Die Meyer Werft könnte schon bald einen neuen Mehrheitseigentümer bekommen. Die Schweizer Kreuzfahrtreederei MSC führt laut Bloomberg Gespräche mit dem Bund und dem Land Niedersachsen über die Übernahme ihrer gemeinsamen Beteiligung an der Papenburger Werft. Eine endgültige Vereinbarung gibt es bislang allerdings nicht.
MSC interessiert sich für 80 Prozent der Meyer Werft
Bund und Niedersachsen halten derzeit jeweils 40 Prozent an der Meyer Werft. Die übrigen rund 20 Prozent liegen weiterhin bei der Familie Meyer. MSC soll nun Interesse daran haben, das komplette staatliche Aktienpaket zu übernehmen und damit zum Mehrheitseigentümer des traditionsreichen Schiffbauers zu werden.
Die Gespräche befinden sich nach den vorliegenden Informationen noch in einer frühen Phase. Eine Entscheidung ist deshalb offen. Auch ein Abbruch der Verhandlungen kann derzeit nicht ausgeschlossen werden. Zudem könnten weitere Interessenten auftreten.
Meyer Werft wurde 2024 vom Staat gerettet
Die mögliche Übernahme kommt zu einem besonderen Zeitpunkt. Die Meyer Werft war 2024 in eine schwere wirtschaftliche Krise geraten. Bund und Land Niedersachsen stiegen daraufhin mit insgesamt 400 Millionen Euro Eigenkapital ein. Zusätzlich wurde ein Kreditrahmen von 2,6 Milliarden Euro abgesichert. Ziel war es, die traditionsreiche Werft und damit zahlreiche Arbeitsplätze am Standort Papenburg zu sichern.
Seitdem läuft ein umfassendes Sanierungsprogramm. Die Werft soll schrittweise wieder wirtschaftlich stabil aufgestellt werden. Der neue Meyer-Werft-Chef André Walter erklärte erst kürzlich, dass der Sanierungsplan bis 2028 aus seiner Sicht realistisch sei und die Werft teilweise sogar vor dem vorgesehenen Zeitplan liege.
MSC ist bereits ein wichtiger Auftraggeber
Für die möglichen Übernahmepläne spielt auch die bestehende Geschäftsbeziehung zwischen MSC und der Meyer Werft eine wichtige Rolle. Ende 2025 vereinbarten beide Seiten grundsätzlich einen Großauftrag für vier neue Kreuzfahrtschiffe sowie zwei weitere Optionen. Das mögliche Auftragsvolumen wurde mit bis zu zehn Milliarden Euro angegeben. Die Schiffe sollen ab 2030 ausgeliefert werden und der Werft über Jahre hinweg eine hohe Auslastung sichern.
Die endgültigen Verträge waren allerdings auch im Sommer 2026 noch nicht unterschrieben. Nach Angaben von Meyer Werft und MSC liefen die Verhandlungen über das umfangreiche Vertragswerk weiter. Beide Unternehmen erklärten im Juni, man befinde sich in einer fortgeschrittenen Phase und rechne mit einem erfolgreichen Abschluss.
Übernahme würde MSC direkten Zugriff auf Werftkapazitäten geben
Ein Einstieg bei der Meyer Werft wäre für MSC strategisch von großer Bedeutung. Die Reederei könnte sich dadurch langfristig zusätzliche Kapazitäten für den Bau eigener Kreuzfahrtschiffe sichern. Gleichzeitig würde MSC vom Auftraggeber zum Eigentümer einer der bekanntesten europäischen Werften für große Kreuzfahrtschiffe werden.
Für die Meyer Werft könnte ein finanzstarker Eigentümer ebenfalls eine neue Perspektive eröffnen. Die Werft hätte mit MSC einen großen Kunden unmittelbar im eigenen Eigentümerkreis. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie andere Reedereien auf eine solche Eigentümerstruktur reagieren würden. Die Meyer Werft baut unter anderem auch Schiffe für andere internationale Kreuzfahrtunternehmen.
Bund und Niedersachsen könnten aussteigen
Für Bund und Land würde ein Verkauf grundsätzlich dem Ziel entsprechen, das bereits beim Einstieg 2024 formuliert wurde: Die staatliche Beteiligung soll nicht dauerhaft bestehen bleiben, sondern nach einer erfolgreichen Stabilisierung wieder beendet werden. Allerdings hatte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies noch Ende 2025 betont, dass es keinen Zeitdruck für einen Ausstieg gebe. Die Werft befinde sich weiterhin in der Sanierungsphase.
Ob MSC tatsächlich den Staatsanteil an der Meyer Werft übernimmt, bleibt deshalb zunächst offen. Fest steht lediglich, dass die Gespräche laufen. Sollte es zu einem Verkauf kommen, würde die mehr als 230 Jahre alte Werft wieder weitgehend in private Hand wechseln.
Quelle: schiffe-und-kreuzfahrten.de
