Die Nordsee steht für Weite, Natur und frische Seeluft – doch der Klimawandel macht auch vor dem Wattenmeer nicht halt. Umso wichtiger ist die Frage: Wie nachhaltig ist Urlaub an der Nordsee wirklich? Auf den Ostfriesischen Inseln, allen voran Spiekeroog und Borkum, wird intensiv daran gearbeitet, Tourismus und Klimaschutz besser miteinander zu verbinden. Die Inseln entwickeln sich zunehmend zu Vorreitern für nachhaltiges Reisen in Deutschland.
Nachhaltigkeit und Tourismus: Inseln als Zukunftslabore
Spiekeroog gilt schon lange als „grüne Insel“. Doch der Anspruch geht inzwischen weit über ein gutes Image hinaus. Ein sichtbares Beispiel ist die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach der Sporthalle: 170 Solarpaneele liefern seit 2024 so viel Strom, dass Schwimmbad, Sporthalle und Sauna zeitweise vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt werden können. Jährlich werden dadurch rund 28 Tonnen CO₂ eingespart. Doch die Energiewende auf einer kleinen Insel ist komplex. Fachkräfte sind knapp, Verwaltungsressourcen begrenzt und viele Projekte müssen parallel umgesetzt werden. Trotzdem verfolgt Spiekeroog – wie alle Ostfriesischen Inseln – das Ziel, langfristig klimaneutral zu werden.
Urlaub an der Nordsee: Öko-Bewusstsein der Gäste wächst
Nachhaltiges Reisen liegt im Trend, besonders bei jüngeren Urlaubern. Studien zeigen, dass vor allem die 18- bis 49-Jährigen gezielt nach umweltfreundlichen Urlaubsangeboten suchen. Die Nordsee profitiert davon – insbesondere bei Gästen aus Hamburg und Norddeutschland.
Auf Spiekeroog zeigt sich der Wandel im Detail: Weg von kurzlebigen Importprodukten, hin zu regionalen und langlebigen Alternativen. Ein Beispiel sind Souvenirs und Alltagsartikel, die früher aus Fernost importiert wurden und heute bewusster ausgewählt werden. Auch Mehrwegsysteme in der Gastronomie, Trinkwasserbrunnen und Strandmüllboxen gehören mittlerweile zum nachhaltigen Inselalltag.
Viele Ideen zum Klimaschutz im Alltag
Nachhaltigkeit bedeutet auf den Inseln nicht nur Energiefragen. Autofreie Konzepte, Carsharing-Angebote auf dem Festland und ein steigendes Umweltbewusstsein bei Gästen spielen eine große Rolle. Insulaner leben seit jeher eng mit der Natur – und diese Haltung überträgt sich zunehmend auch auf den Tourismus.
Experten sehen darin großes Potenzial: Die Ostfriesischen Inseln könnten zu Vorbildern für andere Destinationen werden und Gästen zeigen, wie klimabewusstes Reisen gelingen kann, ohne auf Komfort zu verzichten.
Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität
Trotz vieler Erfolge bleiben zentrale Herausforderungen. Besonders die An- und Abreise belastet die Klimabilanz erheblich. Auf Spiekeroog macht sie fast die Hälfte der touristischen CO₂-Emissionen aus. Klimafreundliche Alternativen zu den bislang fossil betriebenen Fähren sind technisch anspruchsvoll und im sensiblen Wattenmeer schwer umzusetzen. Erste Projekte, etwa ein elektrisch betriebener Katamaran nach Norderney, zeigen jedoch mögliche Wege auf.
Auch auf Borkum wird an großen Lösungen gearbeitet. Die Insel will bis 2030 emissionsfrei sein und setzt neben Wind- und Solarenergie verstärkt auf neue Wärmeversorgungskonzepte – von Wärmetauschern im Hafen bis hin zu Geothermie-Projekten. Gleichzeitig bleibt die Versorgungssicherheit eine Daueraufgabe, denn ein Teil der Energie kommt weiterhin vom Festland. Dennoch zeigen Spiekeroog und Borkum trotz aller Herausforderungen, wie Klimaschutz, Innovation und Tourismus miteinander harmonieren können – um Urlaub an der Nordsee grüner zu machen.
Quelle: hamburg.t-online.de
