Für viele Reisende könnten Bahntickets langfristig teurer werden. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das weitreichende Folgen für die Finanzierung des Schienenverkehrs in Deutschland hat. Die Richter erklärten die bisherige Trassenpreisbremse für den Schienenpersonennahverkehr für unvereinbar mit EU-Recht. In der Folge musste die bisherige Berechnung angepasst werden. Die Bundesnetzagentur genehmigte daraufhin neue Trassenentgelte – mit spürbaren Mehrkosten für den Regionalverkehr. Experten und Länder befürchten, dass sich diese Belastung langfristig auch auf die Preise von Bahntickets auswirken könnte.
Was hinter den Trassenpreisen steckt
Trassenpreise funktionieren ähnlich wie eine Schienenmaut: Eisenbahnunternehmen zahlen diese für die Nutzung des Schienennetzes an den Infrastrukturbetreiber. Bislang waren diese Entgelte für den Schienenpersonennahverkehr gedeckelt. Dadurch mussten Fern- und Güterverkehr im Vergleich einen größeren Anteil der Infrastrukturkosten tragen. Der EuGH entschied jedoch, dass diese Regelung gegen europäische Vorgaben verstößt, weil sie die Preisgestaltung zu stark einschränkte.
Regionalverkehr muss künftig deutlich mehr zahlen
Nach der Entscheidung des EuGH wurden die Trassenpreise neu berechnet und von der Bundesnetzagentur genehmigt. Die neuen Entgelte bedeuten für den Schienenpersonennahverkehr Mehrkosten von rund 400 Millionen Euro. Gleichzeitig werden Fern- und Güterverkehr in vergleichbarer Höhe entlastet.
Werden Bahntickets jetzt teurer?
Sollten Bund und Länder keinen finanziellen Ausgleich schaffen, ist es denkbar, dass die Mehrkosten an anderer Stelle aufgefangen werden müssen. Als mögliche Folgen werden steigende Preise für Bahntickets, weniger Zugverbindungen oder eine höhere Auslastung der Züge genannt. Auch die Finanzierung des Deutschlandtickets könnte dadurch zusätzlich unter Druck geraten.
Kritik aus Brandenburg
Besonders kritisch äußert sich Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach. Er bemängelt, dass ausgerechnet der Regionalverkehr stärker belastet werde, während Fern- und Güterverkehr entlastet würden. Aus seiner Sicht drohen ohne zusätzliche Unterstützung des Bundes Einschnitte beim Angebot oder höhere Fahrpreise. Deshalb fordert er, die Regionalisierungsmittel entsprechend aufzustocken. Zudem prüft Brandenburg rechtliche Schritte gegen die neuen Trassenpreis-Bescheide.
Wie es jetzt weitergeht
Fest steht: Das EuGH-Urteil hat die bisherige Preisregelung für den Regionalverkehr gekippt und damit eine Neuberechnung der Trassenpreise ausgelöst. Wer die dadurch entstehenden Mehrkosten am Ende trägt, ist jedoch noch offen. Sollten Bund und Länder keine zusätzliche Finanzierung bereitstellen, könnten die Folgen letztlich auch bei den Fahrgästen ankommen – etwa in Form höherer Preise für Bahntickets oder eines eingeschränkten Angebots.
Quellen: ZEIT, Tagesspiegel
