Der europäische Luftverkehr hat im Sommer 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Gleichzeitig sind die Verspätungen im europäischen Flugverkehr deutlich zurückgegangen. Das geht aus der aktuellen Sommerbilanz der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol hervor. Trotz eines gestiegenen Verkehrsaufkommens konnte die Zahl der durch die Verkehrsflussregelung verursachten Verzögerungen reduziert werden.
Neuer Rekord bei den täglichen Flügen
Zwischen Juni und August wurden in Europa durchschnittlich 35.959 Flüge pro Tag registriert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 2,4 Prozent. Besonders stark zeigte sich der 10. Juli: Mit 37.640 Flügen erreichte das europäische Luftverkehrsnetz laut Eurocontrol den bislang höchsten Tageswert seiner Geschichte.
Insgesamt wurden während des Sommers 66 Tagesrekorde registriert. Betroffen waren unter anderem 14 Staaten, 24 Kontrollzentralen, 16 Flughäfen sowie elf Fluggesellschaften beziehungsweise Airline-Gruppen.
Weniger Verspätungen trotz höherem Verkehrsaufkommen
Parallel zum Wachstum des Flugverkehrs entwickelte sich die Pünktlichkeit positiv. Die durch das Air Traffic Flow Management (ATFM) verursachten Verspätungen gingen im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zurück. Im Durchschnitt entfielen noch 3,3 Minuten Verspätung auf einen Flug.
Auch die Ankunftszeit war im Durchschnitt pünktlicher. Hier stieg der Anteil um 1,2 Prozentpunkte auf 72,6 Prozent. Insgesamt waren rund 681.000 Flüge von Verkehrsflussregelungen betroffen. Das entspricht durchschnittlich etwa 7.400 Flügen pro Tag beziehungsweise rund 21 Prozent des gesamten Verkehrs.
Flugsicherung bleibt zentrale Herausforderung
Trotz der verbesserten Bilanz bestehen weiterhin Engpässe im europäischen Luftraum. Besonders Kapazitäts- und Personalprobleme bei der Flugsicherung spielen eine wichtige Rolle. Nach Angaben von Eurocontrol entfielen 49 Prozent der Verspätungen im Streckennetz auf entsprechende Engpässe. Schwere Gewitter waren für weitere 43 Prozent verantwortlich.
Arbeitskämpfe machten dagegen lediglich einen kleinen Teil der Verzögerungen aus – nur rund ein Prozent der Verspätungen.
Eurocontrol verweist zudem auf Maßnahmen, mit denen sich die Auswirkungen von Wetter und begrenzten Kapazitäten reduzieren lassen. Durch die sogenannte „Capacity and Weather-Based Operations“ konnten im Sommer nach Angaben der Organisation rund 2,9 Millionen Minuten an Streckenverspätungen eingespart werden.
Frankreich besonders stark betroffen
Die Probleme bei der Flugsicherung waren regional unterschiedlich ausgeprägt. Besonders viele Verspätungen im Streckennetz wurden aus Frankreich gemeldet. Dort wirkten sich unter anderem Personalengpässe bei der Flugsicherung aus. Besonders betroffen waren die Kontrollzentralen Marseille, Reims und Brest.
Auch Spanien und Griechenland gehörten zu den Ländern mit vergleichsweise hohen Verspätungswerten. In Griechenland kamen zusätzlich Auswirkungen der Krise im Nahen Osten hinzu, die den Flugverkehr und die Verkehrsströme in der Region beeinflussten.
Nahost-Krise verändert Flugrouten in Europa
Die geopolitische Lage im Nahen Osten hatte laut Eurocontrol ebenfalls Auswirkungen auf die Verteilung des europäischen Flugverkehrs. Während die Zahl der Flüge unter anderem in Bulgarien, Ungarn, Rumänien und der Türkei zurückging, verzeichneten mehrere Länder in Südosteuropa steigende Verkehrsaufkommen.
Dazu gehörten Albanien, Kroatien, Zypern, Griechenland, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien. Auch im Südwesten Europas setzte sich das Wachstum des Flugverkehrs fort.
Vorbereitung auf den Sommer 2027 läuft
Nach dem Rekordsommer richtet Eurocontrol den Blick bereits auf die nächste Hochsaison. Die Erfahrungen aus den vergangenen Monaten sollen gemeinsam mit den beteiligten Akteuren ausgewertet werden, um das europäische Luftverkehrsnetz für den Sommer 2027 vorzubereiten.
Im Mittelpunkt stehen eine bessere Netzwerkplanung, verlässlichere Prognosen sowie ein optimiertes Management von Wetterlagen und verfügbaren Kapazitäten. Auch die Personalplanung in der Flugsicherung soll verbessert werden. Dazu gehören unter anderem die weitere Rekrutierung von Fluglotsinnen und Fluglotsen sowie eine bedarfsgerechtere Organisation der verfügbaren Sektoren.
Darüber hinaus soll die technische und digitale Modernisierung der Flugsicherung vorangetrieben werden. Neue Sektorisierungen und ein verstärkter Einsatz von Datalink-Technik sollen dazu beitragen, die Kapazitäten des europäischen Luftraums langfristig zu erhöhen.
Quelle: airliners.de
