Milliarden Euro. Darüber hinaus will das Luftfahrtunternehmen in Portugal eine eigene Reparatur- und Wartungsanlage bauen, eine eigene Flugschule errichten und weitere Investitionen tätigen.
Was sich durch die Übernahme für Lufthansa ändert
Mit dem Einstieg bei TAP bekommt die Lufthansa begehrten Zugang zum südamerikanischen Markt. Bisher spielte sie dort keine besonders bedeutende Rolle hinter den Konkurrenten wie IAG, Air France-KLM, Latam oder auch TAP – was sich nun ändern wird. Außerdem bekommt die Lufthansa mit Lissabon und Porto zwei Drehkreuze im Süden, die gerade bei den Verbindungen nach Südamerika eine wichtige Rolle spielen werden. Bisher mussten Lufthansa-Gäste aus Frankreich, Spanien und Portugal mit Rabatten zum Umstieg in den Drehkreuzen Frankfurt, Zürich oder München gelockt werden. Durch abgestimmte Flugpläne, gemeinsamen Einkauf, Technik und Fracht haben TAP und die Lufthansa Group deutliche Vorteile.
Wie es nach dem Ja von Portugal nun weitergeht
Dass Portugals Regierung grünes Licht gab und auch TAP den Schritt begrüßt, heißt noch nicht, dass der Lufthansa-Einstieg fix beschlossene Sache ist. Nun sind die europäischen Wettbewerbshüter am Zug und müssen kartellrechtlich prüfen. Lufthansa rechnet dort mit relativ wenig Gegenwind und gibt weitere Einblicke in die mögliche Zukunft. Ist bisher offiziell nur von 44,9 Prozent der Anteile die Rede (Portugals Regierung hält somit noch die Mehrheit), hat der deutsche Luftfahrtkonzern bereits Interesse und Angebote für eine komplette Übernahme signalisiert und mitgeteilt.
Portugals Regierung hatte zuvor schon erklärt, dass der künftige Anteilseigner bereits 2026 in der operativen Führung mitreden könne. Aus rechtlichen Gründen, warnen Experten, sei dies jedoch nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich, solange die europäischen Behörden das Verfahren prüfen. Dessen Abschluss und somit Lufthansas fixer Einstieg wird erst für 2028 erwartet.
Quellen: aerotelegraph.com / tagesschau.de / touristik-aktuell.de
