Abschalten statt ständig erreichbar sein
Smartphone, soziale Netzwerke, Streaming und Nachrichten begleiten viele Menschen inzwischen durch den gesamten Alltag. Im Urlaub wächst jedoch offenbar der Wunsch, zumindest zeitweise aus diesem digitalen Dauerbetrieb auszusteigen. Eine aktuelle Untersuchung des Digitalverbands Bitkom zeigt: 22 Prozent der Menschen, die in diesem Jahr einen Sommerurlaub geplant haben, wollten während ihrer Reise bewusst auf private digitale Geräte oder Anwendungen verzichten, und somit digital Detox betreiben.
Für die geplante Auszeit gibt es unterschiedliche Gründe. Manche Urlauber möchten das Smartphone für einige Stunden oder Tage beiseitelegen, andere wollen bewusst weniger Zeit in sozialen Netzwerken verbringen. Auch Streamingdienste und andere digitale Angebote können Teil der persönlichen Offline-Pause sein. Bitkom bezeichnet diesen zeitlich begrenzten Verzicht als „Digital Detox“.
Für die meisten reicht ein Tag ohne Handy
Der Wunsch nach einer digitalen Pause bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass das Smartphone für den gesamten Urlaub im Hotelzimmer bleibt. Bei den meisten Reisenden fällt der geplante Verzicht vergleichsweise kurz aus.
13 Prozent der befragten Sommerurlauber wollen nach eigenen Angaben lediglich einen Tag lang auf private digitale Angebote verzichten. Weitere 5 Prozent planen eine mehrtägige Pause. Für 3 Prozent kommt eine komplette Woche ohne entsprechende Geräte oder Anwendungen infrage. Mehr als sieben Tage möchten dagegen nur 1 Prozent digital kürzertreten. Im Durchschnitt soll die Auszeit knapp drei Tage dauern.
Damit zeigt sich ein interessantes Spannungsfeld: Der Wunsch, im Urlaub weniger online zu sein, ist durchaus verbreitet – der vollständige Rückzug aus der digitalen Welt bleibt jedoch für die meisten eine überschaubare Pause.
Generationen setzen unterschiedliche Prioritäten
Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den jüngeren Urlaubern zwischen 16 und 29 Jahren planen lediglich 17 Prozent eine digitale Auszeit. Ihre geplante Pause dauert im Durchschnitt etwa zwei Tage.
Bei Reisenden ab 65 Jahren sieht das anders aus. In dieser Altersgruppe möchten 32 Prozent während ihres Sommerurlaubs bewusst auf private digitale Geräte oder Anwendungen verzichten. Im Schnitt sind dafür rund drei Tage vorgesehen. Zwischen Männern und Frauen fällt der Unterschied dagegen gering aus: 22 Prozent der männlichen und 23 Prozent der weiblichen Sommerurlauber planen einen Digital Detox.
Urlaub wird zum Gegenpol des digitalen Alltags
Die Bitkom-Ergebnisse passen zu einem größeren Trend, den auch der European Travel Trend Report 2026 der DERTOUR Group beschreibt. Demnach betrachten viele europäische Reisende ihren Urlaub zunehmend als Möglichkeit, Abstand von digitalen Ablenkungen und sozialen Medien zu gewinnen.
In der europäischen Untersuchung stimmen 75,8 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Reisen eine Gelegenheit sein kann, sich aus dem digitalen Dauerbetrieb zurückzuziehen. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei den 25- bis 44-Jährigen. Gleichzeitig spielt die Inszenierung des Urlaubs für soziale Netzwerke eine vergleichsweise geringe Rolle: Nur 7 Prozent legen Wert darauf, im Urlaub möglichst Instagram-taugliche Momente zu erleben.
Entspannung statt volles Programm
Der Wunsch nach weniger Bildschirmzeit steht dabei offenbar nicht isoliert da. Der DERTOUR-Report zeigt insgesamt eine starke Nachfrage nach Erholung und Entschleunigung. Für 57,2 Prozent der europäischen Befragten gehört Ausruhen und Erholen zu den wichtigsten Reisemotiven. 34,2 Prozent nennen zudem das eigene mentale Wohlbefinden als Grund für eine Reise.
Auch bei der Gestaltung des Urlaubs zeigt sich der Wunsch nach weniger Programm. 34,4 Prozent legen besonderen Wert auf einfache Entspannung ohne festgelegte Aktivitäten. Naturerlebnisse wie Wanderungen oder andere Aufenthalte im Freien folgen mit 23,2 Prozent.
Das Smartphone bleibt trotzdem Teil des Urlaubs
Ein kompletter digitaler Rückzug ist damit keineswegs der neue Standard. Vielmehr deutet die Entwicklung auf einen bewussteren Umgang mit digitalen Angeboten hin. Reisende entscheiden zunehmend selbst, wann sie erreichbar sein möchten – und wann nicht.
Ein Digital Detox muss deshalb nicht bedeuten, das Smartphone für eine ganze Woche wegzuschließen. Schon ein einzelner Tag ohne Social Media, Streaming und ständige Benachrichtigungen kann den Charakter eines Urlaubstages verändern. Statt Bildschirmzeit stehen dann andere Beschäftigungen im Mittelpunkt: ein Buch am Strand, ein Spaziergang, ein gemeinsames Essen oder einfach ein Nachmittag ohne festes Programm.
Für die Reisebranche eröffnet dieser Trend zugleich neue Möglichkeiten. Hotels und Destinationen können Rückzugsorte, Naturerlebnisse und analoge Aktivitäten stärker in den Mittelpunkt stellen. Der Urlaub wird damit nicht nur zur Reise an einen anderen Ort, sondern für viele Menschen auch zu einer bewussten Pause vom digitalen Alltag.
Quellen: bitkom.org, dertour-group.com
