Schwierige Ausgangslage für die Skisaison 2026/27
Steigende Kosten, unsichere Schneeverhältnisse und der Klimawandel setzen vor allem kleinere und tiefer gelegene Skigebiete unter Druck. Ein aktueller Bericht von Legambiente zeigt, wie groß die Veränderungen inzwischen sind: Auf den italienischen Alpen und im Apennin wurden 273 aufgegebene Skianlagen erfasst. Besonders betroffen ist das Piemont.
Skigebiete in Norditalien kämpfen mit steigenden Kosten
Für viele Wintersportorte geht es längst nicht mehr nur um die Frage, ob in diesem Winter genügend Schnee fällt. Entscheidend ist zunehmend, ob sich der Skibetrieb wirtschaftlich noch lohnt. Energie, Wartung, Personal und technische Infrastruktur werden teurer. Gleichzeitig wird natürlicher Schnee in vielen Regionen unzuverlässiger.
Auch große Skiverbünde müssen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren. Dolomiti Superski hat für die Saison 2026/27 seine Preise angepasst. Als Gründe werden unter anderem Inflation, Energiepreise, Rohstoffe, Dienstleistungen und die Wartung der Anlagen genannt. In der Hochsaison kostet der Dolomiti-Superski-Tagespass für Erwachsene inzwischen bis zu 89 Euro.
Klimawandel trifft Skigebiete in niedrigeren Lagen
Trotz steigender Kosten wird weiter investiert. Neue Aufstiegsanlagen, Pisten, Verbindungen und Beschneiung sollen die Wettbewerbsfähigkeit der großen Skigebiete sichern. Für die Betreiber entsteht damit jedoch ein schwieriger Spagat.
Denn dort, wo Naturschnee ausbleibt, müssen technische Beschneiungsanlagen einspringen. Das verursacht zusätzliche Kosten und erhöht den Bedarf an Energie und Wasser. Besonders gefährdet gelten deshalb Skigebiete in niedrigeren Höhenlagen. Für Anlagen zwischen etwa 1.000 und 1.500 Metern wird die langfristige wirtschaftliche Perspektive zunehmend schwieriger.
Reinswald setzt auf dynamische Skipasspreise
Ein ungewöhnliches Modell gibt es im Südtiroler Skigebiet Reinswald. Dort wurde erstmals ein dynamisches Preissystem für Skipässe eingeführt. Der Preis der Tageskarte richtet sich unter anderem nach der erwarteten Auslastung und den Wetterbedingungen. Er bewegt sich zwischen 37,50 und 54 Euro. Damit soll die Nachfrage besser über die Woche verteilt werden. Gleichzeitig möchte das Skigebiet mit attraktiveren Preisen zusätzliche Gäste gewinnen. Reinswald setzt auch langfristig auf Dynamic Pricing und möchte damit Besucherströme besser steuern und die Wirtschaftlichkeit verbessern.
273 Skianlagen in Italien bereits aufgegeben
Wie groß der Anpassungsdruck inzwischen ist, zeigt der Bericht „Nevediversa 2026“ von Legambiente. Die Umweltorganisation hat auf den Alpen und im Apennin 273 aufgegebene Skianlagen erfasst. Hinzu kommen 247 sogenannte „edifici sospesi“ – darunter Hotels, Ferienanlagen, touristische Unterkünfte sowie ehemalige militärische oder industrielle Einrichtungen, die aufgegeben oder nur noch eingeschränkt genutzt werden.
Besonders stark betroffen ist das Piemont. Dort wurden 76 aufgegebene Skianlagen registriert, gefolgt von der Lombardei mit 51. Gleichzeitig nennt Legambiente 231 Anlagen, die nach Einschätzung der Organisation nur dank finanzieller Unterstützung weiterbetrieben werden können. Italienweit wurden zudem 169 Speicherbecken für künstliche Beschneiung erfasst.
Skiurlaub in Italien verändert sich
Viele Betreiber suchen deshalb nach Möglichkeiten, unabhängiger vom klassischen Wintersport zu werden. Skigebiete integrieren zunehmend zusätzliche Freizeitangebote wie Rodelbahnen, Tubingstrecken und andere Attraktionen.
Legambiente erfasste 2026 erstmals 28 solcher „Luna Parks der Berge“. Die Organisation betrachtet diese Entwicklung allerdings kritisch und verweist auf mögliche Auswirkungen auf die Berglandschaft.
Für den Skiurlaub in Italien bedeutet die Entwicklung einen tiefgreifenden Wandel. Während große Skigebiete weiter in Infrastruktur und Beschneiung investieren, kämpfen kleinere Wintersportorte mit steigenden Kosten und unsicheren Schneeverhältnissen. Die Zukunft des italienischen Skitourismus dürfte deshalb zunehmend davon abhängen, welche Regionen sich an die veränderten Bedingungen anpassen können – und wie stark sie ihr Angebot über das klassische Skifahren hinaus erweitern.
Quelle: morgenpost.de
